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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 248

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1936-01-01
Page
Seite 248 (sequence 2)
Language
German
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Literatur und für die Geldgeschäfte der jeweilige Kaufwert des Geldes berücksichtigt wird. Es erscheint heute notwendiger als je, für die historische Betrachtung des Mittelalters auf diese wissenschaftliche Forderung aufmerksam zu machen. Die erwähnten richterlichen Urteile zu werten, wird eine Aufgabe für sich sein. Von Interesse sind hierbei z. B. auch die jüdischen Eidesformeln; Reg. No. 104 das Versprechen eines Juden „bei der Treue seines Judentums"! Die Urteile enthalten neben den vom Herausgeber gekennzeichneten mittelalterlichen Formen doch auch ein starkes Empfinden für Gerechtigkeit. Eine merkwürdige Vermischung von beidem erweist Reg. No. 314, das moralisch wie juridisch eine Erörterung verdienen würde. Für rein innerjüdische Fragen wird die Untersuchung der Namen der Männer und Frauen, ihrer Familienbeziehungen (Reg. No. 79 eine HochzeitSr fejer), der gemeindlichen und häuslichen Einrichtungen, des geistigen und kulturellen Zustandes der offenbar sehr kleinen Gemeinden manches für die allgemeine jüdische Geschichte wertvolle Material den Urkunden entnehmen können. Für die Beziehungen nach außen, zu den Fürsten, Adligen, Kirchen, Klöstern und Bürgern, ist es überaus reichlich. Eigentümlich, daß das in den deutschen Urkunden für Juden übliche Beiwort „beschaiden" — auch in Reg. No. 363 als Gegenwort zu „erbar" — im lateinischen Text ersetzt wird durch „providus"; beide Adjektiva besaßen offenbar einen heute nicht mehr geläufigen Nebensinn. Für die Wohlordnung des ganzen Werkes zeugen die Beigaben: Literaturverzeichnis, Datierungstabelle, Textinhaltsübersicht, Index der jüdischen Namen und Siedlungen, allgemeiner Ortsindex, Sachenindex. Es zählt als erster Band der Schriften der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Tschechoslowakischen Republik, die sich damit ein neues Verdienst um die jüdische Geschichtsforschung erworben hat. Wir hoffen, daß es ihr, den Gönnern, welche diese Ausgabe ermöglichten, und dem Herausgeber selbst verstattet ist, noch den zweiten Teil zur Veröffentlichung zu bringen. Für die Geschichte der Juden auch im eigentlichen Deutschland wird dieses Quellenwerk fortan mit herangezogen werden müssen. München. Max Freudenthal. rmn nrra» Max Dienemann zum 60. Geburtstag, gewidmet vom Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Offenbach am Main. Frankfurt a. M. 1935. I. Kauffmann Verlag. 102 Seiten. Unter den Aufsätzen, welche die Israelitische Religionsgemeinde Offenbach in einer Festschrift ihrem Rabbiner, einem Führer des liberalen Judentums, gewidmet hat, befinden sich mehrere Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland. Ismar Elbogen entwirft ein Bild von den Anfängen der gottesdienstlichen Reform im deutschen Judentum. Die Umbildung des jüdischen Gottesdienstes ist nur ein Ausschnitt aus dem Gesamtproblem, das sich aus der Umgestaltung der kulturellen und gesellschaftlichen Lage der Juden am Anfang des 19. Jahrhunderts ergab. Wie das ganze Problem, wurde auch sie in Deutschland am tiefsten durchdacht und am ernstesten ausgefochten. Die Gegenwart sieht sich ähnlichen Fragen gegenübergestellt. Daher ist die Aufrollung des historischen Bildes nicht bloß von geschichtlichem Interesse, sondern es besitzt geradezu moderne Aktualität. — Mit durch dieses Bewußtsein scheint die Wahl eines anderen Themas aus der Reformgeschichte bestimmt zu sein: Paul Lazarus7 Studie über Aron Chorin. Ob es freilich ein glücklicher Gedanke war, die Wirksamkeit des ungarischen Reformrabbiners in einem ausführlichen Bild wieder erstehen zu lassen, der zum Beispiel dafür eintrat, unbedeckten Hauptes zu beten, der die Benutzung der Eisenbahn am Sabbath für erlaubt erklärte, der „Erleichterungen" der Sabbathheiligung, wie das Schreiben nichthebräischer Buchstaben (!!) gestatten wollte, und dergleichen mehr, das wird man füglich bezweifeln dürfen. Nach der erschöpfenden „biographischen Skizze" von Leopold Low (Gesammelte Schriften, II. Szegedin 1890, S. 251—420) lag wissenschaftlich keine Veranlassung zu neuer Behandlung vor. Dem Verfasser selbst ist es auch nicht entgangen, daß unsere religiösen und sonstigen geistigen Erkenntnisse sich in ganz anderen Bahnen bewegen. — Wissenschaftliche Bereicherung erfährt dagegen die Kunstgeschichte und die Rechtsgeschichte der Juden in Deutschland durch je einen Festschrift- . beitrag. Bruno Italiener beschreibt und behandelt eine Sederschüssel aus Zinn mit hebräischen Inschriften und Darstellungen aus der jüdisch-religiösen Vorstellungswelt. Sie entstammt der Mitte des 16. Jahrhunderts und bildet ein 248

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