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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 217

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1936-01-01
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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Meiei Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns studiern vnd nit die propheten i*) dan got selber mit seinen engein teglichen •darin studiert." — Und nun das Schlußurteil: „Vnd ob gleich des Talmuds anfang gerecht were / doch sein mittel böß / vnd darumb so gehört das ende in das fewer / -dann er ist ein verfürer viler seien." Schon Reuchlin hatte richtig bemerkt, daß Pfefferkorn selbst vom Talmud gar nichts verstand. Da ist es nun ergötzlich, wenn er von den Rabbinern, die bei Festlichkeiten etwas Talmudisches vortragen, behauptet: „Die selben Rabi der Juden kunnen den selben Talmuth, diewil er subtilich vnd alleyn Nach der litter gesatzt ist selber nit wol verstein vnd bleyben allein auff dem vleyschlichen text." (In lob vnd eer A4b.) Das bedeutungsvollste Ereignis im Leben Pfefferkorns war seine Taufe im 36. Lebensjahre. Über seine inneren Beweggründe äußert er sich am ausführlichsten in der Beschirmung L4b ff. in 12 Artikeln. Aber diese 12 Artikel, die die Vorzüge des Christentums in so theologischer Form aus späterer Zeit kennzeichnen, enthalten doch wohl nur das übliche Propagandamaterial und gehen auf die Kölner Dominikaner zurück, ebenso wie die angefügten fünf Punkte, in denen gesagt wird, daß Pfefferkorn als getaufter Jude das Glück des rechten Glaubens noch mehr empfinde als ein im Christentum Geborener. Ein Blinder, der sehend wird, ein Gefangener, der aus dem Kerker befreit wird, ein Hungriger, dem man Speise reicht („so lang bin ich vnder den hungrigen Hunden geloffen vnd nach dem Messias groissen hunger gehabt vnd groß angst gelitten"), ein Armer mit zerrissenen Gewändern, der plötzlich in Purpur gekleidet wird, ein Bauer, den man zum Ritter schlägt, — all diese haben ähnliche Empfindungen. In der ersten Schrift, im Judenspiegel F3b, steht noch das Bild: wer in großer Kälte gewandert ist, dem tut das wärmende Feuer viel wohler als dem, der sich dessen ständig freuen kann. Vielleicht war Ortuin Gratius der Autor dieser Stücke. über den Talmud gegen den Schluß seines Buches vor dem Abriß seiner hebräischen Leselehre hierher. Die populäre Stelle aus Pirke Aboth hat er jedenfalls richtiger verstanden als Pf., wie er denn in seinen hebräischen Sprachkenntnissen, die recht mangelhaft sind, immerhin Pf. weit überragt: Es steet czu wissen, das die valschen Jüden haben geticht ein schentlich vnd ein valschs buch, welichs sie nennen talmud, das ist getulmeczt: die leer. Jn welichs buchs anheben steet dise reed geschriben: Dise sindt die Ordnung weliche hat entpfangen moscheh von dem perg zinai vnd hat sie geleert den Jehoschuah. Vnd Jehoschuah hat geteert die alten. Vnd die alten haben sie geleert die propheten also lang, das ein man mit dem mundt den andern man hat geleert vnd ein ytzczlicher bahal pif oder meister oder herr des mundts. Vnd wird genennt torah bahal pif, das ist getulmeczt des geseez des herrens oder meisters des mundts. Vnd wirt genennt torah bahal pif. wan es staat geschriben: hal pi haddebarim haelleh karatti ittecha berit ve et israel [wörtlich interlinear übersetzt \] auf den mundt der reed diser hab ich geschniten mit euch den fried vnd mit israel. Vnd biß in das endt sind gemynnert worden die hercz der menschen [die Gedächtniskraft hat nachgelassen!] vnd sindt geschrieben worden auff des buch Vnd rabinah vnd rab asche die haben die geschriben yn des Buch ordentlich vnd wirt genennt Talmud, das ist also vil als ein leer. Das ist die vor reed über des buch talmud. Welichs Buch sye teilen in sex buecher" etc. Auf diese Sechsteilung (nach der Mischna) des Petrus Nigri weist Reuchlin hin in seinem Augenspiegel (B3a), der nun wieder nach dem Inhalt vier Teile unterscheidet: Theologia, Leges, Canones, Medicina. Übrigens bemerkt er B4a: „so wais ich kainen cristenmenschen inn allen teutschen landen, der im Thalmud gelernt hab. So ist by mynen lebtagen dhain iud in teutschen landen nie getaufft worden, der den Tahlmud haben kinden weder verston noch gar lesen/' 14) Ähnlich spricht sich Peter Schwarz im Stern Meschiah 308a aus, der auch über die Kindererziehung äußert: Vnd czihen yre kinder das sie nicht lernen die Nebiim oder propheten dar durch sie moechten bekeert werden, sunder also bald nach den fünf büchern moscheh geben sie yre kinder czu lernen den talmud darümb das sie gesterkt werden yn yrem mißglauben. 3

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