Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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„Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser Von Hans Bach I. Ende September 1820 erschienen anonym, in Kommission des Münchener Verlags E. A. Fleischmann und mit dem Erscheinungsjahr 18211), unter dem Titel „Der BibePsche Orient. Eine Zeitschrift in zwanglosen Heften", zwei dünne Bändchen von zusammen 130 kleinen Oktavseiten, in schwarzem Umschlag mit blutrotem Titel. Eine beigegebene „Erste Ankündigung vom 20. May 1820" hatte „ein Werk" von höchstens 3—4 Bänden in Aussicht gestellt; eine zweite vom 12. August „1812" (wie es mit zweimaligem Druckfehler heißt) entschuldigt aus „unvorhergesehenen Hindernissen" die Verzögerung des Erscheinens und rechtfertigt ebenso die neue Erscheinungsart. Beide Vorreden sind aus München datiert. Erschienen sind nur die beiden Hefte. Was bedeutet dieser Titel, der damals nicht weniger merkwürdig klang als heute? Die Antwort muß lauten: ein Programm. Denn es kann nur die Absicht dahinterstehen, eine Leserschaft, die vom Orient überhaupt zu hören geneigt ist, auf die Bibel als ein Stück Orient hinzuweisen und diese gleichzeitig für einen „modernen", fast mondänen Geschmack zu aktualisieren. Eine solche Neigung zu orientalischen Dingen bestand damals allerdings; sie läßt sich noch heute an dem großen Erfolg von Goethes (1819 erschienenem) „Westöstlichem Diwan" erkennen. Der Verfasser wendet sich demgemäß an das „verfeinerte Auge des gebildeteren Publikums, dessen Geschmack durch abendländische Bildung und ästhetische Leckerkost verwöhnt ist": diesem Publikum, meint er, müsse die Bibel, „jene geistigen Trümmer des Orients", in Luthers Übersetzung „einfältig, ja fruchtlos, und höchstens als Nationalschriften eines Volkes erscheinen, dessen Stammväter kindische Schäfer, dessen Gesetzgeber geistig groß, aber schlaue Priester, dessen Könige Despoten, [dessen] Richter Abenteuerer und dessen Propheten — Demagogen waren" (14). Demgegenüber setzt er es sich zur Aufgabe, „den Geist jener heiligen Bücher in seiner Reinheit und Klarheit ohne allen gelehrten Wortkram" darzustellen und, neben ihrer „stark gezeichneten Eigentümlichkeit und *) Diese Untersuchung geht aus einer in Zusammenarbeit mit Michael Fraenkel, Breslau, unternommenen Biographie von Jacob Bernays hervor. Von dem Material, das für jene Unternehmung Michael Fraenkel mir zur Verfügung stellte, sind einige Zitate neuerer Literatur auch der vorliegenden Arbeit zugute gekommen; dafür bin ich Fraenkel zu Dank verpflichtet. x) Nicht zu verwechseln mit einer München 1820 ebenfalls anonym erschienenen Schrift „Der biblische Orient", als deren Verfasser (nach Holzmann-Bohatta, Dtsch. Anonymenlexikon III 242) der Thesaurus librorum rei catholicae, Würzburg 1848/50, den Benediktinermönch Ottmar Frank (1770—1840) nennt, später Professor der Indologie in Würzburg und München. Die Schrift war mir nicht zugänglich. — Zum Erscheinungsdatum vgl. Anm. 12. 14