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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 197

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Antisemitismus im Mittelalter
Date
1936-01-01
Page
Seite 197 (sequence 12)
Language
German
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Wilhelm Grau. „Antisemitismus im Mittelalter" dem, eingehend nur einmal die Handwerkerklagen zu studieren, eingehender als Straus dies für sein Buch getan hat. Dann wird sich zeigen, wie leichtfertig Straus Quellen als Zeugen für seine unbegründete polemische Meinung anruft. Straus soll auch sagen, warum zu billiger Verkauf kein Verstoß gegen das iustum pretium gewesen sei. „Sozialwucher", so heißt es auf S. 43 meines Buches, „war diese Unterbiet u n g des iustum pretium insofern, als der allgemeine Grundgedanke der kanonischen Lehre, der auch dem iustum pretium zugrunde lag, gestört war, nämlich die Lehre von der aequalitas, nach der alle Vorgänge die Gleichheit von Leistung und Gegenleistung wahren müßten (ich verweise dazu auf Peschke, Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 8. Bd., 4. Aufl. S. 1095), weil sonst die Gerechtigkeit und Wohlfahrt aller beeinträchtigt sei". Straus S. 23 behauptet wieder einmal, ich wende mich auf S. 43 „mit großer Schärfe" gegen ihn. Auf S. 43 ist Herrn Straus diese Ehre aber nicht angetan. Straus S. 24 behauptet, bei den Juden gab es „vorwiegend Alt wäre zu kaufen". Schön! Vielleicht aber kann man verlangen, daß zu dieser These, die a.a.O. nicht näher begründet ist, meine Ausführungen über den Neuwarenhandel wenigstens angeschaut werden. Straus findet im Register unter „Warenhandel" das Stichwort „Neue Waren" mit mehreren Seitenbelegen. Straus begnügt sich selbst mit all diesen grundlosen Einzelangriffen nicht. Mit einem greisenhaften Überlegenheitsdünkel wirft er mir auch — mein jugendliches Alter vor. Die Judenfrage werde sich nur dem reifen Urteil erschließen. Daß mein Buch als Dissertationsschrift entstanden, muß ebenfalls dazu herhalten, seinen Wert herabzusetzen. Straus vertritt auf einmal auch den Grundsatz, daß die Judenfrage „das denkbar ungeeignetste Thema für eine Doktordissertation" (24) sei. Solche Anschauungen hätte der ehemalige Schriftleiter der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" besser früher vertreten, damals nämlich, als jahraus, jahrein viele jüdische Jünglinge an deutschen Universitäten mit einem Thema aus dem Stoffgebiet der Judenfrage promovierten. Aber vielleicht läßt Herr Straus Gnade vor Recht ergehen, wenn ich ihm mitteile, daß die recht kritische Philosophische Fakultät der Universität München auch meine Arbeit gewogen hat und sie nicht als — Dissertation gelten ließ, sondern als „pro loco dissertationis eximium opus". Doch was hilft dies! Hat doch Herr Straus „an anderer Stelle gezeigt (Programmaufsatz der ZGJD I), wie schwer es für einen Nichtjuden sein muß, sich in der jüdischen Geschichte zurechtzufinden" (S. 19). Um bei Straus in Zukunft nicht mehr anzustoßen, müßte ich also Jude werden. Dann würde mir das Zurechtfinden in der jüdischen Geschichte nicht mehr schwer fallen, dann bräuchte ich kein mosaisches Alter mehr, dann wäre die Judenfrage auch nicht mehr „das denkbar ungeeignetste Thema für eine Doktordissertation". Herr Straus lebt heute in Palästina. Die deutsche Geschichtswissenschaft aber beginnt sich in steigendem Maße der Erkenntnis zuzuwenden, daß die Judenfrage ein Teil der deutschen Geschichte ist, so gut wie 197

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