Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Antisemitismus im Mittelalter
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wilhelm Grau. „Antisemitismus im Mittelalter" Ganz oben auf S. 32 steht zu lesen: „Ein wesentlich anderes Bild zeigt sich uns in der Notzeit des ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts. Die Geldgeschäfte der Juden schrumpften zusammen." Auf S. 32 unten: „Nunmehr aber hatte sich das Schwergewicht des jüdischen Darlehungsgeschäftes unter dem Einfluß der allgemeinen Niedergangsentwicklung dahin verschoben, daß dem Verkauf verstandener Pfänder eine immer höhere Bedeutung zukam ... Denn dieser (der jüngere jüdische Handel) war im gleichen Maße gewachsen, mit dem die finanziellen und wirtschaftlichen Zustände der christlichen Bürgerschaft trostloser geworden waren." Oder wenn Straus S. 33 zu lesen begonnen hätte, wo ein ganzes Kapitel (S. 33—39) über den jüdischen Warenhandel anfängt, dann hätte er etwas von einem „innerstrukturellen Wandlungsprozeß der jüdischen Wirtschaft", von einer „Entwicklung zum Warenhandel" vernommen, ja er hätte sogar ein Bild bekommen über den „Umfang" dieses Warenhandels. Angesichts eines solchen eindeutigen Tatbestandes mir die gegenteilige Auffassung zuzuschreiben, finde ich unerhört. Zusammenfassung: Überblicken wir diese sieben Fälle, die Straus als „Kernstücke" anführt, um nachzuweisen, „inwieweit es Grau an Gründlichkeit hat fehlen lassen", dann kommen wir zu einem erschütternden Ergebnis: auch nicht einer dieser Fälle hält einer Prüfung stand. So unbegründet und so ungewissenhaft dürfte man selten einen „wissenschaftlichen" Angriff vorgetragen finden. Da es sich um sieben Fälle handelt, kann ich ein Versehen nicht annehmen. Ein Mann, der auf solchen „Kernstücken" von Beweisen öffentlich den Vorwurf der Ungründlichkeit aufzubauen wagt, der mit solcher Methode die wissenschaftliche Ehre eines deutschen Historikers angreift, muß sich darüber im Klaren sein, daß dieser Pfeil auf ihn selbst zurückschnellt. Ich habe Straus in meinem Buch schon den Vorwurf machen müssen, daß er ein geschichtliches Faktum nicht ganzheitlich betrachten könne. Heute muß ich ihm noch sagen, daß er nicht einmal ganz sein und mein Buch lesen kann. Nicht einmal den Titel meines Buches hat er ganz lesen und abschreiben können. Auf der 1. Seite seiner Kritik behauptet Straus von sich auch folgendes: „Mein Urteil wird im Gegensatz zu Grau z.B. von Hermann Heimpel als „durchaus gerecht und umsichtig" gekennzeichnet (in: Historische Vierteljahresschrift 28, 882). Heimpel hat zwar über die Arbeit von Straus in einer ganz kurzen Besprechung dieses Urteil gefällt, erwähnt aber in dieser Rezension mit keiner Zeile meinen Namen und mein Buch, ja es ist anzunehmen, daß Heimpel bei Abfassung dieser Rezension mein Buch nicht gekannt hat. Ob nun Heimpel sein Urteil über Straus „im Gegensatz zu Grau" ausgesprochen hat, wäre also mindestens eine offene Frage, die Heimpel erst zu beantworten hätte. Ich würde nicht so unvorsichtig sein wie Straus. Vor allem aber hat Straus durch diese Äußerung ein falsches Bild über das Rezensionsurteil, so wie es sich in der Historischen Vierteljahresschrift findet, erweckt. „... warum ihm das passieren mußte?" Darüber handelt Straus in einem zweiten noch umfangreicheren Teil. Wenn wir aber 192