Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 4)
- Language
- German
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Heymann Chone. Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert Die Geschäftstüchtigkeit Konrads von Weinsberg geht auch aus seinen Einnahme- und Ausgabebüchern hervor15). Durch das Konzil wurde die Konstanzer Gemeinde in den Mittelpunkt des politischen Geschehens gerückt. Auf den Namen zweier jüdischer Bürger von Konstanz (Samuel und Lazarus) wurde die Beglaubigung (Vidimus) des wichtigen Freiheitsbriefes König Sigmunds ausgestellt16). Die Konstanzer Gemeinde mußte für das schnelle Aufbringen der großen Summen sorgen, die der königlichen und päpstlichen Kammer zu zahlen waren. Mehrere Konstanzer Juden wurden deshalb zu Beauftragten bestellt, als der Steuerfeldzug begann. Einer von ihnen war Lazarus17). Zu seinem Amtskreis gehörte die Schweiz. Aus dem Sendschreiben des allmächtigen Finanzministers an die Juden in deutschen Landen, mit dem er sie zu Gehorsam und Steuerwilligkeit auffordert und zugleich seine Steuerboten ankündigt, seien hier einige Stellen mitgeteilt18): Wir Conrad here zu Winsperg entbieten allen Juden und Judinn, zu den diß18) gegenwärtige durch tzeiger diß briefs komt, unsern grüß. Lieben besondern, wir lassen uch wissen, daz wir von gemeiner Judischeit wegen, der zu eren und fridden irer personen weses und gutes nach anbringen und bette etlicher frommen Juden, die euer bestes gerne bedechten und suchten, daz wir als nach solicher anbringung und bette an den aller durchluchtigisten unseren allergnädigisten hern mit bette körnend sint, daz sin kunigliche gnade unseren heiligen Vater den Babst für euch bitten wolle, uch zu bestetigen uwer friheit gnade und alt herkomen, die euch von sinen vorfaren Bebsten zu Rome gegeben sind; soliche bette von unserem gnedigen herren dem kung unser heiliger vatter der Babst demutlichen ufgenomen und erhöret hat, und sin heilikeit hat uch huldlichen begnadet, als uch dann der . . . wol underrichten und das Instrument sehen und verhören werdent, daz etwaz faste (viel) gekostet hat, als ir daz selbs wol brüfen mogent; und das ir euch willig finden lasset und euern ernst darzutun wollent, daz die fryhung Bebstlicher Bulle und auch des vorgenanten unseres gnedigsten hern des kungs brief darüber gegeben, heruß komen und geledigt werden, und die gemeyne Judischeit icht zu schaden und zu smehe komen; und ob es hernach qweme darzu, das ir unser bedorffen werdent, das wir aber desto gerner tun wollen, daz uch vorderlich ist zu nutz komen mocht. Geben zu Costentz.....a. 18. Einer der Mitarbeiter Konrads war Meinwart, Pfarrer zu Baldersheim i. Elsaß. Dessen interessante Aufzeichnungen19) beginnen so: a. dm. 1418 zweyten März reit mein here zu Winsperg uß zu Costentz und bephalhe mir zu ziehen von der Judischeit wegen gen Czürigch20), gen Elzessen: und den Reyn abe. « 15) Sie sind zum großen Teil erhalten. Das Fürstl. Hohenlohesche Hausarchiv in Oehringen hütet sie sorgsam. Für die Benutzung dieses Schatzes, aus dem hier einiges veröffentlicht wird, bin ich der Leitung (Dekan Maisch) sehr dankbar, ebenso dem Konstanzer Stadtarchiv, das durch die Freundlichkeit des Dr. Claus, seiner Mitarbeiter sowie des jetzigen Archivars, Dr. Binder, mir seit langer Zeit zur Verfügung steht. 16) Or. Prg. Urkunde v. 5.9.1418 im Stadtarchiv Konstanz; s. Altmann, Regesta imperii nr. 2881 und 82. Der päpstliche Privilegienbrief für die Judenheit v. 12.2.1418 bei Stern, Urkundliche Beiträge über die SteEung der Päpste zu den Juden, Kiel 1893, S. 21 ff. Der königliche Freiheitsbrief ist vom 23.2.1418 datiert (Kerler in ZGJD III, 1889, S. 8). 17) Nicht Rabbi Lazarus, wie Löwenstein, Juden am Bodensee, S. 38, meint. Wohl ist Lazarus der Schwiegervater des bekannten Rabbi Seligman von Ulm. 18) Oehr. E 54, S. 47 f. Ein ähnliches von Ulm aus (8.3.1418): Oehr. E 54,S.53. Dort heißt es am Schluß: Jtem also hat myn here geschriben Meister Jeckeln Rebe zu Wien. Jtem Michel Truven Barnas zu Wien. ") Oehr. E 58 b. 20) Die Schreibweise wechselt zwischen Czwrich, Zurch, Zürich, Züriche. 2 201