Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Gutachten und Briefe David Friedländers
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 17)
- Language
- German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers Was Bendavid unterließ, tat zwei Jahre später der Fürther Buchdrucker Moses Zirndorf er. Er gab 1823 ein Siddur mit Friedländers Übersetzung heraus und noch in demselben Jahr ein vollständigeres Gebetbuch (mit Jozeroth, Selichoth etc.), dem er gleichfalls Friedländers Übersetzung beifügte. Seitdem ist Friedländers verdienstliches Werk nicht mehr aufgelegt worden. Andere Zeiten, andere Männer. Gleichzeitig mit den Drucken Zirndorfers erschien Wolf Heidenheims Safa berura mit eigener deutschen Übersetzung. Das Rödelheimer Gebetbuch (ohne Übersetzung: Sefath Emeth) trat seinen Siegeslauf durch die Welt an. 7. Zum Schluß sei noch ein Brief44) David Friedländers mitgeteilt, in dem außer der Bezeichnung „verstrubbelte Judenwesen" nichts Jüdisches vorkommt. Man lernt aber Friedländer als Münzensammlerund Autographenfreund kennen, dazu sein humorvolles Wesen, sodaß der Brief zur Veröffentlichung geeignet erscheint. Den befreundeten Adressaten, der nur mit Vornamen genannt ist, in Leipzig festzustellen, muß anderen überlassen werden. „Berlin den 20ten Merz 1821. Mein theuerer und lieber Carl. Wenn Sie wieder an mich schreiben sollen, müßte ich Ihnen Aufträge geben, denn Sie wollen mich mit gehaltlosen Briefen verschonen. Wissen Sie wohl, daß wenn mir das Dritter45) von Ihnen gesagt hätte, ich ihn auf Pistolen herausfordern würde. In numismatischer und antiquarischer Hinsicht hätten Sie mir nichts Interessantes mitzutheilen gehabt? Wie können Sie dieses ohne Schaamröthe sagen? Haben Sie nicht mehrere kleine Müntzen aus dem Mittelalter von innern Werth verkauft, wovon ich vielleicht durch die sechste Hand einige ertappt, die ich mit dem vierfachen Werth habe bezahlen müssen? Können Sie das läugnen? Thun Sie Buße! mein werther Freund. Das heißt, von nun an schicken Sie mir alles ein, was an kleinen Müntzen in Silber oder Gold oder in alten Medaillonen, gegossen oder geprägt, in Silber allein Ihnen eingehet. Nur vergessen Sie nicht, auf das Paket (Adresse M.46) Friedlaender & Comp, für Dd. Fdr.) blos den Geldwerth zu notiren; denn alte Müntzen u.s.w. müssen sonst Accise zahlen, steht aber der Geldwerth nur allein oder noch besser: inliegend 3.4.10 etc. Thaler etc., so wird nur das Porto bezahlt. Thun Sie das nicht und ich erfahre einen neuen Bruch der Freundschaft, so fordere ich Sie heraus und lasse Ihnen wie jener Gasconierf die Wahl der Waffen, nemlich von der Stecknadel an bis zur 36 pfundigen Canone. Ferner: Aufträge wollen Sie haben? Hier sind gleich zwey. Erstlich, machen Sie, daß die Anlage nach Tepliz kommt. In Ihrem Comptoir kommen doch solche verstrubbelte Judenwesen aus Tepliz, die schon einmal solche Paketchen an Herrn Glaser mitgenommen haben. Zweytens, Sie kennen nicht allein den berühmten Dr. Althof47), Leibarzt Ihres Königs, sondern Sie sind sein Freund. Der Herr Dr. war einer der vertrautesten Freunde des verstorbenen Dichters Bürger. Von diesem bekannten Dichter wünscht ich zwey Handschriften mit seiner Unterschrift für zwey Sammler von Manuscripten zu haben. Am liebsten wäre mir ein Gedicht von seiner Hand, wenn es auch bereits gedruckt ist. Hat dieses keine Namensunterschrift, so wird der Besitzer durch seine Unterschrift bezeugen, daß es 44) Orig. in der Bibliothek d. Jüd. Gem. zu Berlin, Handschriftenabteiiung prov. Nr. 185. 45) Ergänze vorher: ein. 46) Moses, Davids Sohn. Sitz der Firma: Burgstr. 25. Dd. Fdr. ist natürlich David Friedländer. 47) Kgl. Sächsischer Hof- und Medizinalrat Ludw. Christoph Althof (1758—1832). 5 129