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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 229

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1936-01-01
Page
Seite 229 (sequence 21)
Language
German
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Wilhelm Stern. Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schrankenlose Hetzereien gegen seine früheren Glaubensgenossen seine Schutzfärbung aufleuchten und suchte durch mehr oder weniger beeinflußte Lobpreisung seiner Kölner Freunde, mit deren Judenfeindlichkeit er völlig übereinstimmen wollte, seine Vergangenheit vergessen zu machen. Das ist ihm eigentlich nicht gelungen. Dazu hatte er in seinem gesteigerten Geltungsbedürfnis und in seiner oft gekränkten Eitelkeit sich doch zu sehr in das grelle Licht der Öffentlichkeit gedrängt. Darin lag für ihn persönlich eine gewisse Tragik. Man kann über den Grad ehrlicher Überzeugtheit anderer in religiösen Dingen, als dem Innerlichsten und Eigensten des Gewissens, nicht urteilen. Was hier ein bewußter leidenschaftlicher Wille und die unbewußte Assimilation einer Umwelt, der man sich völlig und ausschließlich hingibt, mit der Zeit erwirken, ist im einzelnen nicht meßbar. Man mag Pfefferkorn also zugestehen, daß er sich ehrlich als Christ gefühlt habe. Aber wägbar ist das offen zutageliegende Menschliche. So sehr man das Bestreben hat, Zeit und Umstände zur Erklärung in Betracht zu ziehen, es gelingt nicht, diesem leidenschaftlichen Hasser und Verfolger Edelmenschliches im geringsten Maße zuzuwägen. Er ist vielmehr im Niedrigen stecken geblieben. Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Von Wilhelm Stern In Unterfranken, das in seinem Kern von 1802 bis 1806 bayerisch war, dann das Großherzogtum Würzburg bildete, um 1814 endgültig in Bayern aufzugehen, war das jüdische Element stark vertreten und kämpfte hart um die Emanzipation. Nach Schöpf1) zählte das Fürstentum Würzburg im Jahre 1798 3000 Juden. 1814 waren unter 336000 Einwohnern Unterfrankens ca. 14000 Juden^). Heidingsfeld, die freie Reichsstadt, war die zweitgrößte Judengemeinde im Gebiet des heutigen Bayern, während das benachbarte Würzburg seit der 1565 erfolgten Ausweisung der Juden bis 1803 nur ganz ausnahmsweise jüdische Einwohner hatte2). Die meisten unterfränkischen Juden wohnten in den!) Schöpf, Historisch-statistische Beschreibung des Hochstifts Würzburg, Hildburghausen 1802, Beylage 5; die Zahl der Gesamteinwohner betrug 262000.!a) Chronst, Das Würzburger Land vor 100 Jahren, Würzburg 1914 (in: Veröffentl. d. Ges. f. fränk. Gesch., S. 59). 2) M. L. Bamberger, Ein Blick auf die Gesch. d. Jud. in Würzburg, Würzburg 1905 S. 11; zur Geschichte der Juden in Würzburg überhaupt vgl. außerdem: Szulwas, D. Jud. in Würzburg während des Mittelalters, Berlin 1934; Bohrer, D. Jud. im Hochstift Würzburg im 16. und 17. Jahrh., ungedr. Diss., Freiburg i. Br. 1922; Weger, Die Juden im Hochstift Würzburg währ. d. 17. u. 18. Jahrh., ungedr. Diss., Würzburg 1923; Weißbart, Geschichtl. Mitteilgen, über d. Ende der alten, Wiedererstehung und Entwicklung der neuen isr. Gemeinde Würzburg, Würzburg 1882; H. u. S. Bamberger, Gesch. der Rabbiner der Stadt und des Bezirks Würzburg, Würzburg 1906. — Z. Gesch. d. Jud. i. anderen unterfränk. 229

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