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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 19

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 1
Article
Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
Date
1937-01-01
Page
Seite 19 (sequence 6)
Language
German
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Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser Aufgabe, „die kosmisch-ewigen und welthistorischen Ideen der Welt- und Menschwerdung" in nationale Formen so „beengend einzugießen, daß sich das Land als Erde, das Volk als Menschheit und der Nationalgott als Weltgott der Volksanschauung darstelle" (I 36), werden sofort die Wege gewiesen, auf denen diese Verengung neuer Universalität Platz machen wird. Talmud und Kabbala versuchen nach der zweiten Tempelzerstörung, „das Mosestum ohne Opfer geistig fortzuleiten", jedoch „freilich auf keine genügend universelle Weise" (II 40). Philo versteht es, aus essäischem Geist die mosaische Symbolik deutend, „dem National- Jüdischen wieder kosmische Bedeutung" zu verschaffen (II 261), und die Verschärfung der religiösen Gebote nach dem nationalen Untergang wird damit erklärt, daß das früher nur national staatserhaltende Gebot jetzt „universell bedeutsam, ja weittragend ward" und seine Vernachlässigung „Welten zerstöre" (II 27, 44). Am stärksten spricht sich dieser Universalismus des Verfassers in einer Grundfrage aller Religionen aus: in der Behandlung der Unsterblichkeitslehre. Er weiß, daß im Judentum wie im Christentum „die jenseitige Zurechnung als Dogma an die Spitze des Volksglaubens tritt" (II 23). Aber dem „irreligiösen Dogma" der Sadduzäer gegenüber, die sowohl Auferstehung wie Zurechnung nach dem Tode leugnen, kann er „nicht umhin, den Schleier aller alten Religionen lüftend, die Wahrheit ungeschminkt niederzulegen, daß Metempsychose, Auferstehung, Messias und Zurechnung nach dem Tode, die Gesamtformen aller religiös bestimmten Fortdauer", nur Anschauungsformen der Völker sind für die „Ewigkeit des Menschengeistes, Unsterblichkeit der Seele genannt" (II 19 f.). Da nun „in der formellen Ausbildung" dieser Idee „der geheime Brennpunkt" liegt, „wo das Religiöse und Politische sich innigst berühren" (II 22), so scheiden sich die Formen nach historischen Epochen und nach politischen Bedürfnissen. Der Mensch in seiner Entwicklung hat die Idee der Unsterblichkeit, „insofern er noch mit der Natur sympathisierte, als Seelenwanderung gefühlt; in welthistorischem Spiegel aber, bloß auf die Menschheit zurückstrahlend, als Auferstehung gehofft; in nationaler Hinsicht, als Restauration des im Laufe der Geschichte hingewelkten Volkes, als Messias erwartet; endlich verkümmert, auf das Individuum beschränkt, als Zurechnung nach dem Tode gepredigt". Politisch sagt dem „indischen Zartgefühl" die „kosmische Metempsychose" zu; die antiken Mysterien, „deren Augenmerk zunächst die Menschheit war", dramatisieren die Auferstehung; der „mosaische Jehova" mußte die „Idee der Fortdauer national ... als Restauration (Messias) am Ende der Zeiten hinstellen", hat aber die „niedrig beschränkteste Form" der Unsterblichkeitslehre* die Zurechnung nach dem Tode, nur negativ in der „göttlichen Acht" (Austilgung) angedeutet, und deren Ausbildung gehört erst der späten alexandrinischen Zeit und einem Volkszweig an, der, „außerhalb seines religiös nationalen Bodens", „sogar der Idee eines Vaterlandes despotisch beraubt" war (II 20 f.). Hier überschreitet der Verfasser also bewußt die Grenze seiner eigenen Religion, nicht um diese zu sprengen, sondern um sie universal zu machen. Tadelt er doch des Maimonides „Mischne Thora" darum, daß der Talmud darin „gerade den be[lebenden] und lebenden Geist aushauchen mußte, der einst seine Verehrer der allgemeinen Auferstehung der Menschheit teilhaftig machen könnte" (II 53f.), 2* 19

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