Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 3)
- Language
- German
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Hey mann Chone. Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert der ledig macht gein unserem vorgenanten gnedigsten hern dem Kung oder so hiezwischen und dem heiligen cristtag, so sollen si der 12 gülden ledig sin, wo daz aber nicht geschieht so sol er die 12 gülden unserem gnedigen herren dem kung oder so von siner gnaden wegen bezalen, und uff daz sagen wir sie und ire erben des vorgenanten dritten und zehenden pfennigs quitt und ledig. Auch geben und setzen wir sie, ire husfrowen und ir kinder vor dato diss brieffs in alle die gnade und ffryheit von empfellens und gewalts wegen des vorgenanten kungs, als sin kunglich gnade dann der Judescheit zu Elseß9) gegeben hat, daz si die auch haben und gebruchen sollen in der maß, als stünd sie mit namen in dem brief geschriben. Und uff daz so gebieten wir dem Schultheißen und Reten zu Wintertawr unseren lieben besundern, daz sie die vorgenanten David den Juden, sin son Goitleben, ire husfrawn und ire kinder by solich friheit, und die sie inen selber auch gegeben haben, hanthaben, schützen und schirmen sollen, daran bewysen sie unseres hern des kungs gnaden und auch uns besunder wolgevallen. dez zu Urkund geben wir in disen brieff versigelt mit unserem anhangenden Insigel, der geben ist uff Sant Kathrin tag anno dm. 1417 (25. November)10). Seit 1415 war Konrad von Weinsberg König Sigmunds Finanzminister. Fast alle Judensteuern gehörten in seine Kompetenz11). Durch das Konstanzer Konzil (1414—18) waren die Geldnöte des Königs bedeutend gestiegen. Darum wurde 1418 ein großer S te u e r feldzug gegen die Juden angelegt. Fliegende Finanzämter, an deren Spitze einige Abgeordnete, darunter mindestens ein Jude, standen, zogen durch das ganze Reich. Wie sehr diese persönliche Fühlungnahme der königlichen Delegierten nötig war, zeigen Belege genug. Fürsten und Städte auf der einen Seite, die Juden selber auf der anderen suchten den vielen Abgaben, die für die königliche Kammer gefordert wurden, möglichst zu entgehen. Interessant sind die Bemühungen Konrads um Aufspürung vereinzelt wohnender Juden. Seinen Steuerboten gab er den Rat mit auf den Weg, sich immer auch in kleinen Ortschaften nach Juden zu erkundigen12). Seine gute Kenntnis der Orte, in denen Juden ansässig waren, erweist er aus zwei Namenlisten, die in seiner Registratur erhalten geblieben sind13). Von den Verwaltungen der Fürsten und Bischöfe war nämlich Bereicherung solcher Kenntnis nicht zu erwarten. Je mehr ihrer Juden dem scharfen Blick der königlichen Steuerboten entgingen, um so mehr Nutzen harten sie selber von ihnen. Belehrend für dieses Verhältnis der Fürsten und Städte zur königlichen Kammer ist folgende Tatsache. Wenn für einen Reichstag (etwa nach Nürnberg, Worms, Mainz oder Regensburg) die Ausschreibung einer neuen Judensteuer geplant war, so mußten die Judenschaften zum vorgeschriebenen Termin ihre beglaubigten Delegierten dorthin entsenden. Eine oft wiederkehrende Wendung in den offiziellen Schreiben der Städte und Fürsten lautet: Man möge doch freundliches Einsehen mit „Zeiger diß briefs" haben, der ein gar armer Mann sei und viel kleine Kinder besitze14). 9) Hieraus ist nicht auf eine besonders enge Verbindung mit dem Elsaß zu schließen; denn bei einer anderen Privilegienverleihung wird der Freiheitsbrief zugrundegelegt, den die Gemeinde Konstanz erhalten hat, ein andermal wiederum der Freiheitsbrief der Gemeinde Augsburg. 10) Oehr. E 58 g, S. 1: Item so han ich (gemeint ist Conrad von Weinsbefg) von dem Juden zu Winterduwer ingenumen von dez zehenden pfenigs wegen 92 gülden. ™) Darüber Kerler in ZGJD III (18S9). 12) Oehr. E 55, Nr. 3: Jtem habt och überall Forschung, wo ir reytend, wo Juden sein und geet dem nach. 1S) Oehr. E 55, Nr. 3, Blatt 6: Item wenn ich selbs da wer, so wolt ich wol noch vil Juden finden, die wol zu geben hetten, die ich yetzund nit genennen kann und auch keinen finden kann, der sie nit bekennet. 14) Oehr. E 55, Nr. 28, und andere Stellen daselbst. 200