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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 135

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Aus David Friedländers Mußestunden
Date
1936-01-01
Page
Seite 135 (sequence 2)
Language
German
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Jacob Jacobson. Aus David Friedländers Mußestunden jüdischen Schrifttum; aber nur wenig nimmt er Bezug auf das jüdische Leben seiner Zeit oder die in ihm tätigen Persönlichkeiten. Seine Zielsäule im jüdischen Bereich war — und das kommt in diesen Briefen immer wieder zum Durchbruch — Moses Mendelssohn. Ihm widmet er die bekannten Worte2): „Mendelssohn, Palme Israels, Ceder Libanons! So wuchsest Du empor. — So überwandest Du tausendfältige Hindernisse! Umsonst stellten sich Armuth, Körperbau, Religion Deiner Väter, Staatsverfassung, Dir und Deiner Ausbildung entgegen: Du überwandest jede Schwierigkeit Unvergesslicher! Unter Deinem milden weit verbreiteten Schatten, wie viel auch winzige Pflanzen hast Du geduldet, gehegt und gepflegt! Es ist herrliches Gefühl, einem edlen Weisen nahe gewesen zu seyn. — Es ist wahre Seelenwonne sich seiner Jünglings jähre zu erinnern, wo man durch kindliche Anhänglichkeit, und Streben zum Guten und Schönen, seine väterliche Liebe erwerben konnte. — Wer von Deinen treuen Schülern, kann Dich, selbst im hohen Greises- Alter, je vergessen: Dein Name, Dein Andenken wird ihnen, nie veralternd heilig bleiben!" Die Briefe des Grossvaters an den Enkel beginnen im September 1822 und gehen bis in den Oktober 1833. Sie zeugen von einem ganz besonders innigen Verhältnis zwischen Grossvater und Enkel und von der ungeheuren Hochachtung, die der Grossvater vor der vielseitigen und tiefen Gelehrsamkeit des Enkels hatte. In einem Brief vom 4. März 1830 schreibt er ihm — und damit gibt er den Masstab für die Beurteilung dieses Briefwechsels an die Hand—: „Von meinen Lehrern in der Schule hab' ich viel gelernt, mehr noch von meinen Lerngenossen, am mehrsten von meinen eigenen Schülern; hätte der alte Schlucker von Talmudisten im 19. Jahrhundert gelebt, so würde er ohne Zweifel hinzugefügt haben: und von meinen Enkeln." Als dieser Brief an Gottlieb Friedländer erging, war er bereits Assistent an der Königlichen Bibliothek in Berlin. Er war also wirklich schon in der Lage, dem hochbetagten Grossvater aus der Fülle seines Wissens und seiner Bücherkenntnisse mitzuteilen, und konnte — wie Friedländer es in einem Briefe launig darstellt — als Oberst im Reiche des Geistes und der Grossvater ihm gegenüber als alter Invalide erscheinen. Zur Förderung dieser geistigen Karriere hat David Friedländer sicherlich durch seine Briefe beitragen wollen. Er hat sich und dem Enkel djabei die Sache nicht immer leicht gemacht: es wird auch in der schreibseligen Zeit des Jahres 1824 nicht zu den Alltäglichkeiten gehört haben, dass ein Student von seinem Grossvater einen Brief von 24 Quartseiten empfing. Eher schon mag es vorgekommen sein, dass Grossväter — wie hier David Friedländer — ihren Enkeln anständige Zuschüsse zum Monatswechsel auf die Universität schickten. Dem Sinn solcher außerordentlichen Zuwendungen — und darin brilliert David Friedländers Weltklugheit — entsprach es, dass er den Empfänger zum Stillschweigen verpflichtete. Das leibliche Wohlergehen des Enkels lag dem Grossvater sehr am Herzen; davon sprechen mehrere Briefe voll gesunder Natürlichkeit und überraschender Derbheit. Die grossen, mit zierlichen Buchstaben eng beschriebenen Briefe sind trotz ihres oft fast den Charakter eines Selbstgespräches annehmenden 2) Aus: Lesefrüchte, Bd. I, und Folioband. 135

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