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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 26

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 1
Article
Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
Date
1937-01-01
Page
Seite 26 (sequence 13)
Language
German
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Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser allmählichen Entwicklung Gottes selbst bei seiner Offenbarung in die Welt übernehmen; sie ist hier auf das Judentum übertragen. Ebenso werden die auch in Schellings späteren Entwicklungsstadien noch nachwirkenden pantheistischen Anschauungen streng vermieden, wie auch von Spinozas eigentlicher Philosophie mit keinem Wort die Rede ist. Und ganz unromantisch und dafür sehr konkret sind die Anschauungen des Werkes vom Geist des jüdischen Mittelalters; hier wirkt sich eine genaue persönliche Kenntnis aus11). III. Wer ist nun der Verfasser dieses Werkes? Das ist seit dessen Erscheinen bis zur Gegenwart immer wieder erwogen, mit Behauptungen und Gegenbeweisen umkämpft, aber noch nie sorgfältig untersucht und noch nicht geklärt worden. Lassen wir zunächst die Zeugnisse selbst sprechen, die gleichzeitig die jüdische Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts in manchen Punkten beleuchten. Schon die erste Besprechung, im „Literarischen Conversationsblatt" von 182112), kennt keinen Zweifel an der Verfasserschaft und nennt auch einen Verfassernamen: Professor von Kalb in München, einen protestantischen Theologen. Das erste Heft der „höchst merkwürdigen Schrift" empfiehlt der Rezensent aufs lebhafteste, da „auf diesen 66 Seiten mehr Weisheit und Reichthum der Gedanken zusammen gedrängt und daraus zu entnehmen ist als aus mancher Bibliothek". An „Annehmlichkeit des Vortrags, Klarheit der Darstellung, Popularität der Gedankenentwicklung" fehle es zwar, doch wer dem Verfasser „in seiner Auseinandersetzung folget, dem wird sich ein höherer Geist in der Geschichte offenbaren". Besonders begrüßt der Referent die „Verbreitung der Religiosität des Christenthums". Dem zweiten Heft gegenüber wird er darin jedoch stutzig: zwar gebe es dem ersten an Interesse nichts nach, doch mag er „ein paar nicht vorsichtig gewählter und einer Mißdeutung fähiger Ausdrücke nicht billigen. Selbst die Würdigung des Christenthums im Ganzen scheint nicht ideal genug... Es gewinnt fast den Anschein, als wenn der Verfasser durch unermüdetes und tiefes Studium des Geistes und der Bedeutung der mosaischen Religion so tief in denselben eingedrungen sey, daß er selbst von diesem Standpunkt aus die neue religiöse Schöpfung des Weltheilandes und den Eifer des Apostels Paulus für deren Erhaltung betrachtet..." Durch diese Besprechung auf das Werk aufmerksam gemacht, ließ der jüdische Lehrer S. P h i 1 i p p i in Frankfurt am Main eine Kritik als eigene Broschüre noch 1821 erscheinen unter dem Titel „Der biblische Occident oder über aie Entstellung der hebräischen Sprache". Er beschränkt sich auf Einwände gegen die Etymologien des Werkes, doch hat er dessen Tendenz wohl gespürt: er verteidigt Menll) Über Sendling hinaus sind di? genannten Ideen teilweise Gemeingut der romantischen Philosophie. Vom „Urvolk" spricht schon Fichte. Baaders Münchener Vorlesungen enthalten Gedanken wie Hebräisch als Ursprache (A. Kanne wollte 1815 sogar eine Anzahl deutscher Wortstämme aus hebräischen Wurzeln ableiten), das Programm einer Philosophie der Mythologie und weitgehende Beachtung, ja Verehrung der Kabbala. Eine dem BO ähnliche Stellung zur Bibel tritt in J. F. von Meyers Bibelübersetzung, zu Moses reformatorischer Rolle in J. L. Ewalds (anonymer) „Allgegenwart Gottes" (Gotha 1817, S. 271 ff.) hervor. Dieses Spinozismus mit Mystik verbindende Buch zitiert J. J. Wagner in seinem Hauptwerk „Religion, Wissenschaft, Kunst und Staat in ihren gegenseitigen Verhältnissen betrachtet" (Erlangen 1819), das „die Messias-Idee von der Beschränktheit aller zeitlichen Darstellung frei in ihrer reinen Universalität zu zeigen" unternahm (Lebensnachrichten und Briefe, Ulm 1849, S. 292). 12) F. A. Brockhaus, Leipzig, Nr. 102 vom 3.5.1821, S. 405 ff. für das erste Heft des Werkes; für das zweite, durch ein Versehen der Redaktion früher erschienen, Nr. 53 vom 3.3.1821; beide P. p. gezeichnet. — Da die „zweite Ankündigung" des Bibelschen Orients vom 20. August „1812" das Erscheinen des ersten Heftes auf „Ende September" ankündigt, so kann damit, wenn die Besprechung der beiden Hefte bereits Anfang März 1821 zum Druck vorlag, nur das Jahr 1820 gemeint sein. 26

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