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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 131

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländers Übersetzung des Gebetbuches
Date
1936-01-01
Page
Seite 131 (sequence 2)
Language
German
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Ismar Elbogen. David Friedländers Obersetzung des Gebetbuchs breitung gefunden hat. Diesen Text hat David Friedländer mit der allergrößten Treue übersetzt, ohne etwas von den Anschauungen und Tendenzen zu verraten, die er später mit solch entschiedener Schroffheit vertrat. Er war damals noch ein junger Mann, ganz und gar im Banne Mendelssohns, der Reformator in ihm war noch nicht erwacht. Er fühlte sich zum Dienst an seinem Volke berufen und verpflichtet, das hebräische Gebetbuch denen, die es nicht verstanden, nahezubringen. Es gab wohl Übersetzungen der Gebete, aber sie waren alt und veraltet, wurden trotzdem unverändert gedruckt und waren niemand mehr verständlich5). Zwei Momente sind an Friedländers Werk äußerlich zu beachten: erstens die Widmung an seine Mutter und seine Schwiegermutter6), er wird bei seiner Arbeit in erster Reihe an die Frauenwelt, deren hebräische Unterweisung völlig unzureichend war, als Benutzerin des Gebetbuches gedacht haben; zweitens die Verwendung der hebräischen Schriftzeichen, deren sich auch Moses Mendelssohn bei der Veröffentlichung seiner Tora-Übersetzung bedient hatte7), weil offenbar größere Geläufigkeit im Lesen gotischer Schriftzeichen in weiteren jüdischen Kreisen damals noch nicht vorausgesetzt werden konnte. Seine Psalmenübersetzung hat Mendelssohn in deutschen Lettern herausgegeben8), ebenso Isaak Euchel seine gleichfalls 1786 erschienene Übersetzung der Gebete9), weil beide Bücher offenbar für weitere Kreise bestimmt waren. Friedländers Werk ist völlig tendenzlos, soll der großen jüdischen Gemeinde als Ergänzung des hebräischen Gebetbuchs dienen. Es folgt daher dem hebräischen Text sklavisch und gibt alles wieder, was sich dort findet10), schließt sich der dortigen Reihenfolge an und läßt auch die ritualen oder kasuistischen Vorbemerkungen nicht weg. Da fehlt nichts, weder die Bitten um Wiederherstellung des Opferdienstes noch Abschnitte aus Mischna und Talmud, die vom Opfer handeln, weder Bitten um den persönlichen Messias noch solche um die Rückkehr nach Jerusalem und die Wiedererrichtung des Tempels, weder die traditionelle Auffassung der Offenbarung noch die Auferstehung der Toten. Hier freilich wird überall der Ausdruck „Wiedererweckung" gebraucht, das entspricht Friedländers Rationalismus, der sich auch sonst in dem Werk äußert. So versucht er, wo es nur irgend angeht, Anthropomorphismen wenn schon nicht zu vermeiden, so doch wenigstens abzuschwächen. Temuna z. B. übersetzt er Abglanz seiner Herrlichkeit, Kisse kewodecha Deine heilige Vorsehung, Namlichecha und ähnliche Ausdrücke übersetzt er mit verherrlichen, preisen, den Satz Osse schalom usw. „Er, der Eintracht in jenen Höhen erhält, begnadige auch uns und ganz Israel mit Frieden". Tora übersetzt er stets mit „Gesetz", er spricht auch von der Gesetzrolle, gibt das aramäische Orajta mit Gesetzbuch wieder, er vermeidet den Ausdruck Messias und braucht dafür Erlöser, Neschama gibt er in der Einzahl mit „Geist" wieder, kann freilich die Mehrzahl „Seelen" nicht vermeiden. 5) Das. S. 155. In den Gottesdienstlichen Vorträgen, 2. Aufl., S. 467, führt Zunz ein Urteil des Rotterdamer Rabbiners aus dem Jahre 1800 an, der die älteren Übersetzungen schlecht und sinnlos nennt. 6) Oben S. 126. ') Erste Ausg. Berlin 1783 bei J. Georg Starcke. s) Ebenfalls Berlin 1783 bei Friedrich Maurer; sie sind K. W. Ramler gewidmet. 9) Oben S. 128. 10) An einigen wenigen Stellen hat Friedländer bewußt gekürzt, so z.B. beim „Segensspruch der Kohanim" S. 145 b ff. und verschiedentlich bei den „Segenssprüchen und Gebeten" im 2. Teil, S. 31 ff. Von Interesse ist, daß der sonst pedantische Mann wiederkehrende Stellen nicht immer vollständig gleichmäßig übersetzt. 5* 131

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