Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Gutachten und Briefe David Friedländers
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 18)
- Language
- German
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Istnar Elbogen. David Friedländers Obersetzung des Gebetbuchs B—s48) Handschrift sey. Nun! Ist dieses so schwer zu bewirken? Überdem, wer hat schuld, daß ich des würdigen Dr. Althofs persönliche Bekanntschaft nicht gemacht habe? Wer anders als Sie? „Morgen — der Leibarzt ist in Pillnitz49) — ein andermal — der Mann ist sehr beschäftigt". Wie oft haben Sie mich mit solchen Ausreden abgehalten! Nun werde ich mich wohl bequemen müssen, bis ich in den Eliesischen Feldern anlange, mit der persönlichen Bekanntschaft zu warten. Und wer weiß, ob es mir alsdann gelingen wird. Da wird dieser Mann mit Hypocrates, mit Galen, mit Morgagni, mit Boerhave, mit Mead und ihresgleichen sich unterhalten wollen, und wer soll mich den50) vorstellen?, da Sie beyde, wie ichs herzlich wünsche, noch ein halbes Jahrhundert auf diesem Erdenrund zu verweilen das Recht haben. Kurz und gut, was geschehen soll, muß hier geschehen und muß bald geschehen, denn ich bin in meinem 71sten Lebensjahr. Und nun antworten Sie mit der fahrenden Post, begleitet von Bürgers Briefen und Gedichten und ein Paket Müntzen und die51) freundliche Versicherung, daß Sie mich lieben wie ich Sie. Friedlaender. Die würdigen Eltern und die edle Umgebung grüße ich herzlich." David Friedländers Uebersetzung des Gebetbuchs Von Ismar Elbogen Im Frühjahr 1786 erschien in der Druckerei der Berliner Jüdischen Freyschule das Gebetbuch in zwei Bänden gleichen Drucks und Formats. Der erste Band führte den Titel Tefillot Jisrael, Chelek rischon ha-kolel Sidduran mi-kol ha-Schana bileschon ha-Kodesch, der zweite war als Chelek scheni mit dem Zusatz meturgam aschkenasit und dem Untertitel „Gebete der Juden auf das ganze Jahr — übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen versehen von David Friedländer" bezeichnet. Der Übersetzung der Gebete auf 172 Blatt schlössen sich die „Sprüche der Väter" (30 Blatt) sowie „Verschiedene Segenssprüche und Gebete" (weitere 19 Blatt) an. Das Werk entsprach, wie das „Verzeichnis der Pränumeranten" in Band 1 mit seinen mehr als 750 bestellten Exemplaren beweist, einem tiefgehenden und weitverbreitetem Bedürfnis. Es ist sicher im Einverständnis mit Moses Mendelssohn unternommen worden, der selbst sechs Exemplare beziehen wollte, auch Friedländers Arbeit noch durchsah1), und in seiner ganzen Anlage ein Werk der Aufklärung. Der hebräische Text ist von Isaak Satanow2), dem Puristen des hebräischen Gebetbuchs, durchgesehen und mit kurzen Anmerkungen, die meist den Textbestand und die Quellennachweise betreffen, ausgestattet. Satanow ist auch der erste, der es wagte, allerlei kabbalistische Zutaten, die im Laufe der Zeit in das Gebetbuch eingedrungen waren3), wegzulassen, und der damit den Typus des Gebetbuchs schaffte, der durch Wolf Heidenheim*) und Michael Sachs Ver- 48) Bürgers. — 49) Pillnitz bei Dresden, wo sich der König von Sachsen im Schloß aufhielt. — 50) Für das heutige denn. — 51) So.!) Vgl. oben S. 127, Anm. 39. 2) Vgl. Zunz, Ritus, SS. 169, 175; Steinschneider in Geiger ZGJD V, 1892, S.162L und speziell über Satanows Gebetbücher S. 170 f. 3) Vgl. Zunz das. S. 149 f. *) Zunz das. S. 175 nennt ihn den „Mendelssohn des Machsor". 130