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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 137

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Aus David Friedländers Mußestunden
Date
1936-01-01
Page
Seite 137 (sequence 4)
Language
German
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Jacob Jacobson. Aus David Friedländers Mußestunden Vernunft und Grundsätze usw." Der Staat allein hat das Recht zu befehlen: was geschehen soll und muss, was unterlassen werden soll und muss. Alles übrige ist frey; den Daumen darf ich mir vorsätzlich nicht abschneiden, denn ich werde dadurch zum Kriegsdienst unfähig; aber die Vorhaut? was geht diesem meine Vorhaut an? Oder verbiethet es etwa das Medicinal Collegium? bey Leibe nicht: es räth in gewissen Ländern dazu an, und verordnet es in gewissen Fällen. Eben so wenig hat sich der Staat um meine Ernährung zu bekümmern. Ob ich mich vom Schweinefleisch enthalte und mein Rind mit einem besonders geschliffenen Messer schlachte, kann dem Staat gleichgültig seyn: in meiner Küche hat er nichts zu befehlen. — Vertrag? Ihr hört ja, daß wir keinen gemacht. Ist er nicht schon von selbst aufgehoben, wenn wir alle Pflichten, alle, ohne Ausnahme, erfüllen, ja sogar den Tod für das Vaterland freywiHig übernommen haben? Alles dieses sind Thatsachen, die nicht erst durch Zeugnisse bewiesen zu werden gebrauchen, denn sie sind notorisch. Haben die Juden aber auch schon die Fähigkeiten, die sie zu Staatsbürgern fähig und geschickt machen? Fähigkeiten? Ihr scherzet wohl! Gehet und zählt, nur in Preussen, die Männer, die als Professoren aller Facultäten, als Richter in den ersten Justizämtern, als Medicinal Räthe u.s.w.GIanz und Würde geben. Zählt die Ärzte, die Chirurgen, die Künstler, die Bildhauer, die Mahler, die Schauspieler, bis auf die Tanzlehrer herab, die sich ausgezeichnet haben. Ich weiss wohl, Ihr werdet erwiedern: alle diese Männer sind, zum Christenthum übergegangen. Aber wie? aus Überzeugung oder aus andern Gründen? Erst müsst Ihr mir die Männer nachweisen, die sich in ihren Zimmern eingeschlossen, Hengstenberg, Marheinicke, Schleyermacher, und altes und neues Testament in der Hand, gelesen und geprüft, und danin erst den Salto mortale begonnen haben u.s.w. — So wünscht' ich, daß p. Riesser und. seine Freunde die Sache vorstellten, und mit zur Vertheidigung aufnehmen möchten. Keine dunkele gelehrte Phrasen, denn das Buch soll von den ungelehrtesten Leuten, von Juden und Christen gelesen und verstanden werden. Keine Unwahrheit, keine Rechtfertigung von Untugenden, von Schwachheiten, von Vorurtheilen, die den Genossen noch ankleben, sondern überall Thatsachen, — und das Buch muss zu Hunderten und zu Tausenden unentgeldlich vertheilt werden. Wenn dann die lächerlichen Vorwürfe, dass wir an die abergläubischen Rabbiner u. an den Talmud unabänderlich gebunden sind, dass die reichen Juden die Armen beherrschen, dass die Juden in allen Staaten politisch verbunden sind, dass die Juden immer und ewig als Fremde zu behandeln wären, und jeden Brosamen als eine Gnade annehmen müssen, (und die französische Colonie?), Wenn alle diese Abschmackheiten widerlegt worden, dann ist es möglich, eine wohlthätige Wirkung im Grossen hervor zu bringen. Auch ist der sehr wichtige Umstand klar und (deutlich auszuführen: Dass keine Reform, Hinsicht der Erziehung, des Gottesdienstes, (u.s.w. von keiner Behörde angegeben werden kann, — obschon alle diese Einrichtungen von der Regierung inspiriert werden müssen —, sondern alle diese Verbesserungen blos von den Juden selbst ausgehen müssen, denen es dazu weder an fähigen noch an gelehrten Männern in den größern Gemeinden fehlen dürfte. Und zwar aus dem einfachen und triftigen Grunde, weil die Christen durchaus von der Religion, von den Einwirkungen ihrer Rabbiner, von ihren Tugenden und Schwächen, von ihrer Empfänglichkeit für das Bessere u.s.w. keine Kenntniss besitzen, welches, wenn es nöthig wäre und frommte, leicht bewiesen werden kann. Der alte, gichtbrüchige, seiner Religion mit Leib und Seele anhängende Ballettmeister. July 31". „Mein lieber Gottlieb5). „In manchen Fällen ist es nothwendig und freundlich, lieber Nichts zu schreiben: als nicht zu schreiben." Auf diesen Rath oder diese Maxime oder Klugheitsregel, welche, zu unseren Zeiten, alle gebildete Menschen gläubig annehmen müssen, stützen sich folgende 5) Aus: Folioband. 137

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