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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 205

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert
Date
1936-01-01
Page
Seite 205 (sequence 8)
Language
German
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Heymann Chone. Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert Konstanz, habe ich oben nachgewiesen, daß Löwe neben drei anderen jüdischen Geldleihern zu den gesuchtesten Bankiers gehörte. Seine Klientel bestand aus Bauern der näheren Umgebung, Handwerkern, einigen Adeligen und Großkaufleuten. Seine Gesellschafter sind später Salomon von Rheinfelden und dessen Sohn Low (von Schaff hausen). In Konstanz war er wohl auch an den Geschäften seiner Mutter Gutlin beteiligt. Seine Ausstände betrugen in den Jahren 1423—25 etwa 1900 Gulden, die seiner Mutter und seines Bruders 650 Gulden37). Im Gefolge der immer drückenderen Abgaben38) entwich Lowe aus Konstanz39). Vielleicht lockte ihn auch die bessere wirtschaftliche Lage Zürichs. Hier hatte sich Folgendes begeben: Für 1424 hatte der Rat unter dem Druck einer gegen die Geldverleiher (auch die Kawerschen wurden ausgewiesen) gerichteten Stimmung den Juden die Stadt verboten. Als besondere Gnade bewilligte der Rat am 15. Dezember 1423 die weitere Benutzung des Friedhofs gegen Bezahlung von einem Gulden für jeden Toten40). Die Vernunft kehrte schnell wieder. Man bemühte sich, Juden zur Ansiedelung zu bewegen. Es ging hier wie 1426 in Diessenhofen41). Der Geldmangel war allgemein. Geldbedürfnis lag in allen Kreisen der Bevölkerung vor. Handwerker, Warenhändler, Bauern, der Adel, alle drängten nach Geld. Sie waren bei christlichen Warenhändlern verschuldet, bei reichen Handwerkern, Großgrundbesitzern, Klöstern. Ebensogut und so schlecht wie bei ihnen waren sie bei jüdischen Geldleihern bedient. Es gibt in diesem Gewerbe schon damals auch eine produktive Seite. Am 24. Juni 1424 haben „der burgermeister, die Rät, die Zunftmeister, der groß Rat, den man nennet die 37) Einer der wenigen erhaltenen Schuldbriefe im Stadtarchiv Konstanz, deren Gläubiger Juden waren, betrifft Low. Die Schuldner sind Hensli Brotbeck und Kunrat Kuppler in Stockbach, die sich zur Zahlung von 10 Rhein. Gulden verpflichteten. Auf der Rückseite hat der Gläubiger in hebräischer Schrift zweimal notiert: "jKp"itt»?2 pntns "bim. — Am 1.10.1421 wird ein gewisser Cunrat Engel zur Verbannung aus der Stadt verurteilt „von solches unredlichen Wandels wegen, als er Löwen Juden ain unrechten bürgen und ein unrecht pfand versetzt hat." 38) Ende 1424 kam eine beträchtliche neue Abgabe hinzu: Schreiben des königlichen Sekretärs Mathis Lommel (Ofen 1.11.1424) für den Konstanzer Gesandten Heinrich Aigner im Stadtarchiv Konstanz. 39) 28.5.1424 (Ofen) befiehlt König Sigmund dem bürgermeister und den Rätan der Stadt St. Gallen „dem Lewe Jud, der aus Costentz entwichen ist, gegen seinen vor dem dortigen Rat geleisteten Eid, daz er sich von Costenz mit lib noch mil gut nicht ziehen noch entfremden wollte, bis er uns den 3. Pfennig aller seiner Güter und Habe gegeben hätte und davon nach der verschliessung und Verlesung, zu Nürnberg mit dem Kurfürsten geschehen, genug getan, und der gegen des Königs Willen ain teiding mit Ulrich Meyer getroffen hat, festzustellen (Stadtarchiv St. Gallen Tr. VII. Nr. 2. 3.). Vgl. Urkundenbuch der Abtei St. Gallen V. 3220. — Weil Low gegen den Willen des Rates sich aus Konstanz entfernt hatte, wurde sein Mobiliar mit Beschlag belegt, zugleich das seines Bruders Abraham und Salmans. Das Protokoll dieser Bestandsaufnahme lautet (Ratsbücher der Stadt Konstanz 1419—25, letzte S. 388): „Juden. Item Low hat enweg 3 kölnische Bett und ains mit ander gestriffter Zieh. 4 hoptküssi kolnsch und zwei kölnsche hoptpfulmen, 3 deckman, 2 wöschin becki, 1 hchtstock u. 3 linlachen u. by 18 aimer win — Ist gewerdet alles für 50 lb. hl." i0) Nabholz, Stadtbücher II, S. 354: Umb die Juden und ir fridhof. Der bürgermeister und beid Rat hand den Juden von ir bett wegen, als si von uns jetzt ziehen müssen, gunnen und erloubet, ob ir deheiner stürbe, den si in den egenanten fridhof by uns legen wolten, daz si daz wol mugen tun, also daz si unser gemein statt von jedem totten licham, er sye wip oder man, jung oder alt ain guldin an gold sollent geben. a) Löwenstein, Geschichte der Juden am Bodensee, S. 85. 205

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