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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 195

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Antisemitismus im Mittelalter
Date
1936-01-01
Page
Seite 195 (sequence 10)
Language
German
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Wilhelm Grau. „Antisemitismus im Mittelalter" Straus sucht auch seine These, daß sich der Bischof von der Ritualmordsache zurückgezogen habe, gegen meine Widerlegung zu verteidigen. Ein Eingehen auf meine Argumentation hält Straus natürlich für unangebracht. Er verschweigt einfach die ganze Problematik seines Belegzitates. Ich habe darüber in meinem Buche so ungewöhnlich umfangreich gesprochen (S. 120—122), daß ich es wirklich dem Leser überlassen kann, auf welcher Seite die „spaßhafte Unbeholfenheit" zu suchen ist. Daß Straus mit seinem Zitat aus meinem Buch wieder falsch geht, diesmal S. 22 trifft, das ist wieder ein leeres Blatt, ist natürlich nebensächlich, rundet aber das Bild von Straus' Gründlichkeit bis zur Vollkommenheit ab. Mit freudiger Genugtuung kann ich für Straus hier vermerken, daß er richtig gesehen hat, daß 15 o/o als Ziffer für den jüdischen Bevölkerungsanteil in meinem Buche nicht stimmt. Somit auch nicht, daß auf sieben Christen ein Jude traf. Straus, S. 21, meint ironisch „Rechenfehler". Elbogen deutet in einer Kritik („Der Morgen" XI. Jahrg. Heft 4, S. 185) diesen Irrtum als „charakteristisch für das ganze Buch". Beide stellen mir dann ihre Rechenkunst unter Beweis. Besten Dank! Aber daß nur ein Drucker die Zahl 15 und die Zahl 7 versetzt hat und die Korrektur diesen Fehler übersah, der im Manuskript keiner war, auf diesen Gedanken konnten diese Rechenkünstler natürlich nicht kommen. Daß sie gar noch davon Notiz nähmen, daß ich als erster gegen andere überhaupt nachweise, daß viel weniger Juden, als man bisher angenommen hat, in Regensburg waren, daß ich also auch nicht im geringsten die Tendenz zeige, die Zahl größer zu machen, dies ist von Straus oder Elbogen nicht zu verlangen. Für eine Quellenedition ist es immerhin ein etwas sonderbarer Grundsatz, wenn wichtige Texte deshalb nicht zureichend wiedergegeben werden, weil einem ein Herr „Dr. Stern____schon vor etwa drei Jahren mitgeteilt hat, daß er den vollen Wortlaut im Jahrbuch der Jüdisch- Literarischen Gesellschaft' zu veröffentlichen beabsichtige". Wenn Straus fragt, warum i c h nicht vom Original Gebrauch gemacht habe, dann möchte ich ihn doch auf meine Auffassung vom Ritualmordprozeß (S. 144 —147) hinweisen und ihm sagen, daß ich diese auf Grund der Lektüre der Originale dieser Geständnisaussagen erhalten habe. Aus der Wiedergabe bei Straus kann man wirklich nicht den erschütternden Ernst dieser Protokolle spüren. Ich habe Straus, dem Herausgeber der Quellen, die unzureichende Wiedergabe dieser Geständnisse zum Vorwurf machen müssen, nicht Straus, dem Verfasser des Buches. Er kann mir, da ich ja keine Quellen zu edieren hatte, daher auch nicht den gleichen Vorwurf zurückgeben. Straus ist in seinem Buch das vollständige Vorhandensein der Predigten Nigris entgangen. Ich mußte ihm dies sagen. Was antwortet nun Straus auf diesen — verständlicherweise sehr peinlichen — Hinweis. Er bezweifelt nun einfach (S. 22), „daß Nigris Tractatus contra Judaeos" die Druckausgabe der 1474 in Regens bürg gehaltenen Predigten" sei, und meint, ich erspare mir dafür den Beweis. Ich wurde mich nun ganz gern zu dieser These Straus' äußern, wenn nur er sich die Mühe gemacht hätte, seine Behauptung zu belegen, also wenn er den Traktat 195

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