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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 230

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1936-01-01
Page
Seite 230 (sequence 22)
Language
German
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Wilhelm Stern. Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rftterschaftlichen Orten und Schlössern auf dem Lande. Sie nährten sich vom Handel, da ihnen alle anderen Berufe verschlossen waren; selbst auf diesem Gebiete waren sie den mannigfachsten Beschränkungen unterworfen. So war ihnen der Handel mit Wein, Getreide und Mehl verboten3); nur wenige Juden, besonders die Rhönjuden, mögen sich auch mit Landwirtschaft beschäftigt haben, Landwirtschaft als Hauptberuf war ihnen verboten. Gegenüber den anderen Untertanen waren die Juden durch Sondersteuern wie Judenschutzgeld, Leibzoll, Neujahrsgelder usw. benachteiligt, Abgaben, die teilweise an das Willkürliche grenzten*). Von den seßhaften Juden5), die in der Hauptsache Hausierhandel trieben, waren die „Betteljuden" zu unterscheiden, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in großen Massen das Land durchzogen und sich den Unterhalt bei ihren Glaubensgenossen erbettelten; die seßhaften Juden glaubten sich aus religiösen Gründen der Unterstützungspflicht nicht entziehen zu können. Die Betteljuden und der Teil der übrigen Juden, welcher in dem oft bitteren, sorgenvollen Kampf um den Lebensunterhalt listige Kunstgriffe und wucherische Handlungsweise nicht verschmähten, waren in erster Linie Gegenstand des Hasses der christlichen Bevölkerung, ohne daß aber die übrigen Juden von den Bedrängnissen verschont geblieben wären. Es war ein katholischer Geistlicher, der sich mit seiner ganzen Überzeugungskraft für die Juden im geistlichen Fürstentum und später im kurfürstlich bayerischen Würzburg einsetzte: der Professor der Theologie in Würzburg, Franz Oberthür. In seiner Vorrede zu „Des Flavius Josephus Selbstbiographie"6) nennt er die Juden seiner Zeit „nur noch zur Not, etwa halb kultiviert, noch immer stolz auf ihre Ahnen, auf das, was sie einst dort im heidnischen Land gewesen sind, unkundig der Menschenwelt, unkundig des großen Haufens ihres Volkes und ihrer selbst" und mit „knechtischem Sinn" behaftet. In dieser Vorrede veröffentlichte Oberthür eine Bittschrift an den bayerischen Kurfürsten, welche er 1803 auf Betreiben der fränkischen Juden abgefaßt hatte. Die Bittschrift enthielt nicht, wie es die Juden wünschten, das Verlangen „nach vollem Bürgerrecht und gänzlicher Gleichstellung mit den Christen"; Oberthür, welcher der Dauerhaftigkeit plötzlicher Reformen nicht traute, schlug vor, was nach seiner Ansicht „Menschheit nicht zu versagen erlaube", nämlich 1. Maßnahmen gegen die „große Anzahl und die höchst traurige Lage" der Juden in den ritterschaftlichen, unmittelbaren Ortschaften und Schlössern, besonders in dem Ritterkanton Rhön und Weira; Städten: N. Bamberger, Gesch. <L Jud. von Kitzingen, 1908. S. Stein, Gesch. d. Jud. in Schweinfurt, 2 Vorträge, Frankfurt a. M. 1899. S. Bamberger, Histo» rische Berichte über d. Jud. der Stadt und des ehem. Fürstentums Aschaffenburg, Straßburg 1900. 3) S. v. Weber, Darstellung der sämtlichen Provinzial- und Statutar-Rechte des Königreichs Bayern, 3. Bd., I. Th., Augsburg 1842, § 596. *) S. Schöpf, S. 231 ff. — Das Judenschutzgeld ersetzte allerdings die Gewerbesteuer. 5) Zum folgenden vgl. bes. Solleder, Die Judenschutzherrlichkeit des Julius- Spitals in Würzburg, in Riezler-Festschrift, Gotha 1913, S. 260 ff. 6) Übersetzt von J. B. Frise, Altona 1806, S. 6 f. 230

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