Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Antisemitismus im Mittelalter
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wilhelm Grau. „Antisemitismus im Mittelalter" wiesen (S. 80f., S. 188). Im damaligen Regensburg waren diese kleineren Gewalten (Bischof, Klerus, Mönche) entscheidend. Ich sprach von einem „Fortbestand des mittelalterlichen Geistes und der scholastischen Wirtschaftsgesinnung ... gerade in der Verteidigungsstellung gegen den neuen Geist" (S. 188 u. S. 79 f. vgl. das Brandi-Zitat). Übertretungen des Zinsverbotes besagen noch nichts dafür, daß in „der kirchlichen Lehre" das Verbot stark abgemildert worden wäre oder daß es „tatsächlich schon außer Geltung gekommen" sei. 6. Fall: „Straus: In den Predigten gegen die Juden klingt die dumpfe Leidenschaft mit ihrem revolutionären Einschlag durch (29). Grau entschieden dagegen (79). Aber: Herabsinken der dogmatischen Gegensätze zwischen Christentum und Judentum in die wirtschaftlichen Kämpfe des Alltags bis zur ,Niveaulosigkeit* (133), ,durchwirkt von materiellen Interessen, politisch beseelt von kranker Religiosität (160). ,Es war schier jedermann toll' (161)." Zur näheren Illustrierung dieses „Widerspruches" und dieses „Mangels an Gründlichkeit", wofür auch dieser 6. Fall zeugen soll, zitiere ich nur die von Straus aufgerufene Stelle von S. 79 meines Buches: „Das Bild des Juden, das man vom dogmatischen Gegensatz her besaß, lag auch dem wirtschaftsethischen Kampf der Kirche gegen den Juden zugrunde. Dieser war im tiefsten Sinne damals ein seelsorglicher und religiöser Akt, den man in seinem Wesen verkennt, will man ihn als bloßen Ausdruck ,der dumpfen Stimmung des geplagten Stadtvolkes' und als nur tendenziös auf die Judenvertreibung eingestellt, kennzeichnen*). Wir wollen die materielle und ungeistliche Komponente in diesem Kampf nicht gering achten, aber die Bedeutung des anderen muß ebenso gerecht gewürdigt werden, will man am Schlüsse nicht vor einem Rätsel stehen, wenn es gilt, die religiöse Ekstase zu erklären, die bei der Judenaustreibung 1519 in engster Verquickung mit den niedrigsten wirtschaftlichen Interessen in Erscheinung trat." Es blieb Straus vorbehalten diese Stelle in Gegensatz und Widerspruch mit den von ihm erwähnten Stellen auf SS. 133 u. 160 f. meines Buches zu setzen. (Interessant ist wieder die gründliche Weise des Zitierens: statt „durchwirkt mit materiellen Interessen und politischen Absichten" läßt mich Straus schreiben: „durchwirkt von materiellen Interessen, politisch beseelt von kranker Religiosität".) Straus bemüht sich eben krampfhaft und mit allen Mitteln überall einen „Mangel an Gründlichkeit" zu suchen. 7. Fall: „Straus behauptet für das ausgehende 15. Jahrhundert Abnahme des Geldgeschäfts, Zunahme des Warenhandels der Juden. Grau behauptet mit Entschiedenheit das Gegenteil (31). Aber: ,Die neuen, immer weiter ausgedehnten H a n d e 1 s Unternehmungen der Juden' (40 u. 49) und: ,Der jüdische Warenhandel vor allem verursachte den großen Haß gegen die Juden' (55)." Straus phantasiert, wenn er behauptet, ich würde „mit Entschiedenheit" die Auffassung vertreten, daß im ausgehenden 15. Jahrhundert das Geldgeschäft der Juden zugenommen, der Warenhandel der Juden abgenommen habe. Wo S. 31 dazu einen Anlaß gibt, ist ein Rätsel. Aber über S. 31 hinaus liest ja Straus nicht. *) Straus S. 30 sagt nämlich, die Predigten richteten sich „nur auf das allernächste Ziel, die Vertreibung der Juden aus Regensburg". 191