Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 10)
- Language
- German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns Die äußeren Umstände, die ihn zu diesem Schritte bewogen haben, können wir mit Sicherheit nicht angeben. Wenn er nach dem Zeugnis des Grafen von Gutenstein (Grätz, MGWJ a.a.O., S. 295) bei einem Einbruch ertappt wurde, so werden ihm seine Glaubensgenossen das Leben schon sauer genug gemacht haben. Er selbst äußert sich nur einige Male andeutungsweise über sein Vorleben. Wenn er aber angibt, daß die Juden ihn „in yre geschefften zu konigen vnd an fürsten vnd herren vor eynen legaten vßgeschickt vnd almolß ein gut betrüwen zu myr gehabt (Streitb. fl), so ist das sicherüch eine ähnliche Aufschneiderei wie seine Angabe, daß er aus dem vornehmen Stamm Naftali stamme. Er fährt fort: „Es sy nun dem, wie man wil, Do ich ein jüd was. Do that ich als ein jüden zu ghort. Der vnder den honden loufft, dej moiß mit den honden heulen15), bei dem allen, so hab ich mich almols gegen den cristen fromlichen vnd erlichen gehalten." Im Judenspiegel sagt er allerdings (E2b), daß er gewuchert habe, „want ich byn eyn natürlicher juede gewesen vnd misbruchunge geploegen hayn." Ähnlich schon im Handspiegel c3a: „Ist wol war / do jch ein jud was / do tatt ich wie andere / dann wer in der wüst wondt / der muß auch wüstlich leben." In seiner letzten Schrift (Klag D3a) gibt er an, um Reuchlin „in den Sack zu stoßen", daß er selbst dabei gewesen „vnd mit helffen treyben. Das sie vns Christen lestern, sehenden vnnd schmehen vnnd für jr aller größte fyande halten". Er hat sich im Jahre 1504 in Köln mit seiner Frau Anna taufen lassen. Erst später folgten Kinder und Freunde. Aus dem amtlichen Schreiben der Stadt Nürnberg und dem Philipps, Pfalzgrafen bei Rhein, Herzogs in Bayern, Streitb. Flb, F2b, geht hervor, daß er — 1506 — willens war, Kinder und Freunde zur Taufe zu bringen, diese „als fer sy gesturet vnd mit sycherheit hyn zu yne vnd herwider zu wandeln versehen wurden". In „zu lob" a3b (1509) sagt er, daß er selbzehn mit Weib, Kindern und Freunden „durch sein tzuraytzung" getauft sei. Im Streitb. (1516) E4a behauptet er, daß er „durch die gnad gotz 15 seien dem Teuffei abgrissen" habe, „und wer mir Reuchlin in dem Weg nit gelegen, so netten sich noch 5 seien zu dem hl. Glauben gekert, die ich vff die baen gericht hab, welche seien durch Johan Rauchl. ergerlich auß schreybens hinderstellich vnd zu ruck gewichen sein---- darumb so mach man R. vur eynen dotsleger der seien ansehen, als er eyner ist." Pfefferkorns Wirken auf diesem Gebiete war freilich verhältnismäßig von geringem Erfolg. Im Handspiegel e3b erklärt nämlich Pfefferkorn, daß er mindestens 40 Christen gekannt habe, die den jüdischen Glauben angenommen hätten, „alsdann werden sie geheissen Gerüm. Das geschieht alles von den jüden durch mancherley argelist, die sie tag vnd nacht wider die Cristenlich kyrehen dichten." Pfefferkorns Bestrebungen hatten angeblich die Christianisierung der Juden zum Endziel, „dann eins Juden sele, wo der glaubig wyrt besser sein dan aller weit guth" (In lob Ela). „Die armen judischen elenden creaturen auß yrem vinstern yrtumb tzu füren" (In lob F3b). muß um so wichtiger sein, als die Juden schädlicher als der Teufel sind. Während „sy yre kynder van iunckheit vff leren vnd mit vleyß vnderweisen, mit den cristen tzu disputiren" (Beicht c3b), woraus sich die besondere Gefährlichkeit des Umgangs mit Juden erklärt, hat der Teufel dem gegenüber den großen Vorzug, daß „er die schrift nit erclaren ader (oder) exponirejr kan." „Die juden aber haben ouch an yn eyn boese natuyr, boeser vnd snoeder dan die duuelische natuyr"16) (Beicht c3b). Wenn nun diese Natur durch die Wörtlich übereinstimmend mit Beschirmung L4a. 16> Die teuflische Natur der Juden hat die christliche Polemik oft aus Joh. 8, 44, Apok. 2,9; 3,9 gefolgert, z. B. Alfonso de Spina, Fortalitium 79. Vgl. auch Lütgert, Die Juden im Neuen Testament (in: Schlatter-Festschrift, S. 145). Reuchlin, Augenspiegel K6a: Wir lernen anders irni der waren philosophi, solt aber das war sein, so müßt mich nit verwundern das Pfefferkorn so vil unwarhait gedar sagen, diewyl er von tüwfelscher natur empfangen und geboren und tüwfelsche millcö gesogen nett. 218