Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Antisemitismus im Mittelalter
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2259275-2259303-2259307-2262432--4629-2262476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wilhelm Grau. „Antisemitismus im Mittelalter" Kaiser entgegengesetzte Judenpolitik betrieb und außer den wirtschaftlichen auch noch ethische Interessen zu wahren hatte, avaritia; vor allem, als der Kaiser sich sogar so weit vergaß, daß er seine eigene verarmte Stadt züchtigte, um die Juden für sich zu retten. Hätte Straus die umfangreichen Ausführungen, die ich über die kaiserliche Judenpolitik gemacht habe (S. 101—HO), gelesen, dann hätte er unmöglich hinter den gleichen Gedanken, der auf S. 120 bzw. 191 in einem anderen Zusammenhang nochmals als kurzer Hinweis aufgegriffen ist, eine „Ungründlichkeit" finden können. Wenn Straus nun auch von „berechtigtem Finanzbedarf" spricht, so ist dazu nur festzustellen, daß in seinem Buch davon nicht die Rede ist; im Gegenteil mindert Straus immer und immer wieder die finanziellen Interessen der Kaiser dort, wo sie offenbar werden, in ihrer Bedeutung herab auf Kosten der juristischen, „denn die spätmittelalterliche Entwicklung ist ja nicht durch die Wahrung der fiskalischen Interessen, sondern durch deren Vernachlässigung gekennzeichnet" (S. 6). Straus7 These von dem reichsreformerischen -Eifer der Kaiser in ihrer Judenpolitik ist rechtsgeschichtlich gewiß interessant, aber falsch und abwegig (vgl. auch meine Besprechung von Straus' Buch in „Zeitschrift für Bayrische Landesgeschichte" VIII, S. 170—172). Es ist daher schon bemerkenswert, daß Straus hier in seiner Polemik gegen mich diese Grundthese seines Buches in den Hintergrund treten läßt und den „berechtigten Finanzbedarf" auf die gleiche Stufe mit der Sicherung der Judenhoheit stellt. Ich begrüße aus sachlichen Gründen diese Wandlung in der Strausschen Auffassung, wenn es auch in diesem Zusammenhang notwendig war, darauf hinzuweisen, daß es ungenau und ungründlich ist, wenn Straus seine gewandelte Ansicht als die seines Buches mir gegenüberstellt. 3. Fall: „Straus: Die letzte Ursache der Judenvertreibung ist in der durch die Notstände hervorgerufenen sozialen Unruhe zu erblicken, die durch den Klerus auf die Juden abgeschoben wurde. Der Stadtrat sträubte sich dagegen solange, als er der politischen Tradition der Stadt treu bleiben konnte. Grau (völlig widerspruchsvoll): ,Die Entfernung der Juden war das Ergebnis einer richtigen volkswirtschaftlichen Erkenntnis des Rats (58).' Aber: ,Der Klerus entzündete eine Volksbewegung, gegen die kein Ratsherr etwas auszurichten vermochte. So stand zu guter Letzt auch der Rat in der Frage des Wuchers auf dem Boden der Kirche* (81). ,In der Judenfrage war die Kirche die ausschlaggebende Macht, der Rat hat nur Politik um die Juden gemacht' (60). ,Oft wurde vom Rat die Abneigung gegen die Juden bloß aus taktischen Gründen gefördert' (138)." Wieder unterläßt es der „gründliche" Straus zu sagen, wo seine Stelle zu finden ist. Während er sich ganz allgemein zitiert, nimmt er mich mit wörtlichen Zitaten auf. Diese Zitate prüfen wir nun nach: Es steht auf S. 58 das genannte Zitat nicht. Seite 58 ist ein leeres Blatt! Solche Ungründlichkeit darf aber nur mir passieren, Herr Straus, nicht Ihnen, die Sie die Gründlichkeit in Ihren besonderen Schutz genommen haben. Es findet sich aber auf S. 56 ein Satz, der folgendermaßen heißt: „Die Entfernung der Juden aus Regensburg war nicht nur das Produkt eines dumpfen, unklaren Haßbewußtseins, sondern auch das Ergebnis einer unter den gegebenen Umständen richtigen volkswirtschaftlichen Erkenntnis des Rates." 188