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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 219

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1936-01-01
Page
Seite 219 (sequence 11)
Language
German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns Taufe umzuwandeln ist, so begreift man, daß nicht nur Überredung, sondern auch Gewaltanwendung zur Bekehrung empfohlen wird. Im Osterbüchlein (D2a) beruft er sich in dieser Hinsicht auf das Vorbild Karls des Großen. Die Kinder soll man im christlichen Glauben auferziehen und die Alten, die Christen werden wollen, „guetlichen yntfangen, der das nit thun wollte, den lassen geen als eynen alten schelmtigen hunt". Noch deutlicher wird er im Brandspiegel D3a: „Und die alten juden in den selbigen flecken vßhetzen wie dy schebigen hunt vnd die jungen kynder tzo henden nemen vnd teuffen lassen / wie man an vielen ortten also mit yn gethon vnd volfaren hat." Man mag zur Ehre Pfefferkorns annehmen, daß die meisten dieser Bemerkungen auf die Dominikaner zurückgehen. Sicherlich gilt das von der Kennzeichnung der Wichtigkeit des Predigtanhörens der Juden, damit sie williger zur Taufe werden! Denn hier werden Wendungen gebraucht, wie sie in der Kanzelrede üblich sind: „der funck der inwendiger verstendigheyt yrer hertzen beweget" etc., „auch in yren hertzen das feur der verstendigheit entfengt", und sie halten sich „an das gesetz der naturen, welchs gebuit, was du nit wilt, das dir geschee, salstu eyn^n anderen nit beweysen17)" (Beicht c2a). Wenn die Juden sich gegen die Predigten zunächst wehren, so geht's ihnen wie Kindern mit Geschwüren: Sie schreien, wenn der Arzt heilsame Vorbereitungen trifft, um das Pflaster aufzulegen, „biß zertzyt man yn (den Juden) dat plaster der heiligen schrifft vpgelecht vnd den sweren (Schwären) yrs vnbegryfliehen verstantz vnd hartneckicheit mit dem heiligen euangelio beweigt vnd gesenfftiget hait". (Judenspiegel F3a). Pfefferkorns Darstellung der jüdischen Bräuche hat nebenbei die Tendenz, „das sulche in gespotzweise yn vur gehalden werden solde" (Beicht Ob), besonders in den Predigten für Juden, um sie von ihrem Irrtum zu befreien. Als Beispiel für dieses spottende Verächtlichmachen jüdischer Bräuche, zugleich auch für die plumpe und boshafte Art, wie er Nebensächliches aufbauscht und die Hauptsache verschweigt, seien folgende Äußerungen angeführt: „Item als ich noch gewonheit der juden des jairs eyn mal wyder den weyssen hanen meyn beicht pflag zü thün, vnd als dan den hanen mit den sunden gebratten oder gesotten vnd gegessen hat, So was keyn ander bewegnys in myr, dan das myr der hane in meynem Schlund wol schmeckt, vnd eyn vollen bauch macht" (Beschirmung M2b) — das stellt er in den Gegensatz zur christlichen Beichte, die ihn innerlich aufrüttele und befriede. Er spricht von den 39 Riemenschlägen am Vortage des Versöhnungsfestes „vur das hynderste, woe dan noch eyniche sunden verhalten vnd geblieben gewest weren, — die varen also hynden auß" (Beicht B3a). In der Beicht und im Handspiegel wird eine gewisse Vorsicht bei Judentaufen empfohlen. „Eß ist mancher jude inwendig in seynem hertzen eyn gut cristen, vnd bleybt nochtans eyn jude vngedaufft" (Beicht D2a). Was ist die Ursache? Man finde manch bösen Juden, der „Iaufft in eyn Iandt vnd lest sich douffen, dorumb das er gelt vnd gut erwerben vnd vber komen ader in vreuden vnd wollust vnd vreiheit geleich vns leben moege, ader seyn kunst, die er kan tzu besser gebrauchen vnd dryben moege". Dann laufen solche Juden in ein anderes Land und lassen sich „vmb gotz willen" taufen. Schließlich aber kehren sie wieder zu den Juden zurück und erklären ihnen, warum sie nicht Christen sein wollen. Deshalb soll „ein außwendiger jud, der tauff begert" (Handspiegel c3a) gefragt werden, warum er sich nicht in seiner Heimat taufen lasse. Nur wer „auß seinem heymet ein glaublichen schein bringt, oder aber das er ander vrsach furwennt, die da der vvarheit geleichmessig steen mögen", soll getauft werden, und zwar öffentlich, „nit verborgenlich". Auch sollen diese Juden vorher unterwiesen und ge- 17) Diese weit verbreitete uralte Weisheit, gewöhnlich auf Tob. 4, 16 zurückgeführt (vgl. Wander Bd. 5 unter wollen 38), hätte Pfefferkorn als den bekannten Hilleisatz aus Schabbat 31a zitieren können. Aber davon wußte er ebensowenig wie von der lex naturae. Vgl. Anm. 20. 34c 219

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