Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/2259275-2259303-2259307-2262435--4658-2262499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns weise Mißbräuche einer harmlosen Volksfrömmigkeit einstellen oder wie sich unter Juden niederer Sphäre bei den ständigen Kränkungen und Verfolgungen eine Gegenwehr in Ausbrüchen des Hasses und Worten der Schmähung gegenüber den vermeintlichen Urhebern des Unglücks offenbart. (Auch das Fortalitium fidei bringt darüber Beispiele.) Das demütige oder gar dankbare Erdulden alles Unrechts ist niemals Sache eines Volkes gewesen, das an seine Aufgabe glaubte und sich daher nicht aufgeben wollte. Aber auch bei den Übersetzungen aus dem biblischen Schrifttum ist eine Einschränkung zu machen. Das Maß des jüdischen Wissens, das ein Mitglied der Gemeinde allein durch seine Beteiligung am religiösen Leben im Kultus damals erwarb, ist gewiß nicht gering zu schätzen. Und wenn Pfefferkorn im Hause des Rabbiners Meir Pfefferkorn in Prag längere Jahre verbracht hat, so ist sicherlich manches haften geblieben, auch wenn er nicht Talmud „gelernt" hat. Nicht alle Übersetzungen in seinen Schriften gehen auf ihn selbst zurück. Den Psalter z. B. scheinen seine geistlichen Freunde besser beherrscht zu haben als er. Besonders die Zitate im Streitbüchlein setzen die Vulgata voraus. Ein des Hebräischen kundiger Jude würde an den Stellen, auf die ich durch Anführung der Vulgata hinweisen möchte, anders übersetzen. Die Kölner Geistlichen mögen die ältesten niederdeutschen Übersetzungen (Köln bei Heinrich Quentell um 1470) benutzt haben, sicherlich nicht Pfefferkorn. Ich habe die betreffenden Stellen verglichen. Nur die — vielleicht nur zufälligen — Übereinstimmungen notiere ich in den Anmerkungen mit K. Psalm 5, 10: Also wont die warheit (veritas) nit in yrem mond yr hertz (cor eorum) ist ein offen grab, sy ratthen bedriglich (dolose agebant) mit yren zungen. O Got vrtelle sy*) (judica). Streitb. Clb. Psalm 31 (30), 18f.: Die vnguttigen (impii) sollen sich schemmen vrand werden eyngefurt in die helle (et deducantur in infernum). Die tryglichen lefftzen werden verstommen. die do reden vbel wyder den gerechten in hohuertey vnd in myßbrauchung6) (in abusione). Streitb. C2a. Psalm 11 (10), 2: Want sehent, de soender (peccatores) habent gesponnen den boggen, sy habent bereit yr geschoß in dem Kocher7) (paraverunt sagittas suas in pharetra) das sy schyssen in Verborgenheit die do seynt eynes gerechten hertzen. Streitb. C2b. Psalm 101 (100), 5: (hier ist die Vulgata falsch8) interpunktiert und übersetzt!) der do hyndert heymlich seynen negsten, den setzt er zu den hohuertigen ougen vnd zu den geyrichen hertzen, mit denen will er nit essen. Streitb. Cla. (Detrahentem secreto proximo suo: nunc persequebar. Superbo oculo et insatiabili corde: cum hoc non edebam.) Im Handspiegel Psalm 2, 9: Theroem böscheuet barsei weyd oder regyer pie mit einer eysene Ruoten (Reges eos in virga ferrea). Die Übersetzung von Psalm 2,11, Handspiegel c3b, geht hingegen sicher auf Pfefferkorn zurück. Lama rogschu goyim vleimim jehege rick zu tütschen warumb zürnen (Pfefferkorn verwechselt rogasch mit rogas — Vulgata richtig fremuerunt) die heiden vnd die Völker haben geredt die lugen oder die leren ding. 5) K: got vrdele sy. 6) K: in houerdicheyde ind in misbruchonge. ') K: sy haint bereit ire geschos in dem koch er. 8) In K richtig! de dar achter claffet heymelichen sinen neysten, den hain ich ghepinyget Myt den houerdigen ougen vnd myt den onghenoichsamen hertzen, en as ich neyt. 211