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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 210

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Die Juden in Unterfranken während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Date
1936-01-01
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns lische Art dieses Mannes gründlicher zu erkennen. Die lateinischen Bücher, die unter seinem Namen erschienen sind, zumeist Übertragungen der deutschen Schriften, sind nach eigenem Eingeständnis Pfefferkorns nicht von ihm geschrieben. Er konnte kein Latein. Sie sind Werke der Kölner Theologen. Aber stammen die deutschen Schriften von ihm? Grätz fragt: „Geschrieben? Hat er je etwas geschrieben?"2). In einer ans Komische streifenden Übertreibung meint er, „da er seines Handwerks ein Metzger war, so war er selbstverständlich auch im Hebräischen oder Jüdischen ein Idiot"3). „In welcher Sprache hätte er schreiben können, da er nicht hebräische verstand, und als Metzger auch nicht deutsch." Die gegenteilige von Geiger vertretene Ansicht, daß man ihm die deutschen Schriften zuschreiben könne, läßt sich auch nicht halten. Man muß in diesen Büchern drei Schichten unterscheiden, kurz bezeichnet: a) echten Pfefferkorn, b) überarbeiteten Pfefferkorn, c) Kölner Zusätze. Die letzte Korrektur all dieser deutschen Schriften durch Kölner oder Mainzer Freunde lasse ich außer Betracht. Schon hieraus ist ersichtlich, auf wie unsicherm Boden wir stehen; denn der Grad der Überarbeitung durch andere (späterhin hat vielleicht auch sein Sohn Laurentius, magister in artibus, ihm geholfen, in früheren Jahren wohl auch Victor von Karben, von dem er einmal bewundernd sagt, daß er Latein könne4) wird sich niemals feststellen lassen. Die Grenzen zwischen a, b und c erscheinen also fließend. Im allgemeinen wird man sagen dürfen, alles rein Theologische, z. B. das Aufspüren der Ketzereien in Reuchlins Schriften, das christlich-homiletische Ausdeuten der jüdischen Bräuche, die Zitate aus dem lateinischen Schrifttum, auch manche persönliche Ausfälle gegen Reuchlin sind den Kölnern zuzuschreiben. Wie sie unter Pfefferkorns Namen ihre Schmähungen gegen Reuchlin ausstoßen konnten und wie frei sie überhaupt redaktionell walteten, sieht man aus den vielen Zusätzen und Änderungen in der lateinischen Übersetzung von Pfefferkorns Schrift: Beschyrmung: Defensio Joannis Pepericorni contra famosos et criminales obsc. vir. epist. (Siehe Geiger, Reuchlin, S. 378, Anm. 2.) Hingegen ist Pfefferkorn als Autor zu erkennen, wenn er von eigenen Erlebnissen berichtet (leider läßt er über seine Persönlichkeit und Vergangenheit mehr oder minder zuverlässige amtliche Bescheinigungen sprechen), wenn er jüdische Bräuche und Mißbräuche an den Pranger stellen will, Aberglauben und Ketzereien (so beurteilt er harmlose Volkserzählungen) kennzeichnet und Übersetzungen aus der Bibel gibt. Seine religiösen Anschauungen haften ganz am Äußerlichen, niemals verrät er ein Gefühl für eine tiefere Auffassung jüdischer Religiosität, z.B. für die eigentliche Bedeutung und die Weihe der Festtage. Aber schließlich ist es ja auch noch für uns wissenswert, wie sich zeit- 2) MGWJ, 71, S. 293. 3) Auch Erasmus nennt den Ungebildeten einmal prorsus idiota! 4) Vgl. Spanier, Murners Beziehungen zu Juden, Els.-Lothr.-Jahrb., 11. Bd., S. 98, Anm. 16. 210

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