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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 163

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Ein Geschlecht von Erziehern
Date
1936-01-01
Page
Seite 163 (sequence 23)
Language
German
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Max Freudcnthal. Ein Geschlecht von Erziehern , Die Verwaltung des Instituts gab. ihrer Trauer über sein Ableben in folgender Kundgebung Ausdruck, die ich aus dem Schwedischen über-: trage: „Dr. Heinemann hat mehr als 20 Jahre hindurch mit wärmstem Eifer die Stelle des Rektors innegehabt. Er hat dabei in erheblichem Maße zum Fortschritt der Anstalt beigetragen, und sowohl der Mensch wie der Jugenderzieher bleibt in seinem ganzen Leben liebevoller Erinnerung wert. Vor allem will die Direktion im Protokoll des Tages ihre Anteilnahme an der allgemeinen und einzelnen Trauer ausdrücken, welche der Heimgang des bejahrten, verehrungswürdigen Mannes hervorruft. Das Institut wird lange das beste Zeugnis bleiben für all das Gute, das er gewollt, und all das Nützliche, das er gewirkt." Die Beziehungen Heinemanns zu seinem älteren Stiefbruder Jeremias waren besonders innig. In seinem Tagebuch schildert er die frohen Stunden in dessen Hause während seiner Berliner Universitätszeit. Jeremias widmet ihm 1848 seine jüdische Geschichte, und nach dem Tode des Bruders und Neffen übernimmt Carl die Revision des Kalenders. Carl Heinemann war im Gegensatz zu seinen Brüdern literarisch kaum tätig. Eine Zurückweisung judenfeindlicher Angriffe in einer schwedischen Tageszeitung durch ihn war gewandt und von guter Wirkung. Auch hier ging das Lehrtalent der Familie vom Vater auf den Sohn über. Josef Julius Heinemann, geboren 10. April 1838 zu Gothenburg, widmete sich wiederum völlig dem Lehrfach. Er besuchte das heimatliche Gymnasium, studierte nach Zurücklegung desselben Orientalia und Philosophie in Uppsala und Breslau, woselbst er auch Hörer des Jüdisch-Theologischen Seminars wurde und trotz gegensätzlicher religiöser Anschauungen herzliche und dauernde Freundschaft mit Heynemann Vogelstein schloß. Aufgrund einer Abhandlung über Targum promovierte er zu Tübingen und betätigte sich alsdann als Lehrer an jüdischen Schulen in Kopenhagen, Hamburg, Hannover und von 1877 bis 1880 an der deutschen Bürgerschule in Konstantinopel. Seit dem 1. Oktober 1880 war er fast 28 Jahre lang Lehrer an der Talmud Thora-Schule zu Hamburg und erteilte gleichzeitig im dortigen Verein Mekor Chajjm Unterricht in der Heiligen Schrift. Er starb plötzlich in Bad Kissingen am 11. Juli 190869). Wie R. Meinsters Söhne war auch sein Schwiegersohn, der Gatte seiner Tochter Bella, und, wie ich vermute, zugleich der Sohn seines Bruders Jakob, namens Moses Jakob Benlevi, pädagogisch praktisch und theoretisch tätig70). Er wurde zuerst an die Kasseler Schule als Lehrer berufen, dann 1812 an die Volksschule in Hildesheim, die er organisierte, so daß sie 1828 öffentlichen Charakter erhielt, und an der er selbst bis 1852 Religionsunterricht erteilte. Gleich seinem Schwager Jeremias gab er einen Kalender heraus und veröffentlichte — Hannover 1833 — einen „Wurzelzeiger", d. h. alphabetische Tabellen eines hebräisch-deutschen Wörterbuches, die auf mechanische Weise die Zusammensammensetzung dreistämmiger hebräischer Worte gestatten, wie er selbst angibt, eine zuerst von Elias Hutter 1587 angewendete, von ihm verbesserte Lehrmethode, jedoch als Lehrbuch in Schulen, schon des äußeren, allergrößten Formats halber völlig ungeeignet. Beim Friedensfeste 1814 betätigte er sich in Hildesheim auch als Prediger71). 69) Seine Gattin Selma war wie die seines Bruders Max eine Tochter von David und Friederike Hirsch (s. Anm. 60) und in erster Ehe mit Hermann Levy- Hannover verheiratet. Ihre beiden Ehen blieben kinderlos. 70) Vgl. über ihn Lazarus a.a.O., S. 330. Er war am 17.8.1778 geboren, seine Frau am 15.4.1788. Sie starb am 18.6.1852; sein Todesjahr ist nicht bekannt. Ich verdanke die Notizen über beide Lehrer Stern, Hildesheim. 71) Näheres darüber brachte Lewinsky in den Blättern für Jüd. Geschichte u. Lit., III, S. 89 ff. — Benlevi gehörte zu den Subskribenten auf Gotthold Salomons erstes Predigtheft, Dessau 1818. 7* 163

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