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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 194

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Antisemitismus im Mittelalter
Date
1936-01-01
Page
Seite 194 (sequence 9)
Language
German
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Wilhelm Grau. „Antisemitismus im Mittelalter" Der Bischof wird ausdrücklich erwähnt. Warum diese 17 Juden gefangen waren, sollte Str. auch wissen. Beil. 341. In diesem Beleg kommt zwar in der Wiedergabe von Straus des Bischofs Namen nicht direkt vor. Im Original aber mehrmals. Wenn einer aber Akten im Zusammenhang studiert, was man vor allem vom Herausgeber dieser Akten erwarten sollte, dann ergibt sich auch aus der summarischen Wiedergabe des Originals dieses Beleges, daß die Stadt an ihre an den Kaiser gesandte Botschaft auch mehrere sehr wichtige Akten mitgegeben hat, bei denen der Bischof eine nicht unwichtige Rolle spielt: so bei der Abschrift „der urgicht von Trient", beim Notariatsinstrument über die aufgefundenen Gebeine von toten Kindern und bei dem Notariatsinstrument über die gefangenen, aber noch lebenden Juden. Beil. 341 ergibt also, daß die mit bischöflicher Mitwirkung entstandenen Aktenstücke auch politisch beim Kaiser Verwertung finden sollten. Beil. 359 erwähnt ebenfalls den Bischof und läßt erkennen, daß dieser in der Frage der böhmischen Herren auf Seiten der Stadt stand. Welche Bedeutung die böhmischen Herren während den städtischen Auseinandersetzungen mit dem Kaiser gerade im Zusammenhang mit dem Ritualmordprozeß hatten, sollte Straus nicht nur aus den Quellen, sondern auch aus meinem Buch wissen. Also auch Beil. 359 gehört zu Bischof und Mordsache. Beil. 370 erwähnt den Bischof ebenfalls im Sinne von Beil. 359. Es gilt deshalb dasselbe. Beil. 388 erwähnt den Bischof, der wiederum dem Rat eine Nachricht zukommen ließ, die gegebenenfalls für die Mordsache bedeutungsvoll ist. Beil. 402 redet vom Bischof, der seine Unterstützung zugesagt habe. Beil. 418 erwähnt den Bischof zweimal, und zwar eindeutig in dem Sinne, daß man erkennen kann, daß der Bischof die Politik des Rates in der Frage des Ritualmordes gegenüber dem Kaiser vertrat. Der Bischof soll sich über das vom päpstlichen Legaten im Interesse der Stadt erreichte Ergebnis beim Kaiser mitfreuen, zusammen mit dem Rat. BeiL 402 und 418 ergänzen einander. Das also sind meine acht Belege, von denen nach Straus „nur ein einziger____eventuell (!) im Sinne Graus gedeutet werden" kann, aber auch dies „nur mit erheblicher Mühe" (!). Mit Straus kann ich sagen: „Wer sich gleich mir die Mühe machen will, kann viele derartige verblüffende Feststellungen machen." Nach Straus soll ich auf S. 119 meines Buches behaupten, die Freude über die Judenvertreibung sei allgemein gewesen. A.a.O. steht nichts derartiges. Sollte Straus aber S. 164 meinen, so kann er nicht behaupten, ich würde entgegenstehende Zeugnisse verschweigen. Denn dort ist nicht nur von der allgemeinen Genugtuung über die Judenvertreibung die Rede, sondern auch von Sympathie mit den Juden: „Es hat sicher einzelne Leute gegeben, die mit den Juden immer schon sympathisiert hatten und die sich über die Berechtigung der Austreibung Gedanken gemacht haben. Die Volkslieder wenden sich mit besonderer Leidenschaft an diese zweifelhaften Christen, wie sie meinen. Die Entdeckungen, die man unter den Judenhäusern und in der Synagoge gemacht hatte, sollten auch die letzten Bedenken aus der Welt schaffen. Vor allem aber gilt es einfach als Frevelmut, wenn einer noch für die Juden einstehen wollte, nachdem sogar der Himmel selbst seine Zeichen gegeben hatte." Auf S. 119 nenne ich nicht, wie Straus behauptet, die Juden, die aus der Stadt zu böhmischen Herren sich begeben, Überläufer zu den Feinden der Stadt. (Was Straus nur schon wieder mit dieser S. 119 hat!) Diese Stelle muß sich Straus auf einer anderen Seite suchen. Und meint Straus, weil auch bei Christen solche Überläufe vorkamen, deshalb würde aus einem „Verrat" eine „Notstandsaktion"? Herr Straus, wie unethisch spekulieren Sie doch! 194

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