Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 18)
- Language
- German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Jobannes Pfefferkorns hie will der teuffei die kertz halten. C2a. Als ich offt vnnd dick von doctoren vrand christlichen predicanten ghehört hab / das eynen Juden zu glauben sey wie der schlangen in dem büßen vnd der feurigen kolen in der schoß vnd der mauß in der teschen. C2a (Streitbüchlein C3a, zu eer F3b) 33). der heier ist so gut als der steler. C3a. eyn sawkapp mustu tragen dweyl du lebst. C3b. hast mich vff die fleyschbanck gegeben. C4a, H3a. bist mir von dem crutz gefallen. C4a. Du rytzst mit dem Judenspieß-4) (deutlicher: „Deine Juden haben dir eyn tausend ducaten gegeben" E2b). Darumb so will ich dir den eesei vest gürten35). C4b. meinst du habst den Juden einen haßen erlauffen, aber du hast gefeit. Dia. in den sack stoßen. D3a, Flb, Gla. du hast den teufel zu weyt in den keller lassen laufen. D3b. du hast die schantz vbersehen. E3a. nit wirdig jren minsten schuchrymen auffzulösen (nämlich „den Erwirdigen hochgelerten mennern Doctores der Hohre schulen von Collen"). F3b, auf Nikolaus von Lyra bezogen — dieselbe Wendung Brandspiegei C4a. eynem hundt nit auß dem ofen locken. F4a. Unnd wie du dich durch feischliche vnderrichtunge mit dem blinden gunst vnd mit dem Judenspieß [s. o.] wider vns gewert vnd beholffen hast. Gla. Ich smeck brait wurst [= ich rieche den Braten] vnd merck dich wol. du meynst die sach vff die lang banck zostellen, wie du alltzyt in der vbung gewest byst. Gibsein Apellieren ist „nit mehr dan von galghen vff das radt". Gib. [= vom Regen in die Traufe.] da du die meuß nuß schmeckest, das dein Augenspiegel zum galgen zu woll faren etc. G4a. du soltest den hundt schlaffen lassen. H3a. Schmidt das ysern dweil es hitzig ist. H4b. Pfefferkorns Gewandtheit im Schreiben ist sicherlich mit der Zeit größer geworden, aber auf den literarischen Beistand der geistlichen Herren hat er wohl nie verzichtet. Wie die Begeisterung den Redner macht, so diesen Schriftsteller der Haß, der durch die besondere Art des Angriffs und der Gegenwehr immer glühender wurde. Die Höhe seiner „Schriftstellerei" und auch wohl den Gipfel seines Hasses erreicht Pfefferkorn in seiner letzten Schrift, Eine mitleidige Klag etc. Da in diesem Buche der Ketzermeister Hogstraten besonders oft erwähnt und in seinen Maßnahmen verteidigt wird, mag man vermuten, daß er auch bei der Abfassung dieser Schrift in einer natürlich jetzt nicht mehr festzustellenden Weise beteiligt war. Schon auf dem Titel wird die sprichwörtliche Redensart „do leit der Has"36), die in dem Buch im Übermaß verwendet wird, vielleicht zur Anlockung der Leser und zur Kennzeichnung des Inhalts, angegeben. Wahrscheinlich hat hier der volkstümliche Thomas Murner, den Pfefferkorn für seinen Gegner hielt37), als Vorbild gewirkt. Mit kleinen immer wiederkehrenden Bildern von Hasen in verschiedener Stellung ist der Text geziert, und wie bei jenem erfolgreichen Schriftsteller häufen sich hier die derben und volkstümlichen Wendungen. 33) Über dieses Sprichwort findet man Genaueres bei Adam Klassert in seiner Ausgabe der Entehrung Mariae, Jahrbuch f. Gesch., Sprache u. Literatur Elsaß- Lothringens, 1905, S. 14. 34) Deshalben so kan vnd mag sich Raichlün des sprochwortleyn / so wyder jn gedieht ist worden / nit vßkratzen, sonder er muß es bleiben lassen, das er tzo dem eirsten dem edelman mit schwarzer tinetten vnd der key. M. darnach mit rotter tinetten geschrieben hat. (Brandtspiegel C2b, Streitbüchlein Ela.) — Über „Judenspieß" vgl. meine Anm. zu Murners Narrenbeschwörung, Kap. 67. 35) Vgl. Murners Narrenbeschwörung, Kap. 10: „von esel gürten." 36) Abwechselnd mit „do leit der has in sack" C2b, „im treck" Dlb. «) Vgl. meine Ausführungen im Elsaß-Lothr. Jahrb., XI, S. 96 ff. 226