Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 7)
- Language
- German
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Hans Bach. „Der BibePsche Orient" und sein Verfasser und meint, daß die frühe Kabbala, „wenn sie im vollen Besitz ihrer Weltsysteme und in ächter Anwendung ihres Organons tätig fortgeschritten wäre, bedeutend zur universellen Verschmelzung der Menschheit, auf ideellem Wege, hätte mitwirken müssen" (II 46). Bei einem Manne, dessen Drang nach Universalisierung der Religion sein Bekenntnis zur „nationeilen Individualität" oder, wie er es für die Erziehung fordert, zum „Charakteristisch-Jüdisch-Religiösen" (II 55 Anm.) die Waage hält, müßte eine solche Grenzerweiterung der Religion auch dann erstaunlich wirken, wenn er sich nicht so energisch, wie es tatsächlich geschieht, jeder subjektiven Interpretation des Religionsgesetzes entgegenstemmte (vgl. II 6f.; 50). Die Erklärung dafür liegt in seiner These, „daß alle in der Zeit entstandene wahre Religion nur reformatorisch sich manifestieren durfte" (I 22): das aber heißt doch, daß es in der Religion eine Neuschöpfung nicht gibt, sondern nur eine Rückkehr auf frühe Zustände. So leiten z. B. die „drei mythischen Formen der Schöpfungsgeschichte", die, in der Bibel als Sündenfall, Sintflut und Turmbau zu Babel erzählt, auch in allen anderen Mythologien wiederkehren, auf eine „Zentralidee" zurück, „die die Grundlage aller Religion bildet" (I 17). Von solchen Urideen nun kann das Judentum auch dann wieder befruchtet werden, wenn sie innerhalb seines eigenen Kreises in Vergessenheit geraten sind. So treten „die vom ganzen Altertum geheim bewahrten und von Moses allein in das Nationalgefäß gegossenen Ideen" in der neuplatonischen Schule wieder hervor und zeigen „den inneren Berührungspunkt" zwischen dem Judentum und dem übrigen Altertum; das Judentum erscheint dabei als „ein zeitliches Gefäß der ewigen Idee, welches im organischen Volksleben das symbolisierte", was das Griechentum in Theogonie und Gigantomachie „dramatisch objektivierte" (II 25). Von griechischen Mysterien wie von ägyptischer Magie sind die Essäer erzogen, und ihnen schreibt der Verfasser einen weit größeren und heilsameren Einfluß auf das Judentum zu als den Pharisäern, wogegen griechische Philosophie die Sadduzäer zu „Ketzern" machte. Und ebenso wäre die Kabbala „notwendig aus dem praktisch mosaischen Judentum herausgefallen, hätte sich ihr nicht die uralte Ansicht" von der Selbstgestaltung des schaffenden Wortes „vererbt" (II 45). Der Schlüssel zu solchen „Urideen" und „Urständen" aber liegt in der Sprache. Wie die Bibel selbst „der Werkstätte der Menschenbildung nahe" ist, so stellt „das subjektiv Charakteristische und göttlich Einfache" der hebräischen Sprache diese „dem beschaulichen Urgeiste der Menschheit so nahe" (II 65). Die Sprache überhaupt hat sich — was der Verfasser durch einzelne Entwicklungsformen der Wortbedeutung zu belegen kühn unternimmt — „vom Himmel, d.h. aus den adytis der Mysterien, zur Erde, d.h. zur sinnlichen Bedeutung" herabgestuft (I 32); Hebräisch aber ist eine „unversiegbare Quelle", ein „Strom aus Eden" (II 8). Obwohl es nun, wie jede Sprache, zum „geistlosen Aggregat" werden kann (I 65), sind im biblischen Hebräisch doch alle früheren, auch vormonotheistischen Erscheinungsformen erhalten geblieben: eine urmenschliche „Erinnerung der ältesten Weltideen, etymologisch rein" bewahrt (II 67); nur sind die Wortzeichen zu monotheistischen Bedeutungen umgeschaffen (I 25, II 67), GötterundGötzen- 20