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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 31

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 1
Article
Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
Date
1937-01-01
Page
Seite 31 (sequence 18)
Language
German
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Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser Streit auf das Werk zurück, dessen Autorschaft, wie er wiederum schreibt, „der Herr Bernays durch sein Stillschweigen anerkennt" (S. 580). Die Grundabsicht des Aufsatzes liegt darin, durch den Nachweis, daß auch die Orthodoxie eine Reform darstelle, der Reform die Vertretung des „eigentlich" jüdischen Gehaltes zuzubilligen und diese gleichzeitig im Sinne von Steinheims eigenem Offenbarungsbegriff zu vertiefen: „... schon lange haben die wahrhaften und tiefer schauenden Verehrer der Offenbarungslehre der Synagoge es schmerzlich beklagt, daß der Tempel ihre Erwartung nicnt befriedigen wollte". Von einem Standpunkt aus. der in der Gewinnung des Bürgerrechts der Juden ein nicht nur weltliches, sondern „sittlich religiöses Ereigniß" sieht und der Vernunft den Rang eines „höchsten menschlichen Gerichtshofes auch in Sachen der Religion" zubilligt, unterstellt Steinheim dem Bibelschen Orient bzw. dem Chacham Bernays den Emanationsbegriff Sendlings und findet von da aus in der Reform des Chacham „eine wahre Verführung zu einem schnöden Götzendienste", „infernales Geschwätz" und eine arglistige Täuschung, die „unter mystischer Nebelei und dunklen Redensarten dem mit offenen Maule staunenden Volke kanaanitische Greuel für Heiligthümer verkauft". Das ist in der Sache nur eine Wiederholung von Mosers und Abraham Geigers Argumenten, und es spitzt sich gegen den Schluß auf eine ganz ähnliche Jesuitendenunziation zu: auf die „Vermuthung ..., man habe die alte Synagoge absichtlich in* ihre Verdumpfung zurückbringen und sie also sich durch sich selbst zerstören lassen wollen, um irgend einem andern Wolfe im Schafspelze in die Hände zu arbeiten, für den auch die übrigen nebelnden Mystiker und Sj'mboliker seit lange werkthätig gewesen sind." Weder als Gedankennoch als Charakterleistung Steinheims würdig, ist dieses Vorgehen entschuldbar vielleicht nur durch die Hitze eines Kampfes, in dem, wie er richtig bemerkt, nur eben mit genauer Not ein Schisma vermieden wurde. Wie sehr dieser Kampf noch jahrelang nachzitterte, das zeigt eine in Hamburg 1845 erschienene Schrift „Der kabbalistisch - bibelsche Occident. Zeitschrift in zwanglosen Heften. Erstes Heft: Die kosmische Uridee und die historische Erscheinung" (ein zweites sollte über „Das Gesamtbewußtsein", ein drittes über „Die Individualität" handeln, doch sind beide nicht mehr erschienen). Die Schrift entspricht in Format, Einband, typographischer Anordnung und Interpunktion genau dem Bibelschen Orient; auch die Diktion hat der Verfasser ähnlich zu gestalten versucht. Soweit in diesem Unsinn überhaupt Gedanken zu erkennen sind — es genügt, dafür die Unterschrift der Einleitung anzuführen: „Hamburg, im Jahr der ersten objectiven Bethätigung der Uridee, 5605"! —, entstammen sie dem landläufigen Hegeischen Vokabular. Das Ganze kann also schwerlich anders denn als eine den Chacham kompromittierende Mystifikation gedacht gewesen sein. Als Verfasser nennt das Literaturblatt von Fürsts „Orient"20) den jüdischen Theologiekandidaten S. L. Schwabacher, „der sich jetzt ganz vom Tempel losgesagt hat"; er wurde später Prediger in Odessa. Unter den Nachrufen auf den Chacham, der im Mai 1849 starb, betonen die reformfreundlichen dessen Verfasserschaft am Bibelschen Orient, die orthodoxen gehen über die Frage hinweg. Im „Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller", dessen ersten Band Hans Schröder 1851 in Druck gab, heißt es über das Werk: „Das 2. Heft erschien unter dem Namen des Prof. Kalve (sie) in Würzburg. Das erste Heft aber scheint ohne Zweifel unserm Bernays anzugehören, obgleich er später die Autorschaft verleugnete" (S. 234). Die Zuschreibung geht wohl auf eine ungenaue Erinnerung an die Rezension des Conversationsblatts zurück; daß der Chacham die Autorschaft des Werkes später in Abrede gestellt habe, ist von dieser Quelle aus in die meisten Literaturgeschichten übergegangen. Auch Graetz21) übernimmt diese Version, fügt jedoch hinzu, das Werk gebe den Geist des Chacham „aber doch treu wieder". Die jün- 20) 1845, zu Nr. 35, Sp. 545; 37, 577; vgl. Fürst, Bibl. Jud. III 298; über Schwabacher vgl. P. Minkowski, Mi-Sefer Chajjai, Kap. 21 (in „Reschummot" Bd. 6, S. 71 ff., Tel-Aviv 1930). 21) Geschichte der Juden XI (1870), 427 Anm. 31

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