Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 189

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 4
Article
Antisemitismus im Mittelalter
Date
1936-01-01
Page
Seite 189 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2259275-2259303-2259307-2262432--4630-2262477
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Wilhelm Grau. „Antisemitismus im Mittelalter" Wie nennt man eine solche Zitierweise, Herr Straus, wenn Sie, ohne dies kenntlich zu machen, einen ganz entscheidenden Teil eines Satzes auslassen? Dies ist nicht nur ungründlich, sondern unwahrhaftig. Doch weiter! Das Zitat aus S. 81 meines Buches ist nicht nur grundlos in Gegensatz gestellt zu dem völlig entstellten von S. 56. Es ist ebenfalls, wenn auch nur formell, falsch wiedergegeben. Ungründlich! Genau so verhält es sich mit dem Zitat aus S. 60, wodurch allerdings auch vom Sinn der dortigen Stelle abgewichen wird. Ebenso heißt es in dem Zitat aus S. 138 nicht „aus taktischen Gründen" sondern „aus taktischen Gesichtspunkten". Es ist immerhin schon allerhand für einen wissenschaftlichen Arbeiter, der einem anderen den Vorwurf der Ungründlichkeit macht, wenn von vier gebrachten Zitaten auch nicht ein einziges richtig wiedergegeben ist! 4. Fall: „Straus: ,Die soziale Not war die Brücke zwischen bürgerlicher und kirchlicher Judenfeindlichkeit' (33). Grau bestreitet dies mit Eifer (80). Aber: Kirchliche Ethik und wirtschaftliche Not griffen ineinander (134). Die sozialen Prediger vermengten Religion, Ethik, Judenhaß und Politik so sehr, daß manche ihrer Kanzelreden nur noch Brandreden gegen die Juden gewesen zu sein scheinen (85)." Besehen wir uns nun einmal S. 80, wo ich „mit Eifer" gegen Straus' oben angeführten Satz streite: ,Die soziale Not war die Brücke zwischen bürgerlicher und kirchlicher Judenfeindlichkeit' (ich übernehme also direkt Straus' Auffassung!). Aber nicht allein und nicht in dem Sinne, daß dem kirchlichen Zinsverbot und den Predigten gegen den Wucher als solchen bürgerliche, nichtkirchliche Interessen' als Motive zugrunde gelegen hätten. Die einheitliche Front des Volkes mit der Kirche gegen die Juden war schließlich doch auch durch die gemeinsame religiöse Auffassung vom Juden als dem Verworfenen Gottes gebildet worden. Wieweit die Geistlichen als Träger der wirtschaftsethischen Forderungen der Kirche persönlich und soziologisch an dem Kampf gegen die Juden interessiert waren, muß in jedem Einzelfall besonders untersucht werden." Die von Straus weiter angeführten Stellen fügen sich vor allem, so wie sie in meinem Buch stehen, voll und ganz diesem Gedanken ein. Es ist unverständlich, was Straus hier als Widerspruch und Ungründlichkeit empfindet. 5. Fall: „Straus (mit vielen Nachweisen): Die Anschauungen und die Praxis bezüglich des Wuchers sind zur Zeit des Frühkapitalismus stark abgemildert (33). Grau behauptet dagegen den unveränderten Fortbestand der thomistischen Gesinnung und Praxis (188). Aber: Überschreitung des Wucherverbots durch Christen ,kam doch immer vor' (188), und: ,das Wucherverbot Leos X. erfolgte nicht aus Überzeugung, sondern lediglich aus politischen Rücksichten' (81)." Straus zitiert seine Stelle wieder nicht genau. Es ist bei Straus S. 33 die Rede davon, „daß sich die strenge Auffassung des Zinsverbotes um jene Zeit selbst in der kirchlichen Lehre (im Original gesperrt!) schon abgemildert hatte". Straus sollte aus meiner Polemik gegen ihn wenigstens soviel wissen, daß es nicht angängig ist, den eindeutigen Begriff „der kirchlichen Lehre" aus diesem Zitat einfach wegzulassen und ihn durch den Begriff „Anschauungen" zu ersetzen. Auf S. 81 seines Buches spricht Straus von einem „tatsächlich schon außer Geltung gekommenen Zinsverbot", ein Ausdruck, der erheblich über das hinaus- 189

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.