Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 2)
- Language
- German
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Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser ihrer welthistorischen Bedeutung", zugleich „die Stufe zu bestimmen, welche jenen aus der Vorwelt vernommenea Feuerlauten" nicht an sich, sondern „als abgeprägtem Ausdruck einer Menschenseele in der Reihe unserer Literatur anzuweisen sei" (1 5). Das ist ein anspruchsvolles, aber einfaches und klares Programm eines Schriftstellers, der der Abneigung seines Publikums gegen Darlegungen religiöser Art entschlossen Rechnung trägt und die Bibel als Literaturdokument, als geschichtliches Ereignis und, ganz modisch, als „Ausdruck einer Menschenseele" psychologisch interpretieren will. Er glaubt so gleichzeitig, mit der für seine Leser nötigen Änderung des Tons, einer nationalen Aufgabe gerecht zu werden, als Nachfolger der Männer, die als „geistig-gemütliche Nahrung" für „das durch Abschüttelung fremden Joches geweckte Volksleben" (I 1) — Bibelgesellschaften stifteten. Liest man diese ersten Seiten der Vorankündigung, so muß der Eindruck einer protestantischen, ästhetisch-politisch gefaßten Unternehmung entstehen, einer Wiederaufnahme etwa von Schleiermachers „Reden über Religion" oder eines Vorklangs von Chr. J. v. Bunsens Bibelwerk mit seiner Tendenz, wissenschaftliche Ergebnisse der orientalischen Forschung mit protestantischer Gläubigkeit zu vereinen und dieser geradezu nutzbar zu machen. Denn auch der Bibelsche Orient verspricht, „gehörig zu benützen", was die Bibelwissenschaft erarbeitet habe (I 7). Aber dieser Eindruck, eine protestantische Feder am Werk zu sehen, wird sofort wieder schwankend, wenn wir weiterlesen. Denn nun knüpft sich plötzlich das ganze Unternehmen an Herders „Geist der ebräischen Poesie" (1783) an, in einer Weise, daß es ebenso als Einleitung dazu wie zu dem geplanten, aber nicht erschienenen größeren Werk verstanden sein will. Wohl bildet Herder den Ausgangspunkt der im weiteren vorgebrachten Gedankengänge. Doch der Einfall, auf diese Weise zu einer Einleitung in das Verständnis der Bibel wieder eine Einleitung zu schreiben, scheint eher aus der Denkmethode einer Jeschiwa als aus der einer protestantischen Theologtnfakultät zu stammen. Und mehr noch: gleichzeitig soll „das Subjektive" in Herders Darstellung berichtigt werden, nämlich ein für diesen „unübersteigliches Hindernis" beim Übergang vom Alten zum Neuen Testament, „das nicht auf steinernen Tafeln, sondern als Bund und Geschichte des Geistes in die weichen Herzen einer kleinen Herde aufgeschrieben wurde" (17). Und diese Subjektivität habe, meint der Verfasser weiter, Herder „auf dem Punkte zittern" lassen und ihn an der Vollendung des dritten Teiles gehindert — den Konsistorialrat Herder, der doch mit dem Neuen Testament seinen eigentlichen Boden betrat? Endlich figuriert unter den Gründen der Herausgabe, ja ihrer Beschleunigung, ein noch sonderbarerer, wenn es sich um einen protestantischen Verfasser handelte: es beginne sich „neuerdings im Judentum selbst ein scheidender geistiger Prozeß, von dem Herrn Stadtrat Friedländer ausgehend, zu regen" (I 6). Es müßte ein merkwürdiger protestantischer Theologe sein, der es hätte unternehmen wollen, außer einem „gebildeten Publikum" auch die Juden selbst gegen ihre eigene Meinung auf den „orientalischen Sinn" der Bibel aufmerksam zu machen. Und so sind wir weniger als über diese doch allzu objektive Einkleidung der Ankündigung erstaunt, wenn in den späteren Teilen eine Bemerkung über „unsere heutigen Friedländerianer" 15