Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländers Übersetzung des Gebetbuches
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 3)
- Language
- German
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Ismar Elbogen. David Friedländers Obersetzung des Gebetbuchs Wie in all seinem Tun, war ihm auch hier Moses Mendelssohn Vorbild, seine Methode der Übersetzung, „die so treu und edel ist, bei der das Original so wenig oder so nichts von Energie und Kürze als wenig von Ton und Farbe verloren hat"11), diente ihm als Richtschnur. Stellen aus dem Pentat euch hat er von Mendelssohn wörtlich übernommen. Bei den zahlreichen Psalmen weicht er, wie er schon am Schluß der „Vorerinnerung" erwähnt, in Kleinigkeiten von seinem Meister ab. „Ich habe hie und da den Bau seiner Perioden und seine nachdrückliche Kürze, die dem Original gleichkommt, abändern und zerstören müssen, um den Sinn faßlicher zu machen." Tatsächlich ist dies der einzige Grundsatz, der sich bei den Abweichungen durchweg vermuten läßt, Friedländer strebt nach Klarheit und Faßlichkeit der Verdeutschung, er opfert dafür häufig den Rhythmus. Weniger erkenntlich ist der Grund für die häufigen, aber offenbar nicht konsequenten Abweichungen in der Verwendung der Gottesnamen. Wahrscheinlich hat Mendelssohn auch von diesen Änderungen Kenntnis und nichts gegen sie einzuwenden gehabt. Euchel12) hat alle Psalmen wörtlich aus Mendelssohn übernommen, ihm kam es offenbar mehr auf den poetischen Schwung als auf die unbedingt wörtliche Treue an. Überhaupt ist dieser Unterschied zwischen den zwei Übersetzungen festzustellen: Euchel sieht mehr auf Eleganz und gestattet sich daher einige Freiheiten bei der Übertragung, Friedländer hingegen ringt nach Klarheit, Brauchbarkeit und Volkstümlichkeit bei voller Treue der Wiedergabe. Anmerkungen und Erklärungen hat er seiner Arbeit nur selten beigegeben. In der Hauptsache beschränken sich diese auf die übertragenen Stellen aus Mischna und Talmud. Besonders die Sprüche der Väter im zweiten Teil sind reich mit Anmerkungen versehen und bieten Friedländer Gelegenheit, seine ethischen Anschauungen darzulegen. Beachtenswert ist die „Vorerinnerung", in der er allgemein „von der Wichtigkeit des wahren Gebets und seiner wohltätigen Wirkung auf das menschliche Gemüt" spricht und eine kurze Geschichte des jüdischen Gebets folgen läßt. In beiden Stücken schließt er sich Maimonides an13), dessen Werke er überhaupt gern benutzt. Nach seinem eigenen Geständnis14) war Mendelssohn mit dieser Vorerinnerung nicht ganz einverstanden, er fand sie zu schwierig. Die Wirkung des Buches war stark, es fand weite Verbreitung und übte bedeutenden Einfluß aus, wurde mit oder ohne hebräischen Text häufig nachgedruckt15). „Ihre damalige Arbeit ist Ihnen so gelungen, daß dem Kenner nichts zu wünschen übrig geblieben ist", mit diesen anerkennenden Worten lädt ihn ein Gelehrter und Ästhet wie Lazarus Bendavid noch 25 Jahre später zu einem verbesserten Neudruck des Buches ein16). Er setzt es bei Friedländers „Geschmack und Bestreben u) Friedländer, „Etwas über die Mendelssohnsche Psalmenübersetzung" (in Berliner Monatsschrift 1886 II, S. 523). 12) Vgl. zu dieser Übersetzung I. H. Ritter, Geschichte der jüdischen Reformation II,S.58f. 13) Schluß der Vorerinnerung. 14) Oben S.127, Anm.39. ") Oben S. 128. iß) Das. S. 127. 132