Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 13)
- Language
- German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns beyder Natur vberwunden also mit den vnuernunfftigen tieren allen / besunderlichen / der eselin, äffen vnd der schlangen / Zu gethan vnd vermischt hat / so lang bis got eua / vß adam (mit teilung der rippen) gemacht / vnd do nun adam seiner natur halben teile empfunden hat / er alle tier gevrlobt / vnd verlassen / Dem nach die tyer ein vnwillen vnd Neid zü Eua / vrab solich abhendigkeit getragen / wider zu vergelten jn ratt gefunden / die schlangen zü eua vß geschickt / an reytzen / das sie von dem verhörten bawm / jn den apfel beyssen solt / wie es dan ergangen ist etc. Do nun gott ansach der beyde vngehorsamkeit / begundt er jn rüffen Adam wo bistu / do erschrack adam vnd eua / vnd erkannten die vbertrettung / vnd von grossen angsten wurden sie starnblyndt / vnd verlür eynß das ander. Do fügt sich zu adam eyn tewfellin luloß geheissen jn der gestalt eue. welche jn seiner blintheit auch mit jm zü schaffen vnd zü tun hat das weret 30 vnd hundert jar / do ward adam wider sehend / vnd erkant alle weißheit der weit hielt sich weiter zun seiner hüsfrawen. Die luloß verließ er vnd ward von Eua vß getriben." Allerhand Sagenelemente sind hier vermischt. Man vergleiche Micha bin Gorion, Sagen der Juden I, SS. 85, 360, 323. Einzelheiten: Adam Mann und Weib, Bereschit rabba 8, 1 zu Gen. 1, 27. 130 Jahre der Verbannung Adams, in denen er Verkehr mit allen Tieren hatte (Jebamot 63a) und yb^b") pm zeugte (Erubin 18b), vgl. Raschi zu Gen. 5,3 und Bereschit rabba, 24,6; über Adams Verkehr mit dem rm Sohar zu mn jrr D~sm. Bileams Verkehr mit der Eselin, Sanhedrin 105b. Affen in Verbindung mit mrrn Sanhedrin 109a. (Diese Nachweise verdanke ich N. Berggrün und Emanuel bin Gorion18). Zum Schluß sei seine Erzählung von abergläubischen Bräuchen bei Beerdigungen wiedergegeben: „darnach so legen sie den gestorbenen in das grab, vnd lauffen alle Juden / die der procession gefolgt haben / schnelliglich von dem grab mit groissem gepolder das sie mit den fussenn vnd sunst machen, vnd ist doselbst von noten das ein yder tzu ym selbst sehe, dan eyner wyrfft mit steynen, der ander mit holtz der dryt mit wasen hynder sich, vnd welich das me}rste lauffen / vnd das groste gepolder machen mag. ist der beste man. vnd vrsach solichs gepolders ist. die. Juden halten wo der tote / so ins grab, wie gehört, gelegt worden ist / in seinem lebenn got so gröblich vertzornet hatte, das ym die vorgesatzt waschung vnd Salbung sein sundt nit gantz abgenomen hete. So komb eyn mauß19), weliche sunderlich von got dartzu verordnet sey, vnd beise in vornen in die spytz der nasen. von welichem bysse der gestorben so gepeynigt wyrt, das er eynen lauten schray lasse, vnd welicher dysen schray horte, glauben "sie, das er in 30 tagen sterben muste. durch welichen abgehorten byß der mauß so werden dan dem toten al seyn sundt vergeben." (In lob D3a.) Diese Stücke zeigen jedenfalls echten Pfefferkorn, mag auch bei der Korrektur manches geändert sein. In ihrer holperigen, ungewandten Darstellungsart heben sie sich deutlich ab von andern Teilen der Pfefferkornschen Schriften, etwa von den christlich-theologischen Ausführungen und den kritischen Auslassungen über Reuchlins Ansichten. Es erscheint nun einleuchtend, daß auch die deutschen Schriften Pfefferkorns nur zum Teile von ihm stammen. Die erste Schrift, der in Köln gedruckte Joedenspiegel, dürfte fast ganz ein Werk des Ortuin Gratius sein. Wahrscheinlich hat dieser judenfeindliche, aber leidenschaftlich auf Judentaufen ausgehende Mann dieses Werk in seiner eigenen Mundart niedergeschrie- 18) Vgl. auch Lilit in Encycl. Jud. — Alfonso de Spina benutzt die Stelle Jebamot C3 zur Verhöhnung der — Juden: de iudeorum parentela ex talmuth doctrina, Fortalitium 79. 19) Vgl. Richard Rieglers Abhandlung „Maus" im Handwörterbuch des Aberglaubens, IV, S. 31—60. Die Maus als Rächerin, Werkzeug Gottes. 221