Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 12)
- Language
- German
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Meicr Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns prüft werden, und man soll ihnen nicht überflüssiges Gut geben, „dan leren sy mit arbeit yr broit gewynnen, als wir cristen doyn muyssen" (Beicht d3a). Auch nachher soll man beobachten, ob sie ein christliches Leben führen, Predigten fleißig hören etc.; „vnnd wy sy geleerter seyn so vil, so mer vntrewer seyn sy in die cristliche kyrche", und wenn sie auch in der Bibel erfahren sind, so bleiben sie doch „alwege in vnnd bey dem bloissen text", den sie nicht verstehen können ohne die christliche Erklärung. Es gibt Getaufte, die in ihrem Herzen Juden bleiben und „den Juden darbey glimpff schaffen wollen, vnd wiewol sich dieselben menschen in yrm wandel vnd Worten außwendig vnd vur den leuten scheynlich halten, tragen sie doch steytz verborgen in yrm hertzen den Judischen glauben, der in sie gleich wie ein formb getruckt ist" (In lob Fla). Besonders verdächtig machen sich diejenigen Getauften, die Pfefferkorns Bestrebungen nicht unterstützen, und er versteigt sich dabei zu der Behauptung (Beschirmung N2b), daß die Juden nur zum Spionieren etliche zur Taufe schicken. Welche Sorgen sich Pfefferkorn um das Heil der Seelen macht, geht aus folgender Stelle hervor: „Auch so geschieht, wo Juden wonen vil ketzerey, dan man vindt vil Cristen, die mit den Juden vnkeuscheit treyben, vnd so dan also von denselben kinder gemacht werden, bleyben dieselben kinder Juden, welichs vngezweyfelt gar eyn groß mercklich vnd lesterlich vbel ist, Das also das Cristlich blut in ewige verdambnus gestelt wirt." (Judenfeind b4a.) Wenn es wahr sein sollte, daß Pfefferkorns Frau intime Beziehungen zu den Kölner Geistlichen hatte (es braucht nicht wahr zu sein, wenn auch selbst Reuchlin in seinen Briefen darüber ähnliche Andeutungen macht wie die Evo), so konnte wenigstens Pfefferkorn hinsichtlich der Folgen auf jeden Fall beruhigt sein. In Pfefferkorns Büchern haben seine Berichte über seltsame jüdische Bräuche oder Mißbräuche, die zumeist heute schon nicht mehr bekannt sind, einen gewissen historischen Wert. Die Art, wie er die religiösen Volkserzählungen wiedergibt, zeigt anschaulich ihre Umwandlung in den niedern Schichten der Gettowelt. Auch was er von abergläubischen Vorstellungen zu erzählen weiß, ist manchmal lehrreich. Nur eine Probe aus jedem dieser Gebiete sei liier angeführt. Brauch am Peßach: „Wann nu also der kuchen wie gehört geessen ist Nymbt eyn yder seyn leß oder betbuch / darnach wirt auß beuelche des hawßvaters die thur auff gethan So reyt eyner auff eynem Esel, der dar tzu bestelt vnd vermombt ist, in das gemach, vnd alle die sitzen schryen mit heller stym. die wort des psalmisten am acht vnd sebentzigusten psalmen (79, 6) also lawtende O herr geuß deynen tzorn vber die volcker die dich nye erkent haben da bey wyr Cristen gemeint werden etc. Vnd solich yr reyten des Esels thun sye in eyner figur des Messias so sye warten. Nemen sye auß dem propheten Zacharie am 9 Capitell der do spricht frew dich dochter von Syon eyn tochter von Jerusalem. Dann devn konig kombt arm vnd sanfftmutig reiten auf eyner esselyn..." (Osterbuch B4b). Wie mir Kenner der Ritenliteratur versichern, läßt sich dieser Brauch des Vermummens am Szederabend vor dem Rezitieren der Verse aus Psalm 79 aus den jüdischen Quellen nicht nachweisen. Die Tatsache, daß in den illustrierten Haggadoth jener Zeit sehr oft das Reiten auf einem Esel bei dieser Stelle im Bilde dargestellt ist, steht wohl auch in gewisser Beziehung zu dem Brauche. Auch Antonius Margaritha berichtet in seinem Buche Der gantz Jüdisch glaub, 1530, D3a: „Sy seynd dahin kommen / das sy jr selbs spotten. Nemlich wann sy die thür also auff thün / so hat sich dann etwan einer verkleidet / vnd kompt also gehlingen in die stuben gleich als ob er Helias wer / vnd das Euangelium von yrem Meschiach verkündet/' Die L i 1 i t h s a g e stellt er im Handspiegel b3b als erste der jüdischen Ketzereien an den Pranger: Zum ersten / so glauben sie / das adam vnser altuatter, die weil er jn dem paradiß / man vnd weib / gewest sey / Dem Nach so hab jn die vnkustheit 220