Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2259275-2259308-2259310-2262568--4757-2262636- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser Volk deshalb sein, weil Gott, in einer an sich verengten Form aufgefaßt — „der mosaische Jehova5) als Nationalgott der Israeliten" — „dies Volk, so lang sein Gesetz unter ihm thront, für die Menschheit setzte" (II20). Das Gesetz ist zunächst ein doppeltes Band: als von allen heidnischen Bestandteilen gereinigter „traditioneller Geist" die Seele des Staates, und, Gottes „handelnde Manifestation in Opfer und Recht symbolisch ab- und nachbildend", der „Leib" des Kultus (I 40). Auch nach dem Aufhören des Opferdienstes ist ^symbolische Handlung" der jüdische Weg geblieben, „die Idee zu versinnlichen" (II 41; der heidnische liegt im „plastischen Bilde"); auch der einzelne jüdische Mensch ist „das redende Symbol eines göttlich-menschlichen Handelns und eines menschlich-göttlichen Lebens" (I 37). Der Bereich des Glaubens wird dabei stark eingeengt: die Gesinnung hat „nur insofern höhern Wert, als sie ihre Reinheit im praktischen, ganzen religiösen und bürgerlichen Leben werktätig ausspricht und bewährt" (II 48). An Abraham wird in der gleichen Absicht erwähnt, daß er, im Rahmen einer Hirtenfamilie, „nur Glauben setzte", während doch „alle positive Volksreligion" allein darauf beruhe, „das Göttliche als Prinzip alles menschlichen Lebens und Webens so zu gestalten, daß es dieses beseelend beherrsche" (134). Mit einem nationell gedachten Volksbegriff ist es dem Verfasser durchaus ernst. Er rühmt an Spinoza („dessen wissenschaftlicher Einfluß auf den geistigen Gang der neuern Zeit nebst seinen jüdischen Verfolgungen eine artige Parallele mit dem religiös-volksmäßigen Wirken und Schicksal Christi darbieten möchte", I 64), daß er im Theologisch-Politischen Traktat die Bibel als das „Nationalbuch eines alten Volkes" (II 64; 61) dargestellt habe; er betont ebenso die „nationalhistorische Anschauung" von Jehuda Halevis Kusari (II 52) und wünscht für die Entwicklung seiner eigenen Zeit, die Völker, von der „Wanderreise in das Feld des profanen Wissens" nun „zum heimatlichen Oriente zurückgelangt/*, möchten „brüderlich ihre großjährige Meisterschaft feiern — freilich aber jedes in dein vergeistigten Gepräge seiner nationeilen Individualität" (II 60). Dazu stimmt es durchaus, wenn eine Meinung auftritt wie die, außerhalb Kanaans, „auf dem profanen Erdreich" Ägyptens, habe „die symbolische Pflanze, die an Zion aufrankte, nie zu einem Baum gedeihen" können (II 13). Wenn aber die Juden selbst als „Trümmer", als „national längst verlebtes Volk" aufgefaßt werden (I 63; II 7, 22, 65), so überkreuzen dabei messianische Gedankengänge die unmittelbar nationellen. Denn das Nationelle ist mit dem Religiösen zu unlösbar verbunden, um etwa in einem modern säkularisierten Sinne national heißen zu dürfen: die jüdische Religion umfaßt „das bürgerliche und religiöse Leben zugleich" (II 59 Anm.), und sie, nicht die Nation, hat dabei die Führung. Den Gedanken (der Sadduzäer), das Religionsgesetz als bloß bürgerliches Gesetz, d. h. „als äußerlich politisch und zeitlich abgeschlossen" zu betrachten, verurteilt der Verfasser nicht weniger scharf als eine „dem individuellen Gemüte preisgegebene Moral" (II 18). Und die Religion ist ebenso universal wie national; ja sie ist dem Verfasser kaum universal genug: nur so kann Israel der „geistig-ethische Atlas der Weltgeschichte" sein (I 65). Nach der Erklärung von Moses 5) Der Gottesname wird, als nur national beschränkt, als eines der „Attribute" Gottes (s. S. 7 f.) angesehen und darum auch ausgesprochen. 18