Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns Die Wahrheit dieser Erdichtung macht er mit der Behauptung einleuchtend: „Vnd ich hab jn bey den zwantzig jarenn in der masse erkandt" „Wend ich sie alle / den doctor mit seyn husfrawen / den priester vnd die zwen jüngeling / vnder den jüden gesehen hab (in Prag!). „Wo sie aber Nun weiter jn die Türckey oder Reussen gericht sein, mag mann die jüden vmb fragen. Das kumpt alles vß zuneygung oder beiwonung der jüden." Zur dritten Geschichte (Grätz a.a.O., S. 109) von dem Deutzer christlichen Boten, der Tefillin getragen, will ich nur den sonderbaren erklärenden Zusatz anführen: (Kapseln) „darin sie jre gesetze geschrieben yngenehet" (e3b). Es genügt ihm nicht zu erzählen, daß die Juden den früheren Barfüßer, als er Neigung zeigte, wieder Christ zu werden, unter Quälereien töteten: „Als ich aber gehört vnnd behalten hab, So haben sie den leichnam zü stücken gehawen / vnd in dem rauch dörren lassen vnd darnach der jüdischeit vberall zügeschickt." (D4b). Im Handspiegel (ela) verrät Pfefferkorn, wem er sein Wissen über die Entstehung des Talmud zu verdanken habe: Aber als jch däruon schreib / hab ich von jrem höchsten / groß geachtet ein fürst des Talmuds / vnnd ist mein angeborner vetter, sein namen Rabi Mer pfefferkornn, dem geschlecht nache mit dem zunamen wie ich geheissen / vnd nun verschieden jn das vrteil der rechtfertigkeyt. Die jüden habenn auch keinen solchen hochgelerten mer / bey dem selbigenn rabi bin ich jch von jugent vff erwachsen / sein junger gewest / von jme gehört / gelernet gesehen / vnd gelesen hab Also. Nun folgt eine abenteuerliche Darstellung über die Entstehung des Talmud, gegen die sich der damals bereits verstorbene Rabbi Meir Pfefferkorn natürlich nicht wehren konnte. Wie Grätz a.a.O., S. 501 zeigt, war dieser Meir Pfefferkorn wahrscheinlich Rabbinatsbeisitzer in Prag, „allerdings ein Rabbiner, aber ein untergeordneter und durchaus keine talmudische Autorität". So aber stellt sich Pfefferkorn die Entstehung des Talmud vor: Als nach der Zerstörung des Tempels die Juden „vß verhenckniß gots" die heiligen Schriften „nit wider vffrichten" konnten, „geschach von den alten weisen, das sie etliche bürgerliche / oder sytliche gesetze / dem gesetze moysi mit etlichen artickeln gleichmessig / dem volck zu einer lere vffrichten, besonderlichen mit den heiden kein gemeinschaft halten, in der forcht gottes wandelnn solten. das selbig gesetz wardt geheissen Mischne taro / ist gesagt: das ander gesetz oder das zweyte gesetz. In dem selbigen lebten sie zwei vnd siebentzig jar biß sie wyder in das gelobt landt eingesetzt wurden." Als nun „Estro der Schreiber" diz alte Schrift aus Eingebung des heiligen Geistes wieder aufrichtete, behielt man doch den in Babel entstandenen Ersatz bei „vnd wardt von den alten weisen zu Jherusalem weiter gemert / der Thalmudt ist alß vil die gelertenn geheissen." Wenn die Juden den Talmud so gelassen hätten, wäre er nicht zu verachten. Aber als Christus und seine Jünger „die erst gloße" über die Bibel machten und zeigten, wie alles in den heiligen Schriften sich auf Christus bezöge, da, um sich gegen diese Wahrheit zu wehren, „namen sie den obgemalten Talmudt vnd vermischten jn mit vil schentlichen Worten / gifft vnd gall / was sie erdichten vnd erdencken möchten wider die jünger vnd lere Christi / vnd auch wider das natürlich gesetz / groß mechtig lügen / vnd andere artickel / dye der menschlich vernüft nit vnderworffen sein." So sei der Talmud mit seinen Anhängen gewachsen 30mal größer als die Bibel. „Wie wol moyses den Talmut selber nit vff geschrieben hab / er doch Josophe13a) müntlichen befolhen / zu lernen vnd josophe den propheten / vnd die propheten den zwen vnd siebentzigen vnd die zwen vnd siebentzigen den tempel herrn / den alten weisen / vnd jn ist geborten den Talmut zu 13a) Diese Schreibung, die man Pfefferkorn nicht zur Last legen kann, erklärt sich durch irrige Transskription aus der lateinischen, griechischen Form des Namens.— Zum Vergleich setze ich eine Äußerung des Peter Schwarz (Petrus Nigri) 216