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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 232

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1936-01-01
Page
Seite 232 (sequence 24)
Language
German
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Wilhelm Stern. Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ung der ersten Eisenbahn in Unterfranken einsetzte12) und eine Zuckerfabrik in der Umgebung Würzburgs gründete. Durch die wirtschaftliche Krise im Jahre 1848 erlitt die Familie Hirsch große finanzielle Einbußen13). Einer anderen Linie der Hirschschen Familie entstammte Moritz von Hirsch (1831—1896), der Gründer der Jewish Colonisation Association, welche seit 1890 jüdische Siedlungen in Argentinien, Kanada und Rußland gründete und finanzierte. Seiner Tätigkeit danken etwa 100 000 Farmer in den USA. ihre Existenz als Farmer. Bis zum Jahre 1813 hatten bereits 14 jüdische Familien das Recht, in Würzburg zu wohnen14); 1814 wurde das Oberrabbinat von Heitfingsfeld nach Würzburg verlegt; dagegen wurde erst 1828 eine jüdische Gemeinde in Würzburg gebildet und erst 1840/1841 eine Synagoge erbaut. Erstmalig in der großherzoglichen Zeit wurden die gegen die Juden bestehenden Ausnahmegesetze einer Revision unterzogen. Die Steuern der Juden wurden auf ein erträgliches Maß zurückgeführt. 1806 wurde der besonders entehrende Leibzoll mit Worten, die einer Entschuldigung für das vergangenes Unrecht gleichkamen, abgeschafft15), 1809 fiel der Totenzoll und der Zoll für durchziehende Brautleute16). Von 1808 bis 1809 pflog die Regierung ergebnislose Verhandlungen über die Ablösung verschiedener Steuern zugunsten einer Gewerbesteuer17); aber erst 1824 wurde das Judenschutzgeld durch die Gewerbesteuer ersetzt18). Während das benachbarte, weit fortgeschrittene Herzogtum Frankfurt den Juden des Landesteils Aschaffenburg 1813 das Bürgerrecht verlieh19), schob das Großherzogtum Würzburg die Neuorganisation der Judenschaft hinaus, die dann erst unter der endgültigen bayerischen Herrschaft eintrat. In die Zeit des Großherzogtums Würzburg fielen nur noch zwei die Juden betreffende Reformen. Die eine betraf die im Jahre 1812 erfolgte Einführung der Militärdienstpflicht auch für die Juden20), die sich aber im Gegensatz zu den christlichen Untertanen durch Zahlung einer Reluitionssumme vom Militärdienst loskaufen konnten. Die Reluition wurde deshalb zugelassen, weil man glaubte, die jüdischen Soldaten seien nicht mutig und tapfer. Im Gegensatz hierzu führte der Referent des bayerischen Judenedikts von 1813, v. Welsperg, aus, daß wir „nach allen glaubwürdigen Nachrichten 12) Günther, Würzburger Chronik, 4. Bd., Würzburg 1927, S. 132 ff. ") Günther, S. 183. 14) Günther, 3.Bd., Würzburg 1925, S.417. Diese 14 Familien, deren Nachkommen großenteils noch in Würzburg leben, waren: Jakob Hirsch, Hofbankier;Salomon Hirsch; Samuel Jeidels; Mayer Fälklein; Feist Aron; Nehm Aron; Abraham Hirsch Mayer; Jakob Mayer, Jakob Mayer Josef; Samuel Aron Koppel; Moses Hirsch Fleischmann; AronKohn; Moses Jeidels; Low Koppel. In Kitzingen gab es dagegen bis 1861 keine Juden (ygl. N. Bamberger, S. 17). In Schweinfurt gab es Jahrzehnte lang nur zwei jüdische Familien, erst mit Beginn des 6. Jahrzehnts setzte ein starker Zuzug ein; nachdem sich eine Gemeinde gebildet hatte, wurde im Jahre 1864 das Distriktrabbinat von Niederwerrn nach Schweinfurt verlegt (vgl. Stein, S. 53). 15) Döllinger, S. 229 f. In Aschaffenburg wurde der Leibzoll, auf Betreiben von Wolt Breidenbach, der in ganz Deutschland für seine Aufhebung wirkte, bereits 1804 abgeschafft; vgl. Graetz, Geschichte, XI2, S. 573. ") Döllinger, S. 232. ") Staatsarch. Würzburg, Admin. 572/12929. 18) Döllinger, S. 241. In Aschaffenburg erfolgte die Steuerablösung bereits 1811; vgl. Bamberger, S. 70 f. 19) Döllinger. S. 234 f. 20) Staatsarch. Würzburg, Militärsachen 144/2970. 1804 war schon einmal die .Militärdienstpflicht für die Juden festgestellt worden. Döllinger, S. 219. 232

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