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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 207

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert
Date
1936-01-01
Page
Seite 207 (sequence 10)
Language
German
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Heymann Chone. Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert Es folgt nun die Erzählung von der Bluttat in Ravensburg anläßlich einer dortigen jüdischen Hochzeit und die Aufforderung des Konstanzer Rates an den Züricher, seine Juden ebenfalls gefangenzunehmen, um ihre Beteiligung an dem Verbrechen zu untersuchen. „Nach dem allem haben wir burgermeister, rette, Zunfftmeister und die 200 uns bekennet, das man alle die Juden, die mannber sind, hefften sol und sy mit Knechten behüten und si laußen liegen untzit daz sich befind, wozu jederman schuld hab." Am 30. Januar 1430 werden die Juden aus der Untersuchungshaft als unschuldig entlassen. S. 22: und wan sich uff unser Juden noch untzit funden hat und och ir keiner by der Hochzeit nit gewesen ist zu Ravensburg, das man unser Juden nun zemal uß der gevangnuß lassen söl, doch das si einen liplichen eid swerind, als ir eid anstat, das si ir Hb und gut von unser statt keineswegs entfrömdint. Wieder einmal grassierte das Ritualmordmärchen. In Ravensburg war ein christlicher Knabe getötet worden. Schon war eine Kapelle zu Ehren dieses „Märtyrers" gebaut, Scharen pilgerten hin. Der König Sigmund ließ die Kapelle niederreißen46). Aber die Juden am Bodensee waren Opfer der aufgehetzten Menge und der geldhungrigen Menschenmassen. Sollte der See schon sein Opfer haben, so durfte der König nicht leer ausgehen. Weit mehr als 30 000 Gulden brachte ihm dieses schmähliche Geschäft ein47). Die Juden von Konstanz allein mußten 20000 Gulden zahlen. Die beiden Low waren dem Könige und der Stadt Konstanz die Garanten für den größeren Teill der Gesamtsumme48). Das war ein Akt jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls. Allerdings waren unter den unschuldig Gefangenen auch die Mutter und Geschwister Löws von Konstanz. Die ganze in der Urkunde genannte Judenheit von Konstanz verbürgt sich wiederum den beiden Löws gegenüber, ein jeder mit dem Anteil an der Gesamtschuld, der auf ihn fallen würde. Die Quittung eines der Schuldner ist erhalten: Des Michel, Sohn des Civis (Zifyan) von Bingen. Am 5. Juli 1431 erklärt der Schultheiß der Stadt Zürich in einem öffentlichen Dokument, daß Michel bereit gewesen sei, die auf ihn fallenden 60 Gulden dem Konstanzer Rat zu zahlen, dieser wollte aber nicht quittieren, bevor nicht die Einwilligung der beiden Low vorliege. Diese sei inzwischen erteilt49). Am 23. Juli 1431 erfolgt dann die Quittung durch Hans Ortolff von Konstanz für die 60 Gulden „an der schuld, den 8 dusent guldin, so dan gemain Judschait zu Costentz und er mit inen mir und gemainen Schuldnern hie zu Costentz als von unseres allergnädigsten herren des romischen kungs wegen schuldig und darumb Low Jud von Zürich und Low Jud von Schafhusen unser rechte mitschuldner sint, und darumb ich in und die vorgenante Judschait quittiert hab"50). Mit dem Jahre 1433 beginnt neue Unruhe für die Judenheit: Baseler Konzil und Kaiserkrönung stehen bevor. Beide Veranstaltungen er- 4|5) Ruppert, Chroniken der Stadt Konstanz, Konstanz 1890, S. 156 ff. 47) Wie sehr in der traurigen Angelegenheit die schwere Schuldenlast mitwirkte, die König Sigmund seit dem Konzil bei Konstanzer Bürgern zurückgelassen hatte, wird an anderer Stelle dargestellt werden. 48) Mehrseitige Originalpergamenturkunde vom 27.11.1430 im Generallandesarchiv Karlsruhe (von hier ab abgekürzt zitiert als: GL AK). Sie beginnt: Wir diess nachbenempten Low der Jud von Costentz, Gütlinen der Judinen sun von Costentz, burger Zürich. — Für den kleineren Teil der Gesamtsumme bürgt der reiche Abraham von Koburg und dessen Sohn. Ebensolche Urkunde vom selben Datum in GLAK. 49) Papierurkunde mit aufgedrucktem Papierstempel im GLAK. 50) Papierurkunde im GLAK. Hans Ortolff genannt Wälck war 1429 Vogt, 1431 ist er von der gemaind im kleinen Rat, 1432 Bürgermeister, 1433 wieder Vogt (Beyerle, Konstanzer Ratslisten, S. 132 ff.). Von Beruf war Ortolff Bäckermeister, s. Dacher bei Ruppert, Chroniken, S. 174. 207

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