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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 196

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Antisemitismus im Mittelalter
Date
1936-01-01
Page
Seite 196 (sequence 11)
Language
German
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Wilhelm Grau- „Antisemitismus im Mittelalter" und „Stern des Messias" (das ist die erweiterte deutsche Ausgabe des Traktats) gelesen hätte und all das, was die Nigriforschung dazu sagt. Wenn Straus davon redet, daß die „heftigen Invektiven gegen die Juden" unmöglich den Inhalt der Bekehrungspredigten wiedergeben können, so muß ich Straus sagen, daß er erstens nichts vom Aufbau des „Traktats" und des „Stern's" weiß, zweitens daß er nur spätmittelalterliche christliche Predigten lesen soll, um zu bemerken, daß auch christlichen Zuhörern nicht immer Angenehmes gesagt wurde. Aus seiner Aktensammlung sollte er die heftigen Ausfälle von Predigern gegen Christen kennen, die mit Juden sympathisieren oder ähnliches tun. Straus behauptet nun, ihm sei der Traktat bekannt gewesen: das ergebe sich nämlich aus S. 56 seiner Arbeit sowie aus Beil. 211. Um es gleich vorweg zu nehmen: Beil. 211 läßt nicht die geringste Spur erkennen, daß Straus den Traktat gekannt hat. Auf S. 56 findet sich folgende Stelle: „Peter Schwarz (vgl. Beil. 147): ,Conversi spreti ab omnibus habentur... nec mirum, quod comuniter girofagi aut lusores aut mimi aut lenones effichmtur.* (Tract. contra Judaeos)." Diese Stelle soll beweisen, daß Straus den Traktat kannte? Während Straus sonst in seinem Buch die lobenswerte Gepflogenheit übt, bei Buchzitaten auch Ort und Jahr des Erscheinens anzugeben, überläßt er es ausgerechnet in diesem schwierigen Falle dem Leser, festzustellen, wo und wann diese Schrift erschienen ist. Wenn er aufrichtig wäre, würde er zugeben, daß er nur Pawlikowsky gekannt hat, der völlig unzureichende Auszüge aus Nigris Schriften im vorigen Jahrhundert veröffentlicht hat. Aus dieser Pawlikowsky-Veröffentlichung hat Straus auch obiges Zitat. Nun aber weiter: Auf S. 29 seines Buches verweist Straus auf Pawlikowskys Werk als Stelle, wo „Andeutungen über den Inhalt der Predigten" sich finden, die damals in Regensburg gehalten worden sind. Bei Pawlikowsky finden sich — wie gesagt — Teile von Nigris „Traktat" und „Stern des Messias". Straus hält also in seinem Buch „Traktat" und „Stern des Messias" für Predigten, die in Regensburg gehalten worden sind. Nachdem ich ihm aber gesagt habe, daß ihm das vollständige Vorhandensein dieser Nigripredigten, die Pawlikowsky nur auszugsweise wiedergibt, entgangen ist, behauptet Straus: „Der Traktatus ... kann unmöglich den Inhalt der Bekehrungspredigten wieder geben." Hier hat Straus seine eigene Meinung verfälscht, um den Partner einen schwerwiegenden Vorwurf machen zu können. Diese Feststellung ist hart, aber von den Tatsachen selbst gefordert. Was Straus, S. 23, gegen meine These vom „Sozialwucher" sagt, kann völlig übergangen werden, weil er mich mit einer kleinen Anmerkung (S. 182) zitiert, während er den eigentlichen Abschnitt über den Gegenstand (S. 42 ff.) übergeht. Es fehlt eben bei Straus an den Grundvoraussetzungen; er bemüht sich gar nicht, meine Ansicht überhaupt erst ganz und richtig kennen zu lernen, sondern polemisiert einfach. Er behauptet darum auch geradewegs: „Die Quellen ergeben nicht die geringste Grundlage für diese Auffassung" (vom Sozialwucher). Ich empfehle je- 196

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