Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Deutsche Literatur in hebräischer Übersetzung
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 7)
- Language
- German
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Miszelle der Sitten, Vom Ewigen Frieden, Von der Macht des Gemütes), Fichte, Nietzsche (Also sprach Zarathustra). Ferner Kuno Fischers Einleitung zur Geschichte der neueren Philosophie und Kerschensteiners Charakterbegriff und Charaktererziehung. Die Aufzählung hier müßte selbst zur Bibliographie werden, wenn Vollständigkeit angestrebt würde. Erwähnt seien nur noch einige Werke, von denen man vielleicht nicht ohne weiteres vermuten möchte, daß sie auch schon in hebräischem Gewände erschienen sind: Knigges Umgang mit Menschen, Pestalozzis Wie Gertrud ihre Kinder lehrt, Brehms Tierleben und Friedländers Darstellung aus der Sittengeschichte Roms. Wenn man die Erscheinungsorte der hebräischen Übertragungen überblickt, sieht man, daß die Übersetzungstätigkeit in Deutschland und Österreich ihren Ausgang genommen hat, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich in Rußland und Polen gepflegt wurde und neuestens ihren Mittelpunkt in Palästina findet. Dem Übersetzer flicht die Nachwelt keine Kränze. Nicht einmal die Namen dieser verdienten Vermittler geistiger Werte, die zugleich Pioniere der neuhebräischen Sprache und neujüdischen Wissenschaft darstellen, werden immer genannt. Unter ihnen sind solche, die in der jüdischen Literatur und Geschichte einen guten Klang haben: David Samosz, M. Letteris, S. P. Rabinowicz, Nahum Sokolow. In den vorstehenden kurzen Notizen konnte das interessante und wichtige Thema natürlich bloß angedeutet werden. Sie sind weit entfernt von erschöpfender Behandlung. Wenn sie aber Aufmerksamkeit finden und zu einer solchen anregen würden, wäre ihr Zweck am besten erfüllt. Miszelle Subskribentenlisten als Geschichtsquellen. Von S. Neufeld. Bei der neuerwachten Neigung zur jüdischen Vergangenheitsforschung müht sich der einzelne Ungeschulte oft vergeblich, die Heimat seiner Ahnen und Urahnen festzustellen. Man wendet sich an die vermeintliche Heimatgemeinde mit der Bitte um Nachforschung in Archiven und kommt dann oft nicht weiter, weil keine Geburts- und Sterbeakten in den Archiven aufbewahrt sind. Es sei deshalb auf eine Hilfsquelle hingewiesen, die bisher wenig beachtet wurde. Wenn man früher jüdische Bücher drucken wollte, hat man zunächst zur Finanzierung des Drucks Subskribenten geworben und deren Namen aus Höflichkeit oder auch zu Propagandazwecken in der Einleitung der Bücher abgedruckt. Diese Listen können ein wichtiges Hilfsmittel bei der Erforschung der Ahnengeschichte werden, da man aus ihnen Ort und Zeit der Niederlassung der Subskribenten feststellen kann. Als Beispiel seien ein bekanntes und zwei unbekannte Bücher angeführt. Zunächst die bekannte Pentateuch-Ausgabe Mekor Chajim, Berlin 1831, mit alten Kommentaren herausgegeben von Dr. Heinemann. Die Einleitung zu allen fünf Büchern enthält Subskribentenlisten, zu Band I auf viereinhalb Seiten, größtenteils aus Posen und Westpreußen, aber vereinzelt auch aus großen und kleinen Gemeinden Mittel- und Westdeutschlands. Unter den Subskribenten werden z. B. genannt aus Posen R. Akiba Gins (d.i. Akiba Eger), aus Frankfurt a.M. Baron Anschel v. Rothschild und Baron Salomo v. Rothschild (alle beide besonders kostbar geschriebene Exemplare), aus Berlin Konsistorialrat Bellermann. Beim Durchblättern findet man in einzelnen Orten Namen, die noch heute dort heimisch sind, so in Jastrow: Simon, in Schwersenz: Berwin. Ziemlich unbekannte Ortsnamen sind als Familiennamen festzustellen, so in Ückermünde: Simon Biesenthal, in Berlin: Lippmann Mittenwald (wohl nach Mittenwalde im Kreise Teltow) und Jona Angermünde, in Filehne: Israel Belgard und Hirsch Bleichrod (wohl von Bleicherode am Harz). Die folgenden Bände enthalten nur wenige Ortschaften, zeigen aber, daß Buchhändler und Agenten in diesen Orten intensiv geworben haben. Neben der Provinz Posen ist besonders stark Königsberg i. Pr. vertreten. Hier aber sind die Subskribenten fast ausschließlich zufällig anwesende 244