Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 1
Article
Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
Date
1937-01-01
Page
Seite 30 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259308-2259310-2262568--4769-2262648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser Freiheit schien dadurch bedroht. Deshalb trat der politische Liberalismus damals (und seit damals leichter) der Reform zur Seite: unter der scharfen Gegenerklärung des „Tempels" stand der Name Gabriel Riesser. Keine der beiden Seiten war in diesem Kampf sehr behutsam in der Wahl ihrer Mittel. So greift Abraham Geiger14) den Chacham Bernays u. a. als Verfasser des Bibelschen Orients an. Er spielt die historischen Meinungen des Werkes gegen die theologischen des Chacham aus und braucht nur die etymologischen Ableitungen biblischer Worte aus vorbiblischen Götternamen — die jedoch, wie das Werk nachweisen wollte, in der Bibel in einer neuen Bedeutung gebraucht werden — wörtlich zu nehmen, um den Vorwurf des Götzendienstes daraus ableiten zu können. Noch massiver geht S. L. Steinheim in einem Eingesandt vom März 1842 an die Allgemeine Zeitung des Judenthums15) gegen den „antibiblischen" Bibelschen Orient vor: er ziele „auf nichts Geringeres ab als die totale Ableugnung der Offenbarung des lebendigen Gottes, indem er den Heiligen Israels mit den fluchwürdigsten Götzen Kanaans verschmilzt und vereinerleit"; es sei ein „gotteslästerliches Werk". „Ich weiß nicht, ob und wo der Herr Chacham Bernays sich vom Verdachte, der Autor dieser theologischen Schandschrift zu sein, authentisch und feierlich gereinigt hat. Wir wünschen zu seiner Ehre und im Geiste des von ihm verwalteten Amtes, daß dies aufs feierlichste in Bälde geschehen möge. Wäre er aber der — jugendliche — Autor, so könnte ihn nur das Eingeständniß einer durchaus umgewandelten Überzeugung in seinem Amte und in seiner Würde anständig erhalten..." In der gleichen Zeitung16) hatte nämlich eine vom 1. Februar 1842 datierte, ebenfalls gegnerische Korrespondenz aus Hamburg, von der Steinheim ausgeht, die Bemerkung enthalten, der Chacham „desavouiere" das Werk, „dieses unvollendet gebliebene Kindlein". Wenn also Steinheim ein solches Dementi ausdrücklich bestreitet, so tritt ihm in Julius Fürsts Zeitung „Der Orient"17) Heinrich Jolowicz in Berlin zur Seite mit der Mitteilung, er habe der Redaktion ein Exemplar18) des fraglichen Werkes übergeben, „in welchem Herr Bernays mit eigener Hand und Unterschrift sich zum Verfasser desselben bekennt", — allerdings ohne den Wortlaut dieser Eintragung zu zitieren. Nachdem der eigentliche Tempelstreit durch den großen Brand Hamburgs vom 5.—8. Mai 1842 beendet war, griff Steinheim in einem größeren Aufsatz „Synagoge und Tempel, ein modernes Schisma"19) mit einer Art Nachwort zu dem 14) Der Hamburger Tempelstreit, eine Zeitfrage, Breslau 1842, S. 5—12. ") Nr. 15 vom 9.4.1842, S. 220. ™) Nr. 9 vom 26.2.1842, S. 126. 17) Jg. III, Nr. 17 vom 23.4.1842, S. 135 in einer Besprechung von Geigers Broschüre. 18) Dieses Exemplar befindet sich nicht in J. Fürsts Bibliothek, die, wie Professor Dr. I. Elbogen mir freundlich mitgeteilt hat, von Moritz Lazarus angekauft und der Berliner „Hochschule" zum Geschenk gemacht worden ist. Auch in dem dort verwahrten Handexemplar von Fürsts „Bibliotheca Judaica", Leipzig 1849, fehlt es, obwohl Fürst das Werk im Druck (I 112) unter Bernays' Namen aufführt. — Die Bibliothek von Heinrich Jolowicz ist nach freundlicher Auskunft von Dr. Heinrich Spiero und Albert Jolowicz 1876 durch das Antiquariat Josef Jolowicz in Posen verkauft worden, in dessen Katalog das Werk jedoch, wie Professor Alexander Marx, New York, mir schreibt, ebenfalls fehlt. 19) Allgemeine Zeitung des Judenthums Nr. 38 f. vom 17. und 24. 9. 1842,. S. 562—69, 578—83. 30

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.