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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 136

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Aus David Friedländers Mußestunden
Date
1936-01-01
Page
Seite 136 (sequence 3)
Language
German
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Jacob Jacobson. Aus David Friedländers Mußestunden gelehrten, philosophierenden Inhalts echte Familienbriefe. Sie sind entstanden aus dem Bedürfnis zu belehren, zu lernen und nicht zuletzt aus dem anscheinend unbezwinglichen Drang, sich auszusprechen und leere, zuletzt von körperlichen Beschwerden gequälte Stunden auszufüllen. Das erklärt ihre manchmal erschreckenden Längen und die Variationen der gleichen Themen. Leider sind mir die Gegenäusserungen Gottlieb Friedländers nicht bekannt; sie erst würden das volle Verständnis für die Menge und die Richtung der grossväterlichen Briefe erschliessen. Als vorläufige Proben, die nur historische Bedeutung haben, gebe ich aus „Lesefrüchten" und Briefen einige wenige Stücke, die mir für David Friedländer, seinen Kreis, seine Zeit und seine Anschauungen charakteristisch zu sein scheinen. Dabei bevorzugte ich Beziehungen zu Fragen des Judentums. Ich hoffe, dem weitere Mitteilungen folgen lassen zu können. „Hier ist, lieber G.3). 1. die 3 Bände v. Columbus genau eingepackt wie ich sie erhalten habe. 2. die verlangte Schrift für den* Philologen, der mir so unbekannt geblieben ist, wie seine Schrift. —. Die Abhandlung über die Judenfrage in Pohlen ist Gottlob — welches Deinem Leider entgegen gesetzt wird — das vorletzte Exenvplar, das ich besitze. Nimm es Dir, wenn jener Gebrauch davon gemacht hat, und erkundige Dich bey Mendheim was es kostet; Du weisst schon warum? aber ich bleibe unerzürnet. — Dein Ur-ur-Enkel wird von Ashers Ur-ur-Enkel dermaleinst in London 25 Pf. Sterling dafür erhalten. Unbibliothekarisch ist die Foderung, Dir das Fehlende meiner unsterblichen Schriften zu verschaffen. Welche fehlt Dir denn? Das gleich nach der Geburt verblichene Kind vom Kr.-Dir. Hitzig*) kann Auskunft geben: ich selbst weiss es nicht und besitze auch nicht alles mehr. Nun noch Ein Wort über die verehrten Vertreter meiner Religionsgenossen. Ich selbst, ein alter invalider Tanzmeister, kann nur noch in meinem LehnstuhL sitzen und den andern Anführern besonders dem Ries s er mein Bravo! zurufen. Die Zahl der Gegner ist Legion; selten verdient einer eine sorgfältige Widerlegung — etwa der G. Kirchenrath, der ein böswilliger Ketzer ist, und in seinem Panier das Motto führt: "rt? 1=V- ^Vp}) 4a). Denn sie sind alle Strauchdiebe, . die keine gesetzliche Waffen, d. h. Gründe, sondern mit alten Sensen fechten. Hingegen haben meine Genossen wohlgefüllte Arsenäle. Vorzüglich ist Dohms Schrift, Mendelssohns Vorrede zu M. b. Israel, hauptsächlich sein Jerusalem Hauptdämme gegen alle Geschwätz Überschwemmung. Aber auf der andern Seite, müssen die Vertheidiger unserer Rechte nicht hinter dem Berge halten, sondern die unhaltbaren Plätze freywillig aufgeben. Das Bemänteln, das Verschleiern ist nicht mehr an der Tages-Ordinung. Heraus mit der Sprache! Es muß zugegeben werden: daß eine Gemeinde von Stocktalmudisten, die keine einzige Änderung ohne Gewissensverletzung zugeben will, keinen Anspruch auf Staats- oder Stadtbürger- Rechte fordern kann, aus dem ganz einfachen Grund: weil sie keine Bürgerpflichten leisten können. Ist es den Juden erlaubt, sich vom Talmud loszusagen? Weiche Frage! Haben sie sich, die Gesamtmasse oder der Einzelne, je verbunden, ihm Folge zu leisten? Ist irgend jemand verbindlich gemacht worden, auch nur durch einen Handschlag, den Vorschriften des Talmuds oder der Rabbinen getreu zu bleiben? Niemand. Noch weniger hat je einer ein Glaubensbekenntniss abgelegt, denn wir haben keinen Glauben. „Nach den Grundsätzen der gesunden Vernunft, deren Göttlichkeit wir alle erkennen müssen, ist weder Staat noch Kirche befugt, sich in Glaubenssachen ein andres Recht anzumassen, als das Recht zu belehren; eine andre Macht, als die Macht der Überführung, eine andre Zucht, als die Zucht durch 3) Aus: Folioband. 4) Kriminaldirektor Julius Eduard Hitzig, Herausgeber des „Gelehrtes Berlin". *a) Psalm 83, 5. 136

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