Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
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Heymann Chone. Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert Eine Folge dieser königlichen Entschließung ist das Übereinkommen vor dem Rat2). Als ettlich Juden gerechnet hand von andere Juden gut, kamen for uns, den burgermeister und die Rät der Statt Zürich, Aron Jud, wilent Israhels Juden sun und mit im Jochenan der Jud, Israhelin der Judin man, und öffnet und sprach Aron, daz im der jetzgenante Jochanan Jude, Israhelin sin wip und Baltman Ir sun nach ir Jutschen gewonheit uff ir Eid rechnung geben haben von des guts wegen, so si inne hant, daz Judan und Nassau Juden siner brüder ist, und daz ouch im von siner brüder wegen der rechnung wol habe benügt und im mit der rechnung genug getan. Über die hier genannten Personen ist Folgendes bekannt: „Rachel die Judin wilant Israhels des Juden von Brugg unseres burgers eliche vvirtin und ire kind" wird im Jahre 1414 von Bürgermeister, Rat und allen Bürgern der Stadt Zürich „zu burgern empfangen und in unseren schirm genomen"3). Dieser Israel von Brugg ist im Jahre 1396 auf drei Jahre als Bürger aufgenommen worden4). Er ist einer der beiden Züricher Juden, die 1401 durch den Rat verhaftet und „in Thurn gelegt" worden sind, als im Gefolge einer Ritualmordbeschuldigung der Diessenhofener Gemeinde in der ganzen Nachbarschaft Pogromstimmung aufgekommen war5). Jochanan ist wohl der bei Ulrich S. 112 genannte. Am 12. Juni 1420 wird „Jochanan und sein Vater Josepp von Wile" in einem Prozeß genannt, bei dessen Beendigung als Zeugen zugegen waren: Jösli Jud von Kolmar und Salomon Jud von Rinfelden. Am 23. Juni 1418 wurde David von Winterthur in Zürich als Bürger aufgenommen. Die Urkunde ist nur kurz gehalten, nicht so ausführlich wie die meisten anderen Bürgerbriefe. Sie lautet6): Min Herren von Zürich hand David den Juden von Winterthur, Juntlin sin wib, Belan ir tochter, Rubin ir tochterman und ir gesind, die gewonlich mit in über tisch gand, ein jar zu Burger empfangen umb 31 guldin und hand in darumb ir brief geben in der vorgeschriben Form. Daß dieser David ein wohlhabender Mann gewesen ist, geht aus dem hier genannten Steuerbetrage hervor. Ein anderer Beweis dafür ist die Quittung Konrads von Weinsberg7). Sie lautet: Wir Conrad herre zu Winsberg des heiligen Romischen Richs Erbkamerer tun kunt allermenglich offenlichen mit disem brief, daz David der Jude und sin son Gutlieben gesessen zu Wintertowr nach bette des Schultheißen und Rette zu Wintertowr, die si vor tzyten an unser allergnedigsten herren hern Sigmund romischen und zu Ungern. . kung von sinen wegen getan haben, mit uns geteidingt han und überkomen sind als von des dritten und zehenden Pfennings wegen, als dann ander Judescheit in dem Riehe gegebn han; also daz si uns von unseres vorgenanten gnedigsten hern des kungs wegen geben und bezalt haben 80 Rinische gülden und Kolner8) dem Juden 12 gülden. Also ist daz Kolner sie 2) 21.4.1418. Nabholz, Die Züricher Stadtbücher des 14. und 15. Jahrhunderts, Bd. 2, S. 301. Ebda., S.239, v. 7.7.1416 wird „Rechte Judin wilent Israhels Juden wirtin" in dem Verbannungsdiekret gegen den Übeltäter Seligman genannt 3) Ulrich, Sammlung jüdischer Geschichten in der Schweiz, Basel 1768, S. 425 ff. *) Ebda.. S. 16. 5) Ebda., S. 103. Am 8.6.1413 wird ein Züricher Bürger „wegen Fridensbruchs an Israhel Juden" verbannt (Stadtbücher, Bd. 2, S. 237). 6) Ulrich, a. a. O. S. 428. 7) Fürstl. Hohenlohesches Gemeinschaftliches Hausarchiv Oehringen (von hier an abgekürzt zitiert: Oehr.) E 54, S. 31 f. Am oberen Rand der Seite steht: Wintertawr — anno 1418; darunter als Oberschrift: Quittanze. 8) Mehrere Jahre hindurch ein sehr regsamer Steuereinnehmer des Königs Sigmund, besonders in den süddeutschen Gegenden. 19?