Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Gutachten und Briefe David Friedländers
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 16)
- Language
- German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers gnügen und gewiß auch unentgeltlich übernehmen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn er sich als Herausgeber und Verbesserer nennt; muß aber offenherzig wiederholen, daß ich nicht glaube, daß ein Geldnutzen dem Institute daraus ent-« stehen kann, wenn sie nicht durch Vorausbezahlung oder Subscription' für die Druckkosten gedeckt ist. Mit vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit unterzeichne ich mich Ihren gehorsamsten Friedlaender. Berlin den ersten Febr. 21. Des Königl. Directors etc. Herrn Bendavid Wohlg." Im vorstehenden Briefe erwähnt Friedländer „Euchels Ausgabe", die zu Rate zu ziehen wäre. Isak Euchels Gebete der Juden, aus dem Hebräischen übersetzt, erschienen ebenso wie die Friedländers im Jahre 1786 (in Königsberg i. Pr.). Auch diese Arbeit ist einer Frau, der jungen Rebecka Friedländer in Königsberg (1/70—1838) gewidmet. Wie Euchel selber urteilt, wurde seine Übersetzung von ihm „etwas nachlässig" und fehlerhaft angefertigt. Er hat daher Berlin 1799 eine „zweite, ganz umgearbeitete Ausgabe" herausgebracht40). Gegenüber dieser nicht ganz so vollständigen und freien Übersetzung der Gebete ist Friedländers Text eine hochgradige Leistung. Wenn er dennoch vorschlug, für die neue Ausgabe Euchels Übersetzungen zu berücksichtigen, so war ihm deren Eigenart nicht mehr in Erinnerung, oder vielleicht dachte er an die von Euchel im Anhang gebrachten „Anmerkungen und Erläuterungen", von denen manche dienlich sein würden. Gegen den Neudruck seines Buches von 1786 hatte Friedländer an und für sich nichts einzuwenden. Obgleich er 1821 nach wie vor den hebräischen Gottesdienst bekämpfte, war er gerecht genug, niemand zum hebräischen Beten und gar zum alten Siddur zu zwingen, und bereit, zum Verständnis dieser Gebete von neuem beizutragen. Die neue Ausgabe kam aus unbekannten Gründen nicht zustande. Machte Dr. Isaac Auerbach41) trotz Friedländers Voraussetzung Schwierigkeiten? Oder hat Bendavid erfahren, daß in Brünn 1796 und Prag 1S03 Nachdrucke von Friedländers „Gebete der Juden" erschienen waren42), ferner eine prachtvolle Ausgabe 1807 bei Proops in Amsterdam, alle drei in hebräischen Buchstaben (in der Amsterdamer Ausgabe die erklärenden Überschriften, Dinim und Anmerkungen in jüdischem Kursivdruck), und erst 1818 in Aurich ein besonders unter Christen verbreitetes Plagiat: „Gebete der Israeliten auf das ganze Jahr, herausgegeben von den Gebrüdern A. und L. I. Beer43) und dem Vorsänger und Rechenmeister A. I. Ballin" (die sog. Herausgeber hatten nichts anderes getan, als Friedländers Buch, dessen Namen sie verschwiegen (!), in deutschen Buchstaben drucken zu lassen)? Friedländer selbst waren zweifellos all diese Nachdrucke unbekannt, sonst hätte er wenigstens auf einen derselben in seiner Antwort an Bendavid hingewiesen. Diese ganze Literatur war ihm weltenfern. Besaß er doch in seiner Bibliothek weder sein eigenes Werk noch das Euchels! 40) Nach Euchels Tod erschien in Wien 1813 bei I. B. Zweck wieder eine „zweite Auflage" (ohne den Anhang) und Wien 1815 eine Ausgabe mit Anhang bei Anton Schmid, beide Ausgaben ohne Euchels Einleitung und ohne die „Gesänge" (nach dem Englischen und aus dem Persischen, sodann Jehuda ha-Levis Zionide). 41) Geb. 12.3.1788 in Inowrazlaw, seit 1806 in Berlin: Geh. Staatsarch. Berlin- Dahlem Rep. 46 B Berlin Nr. 1 vol. 1, A 5 in Verbindung mit Polizeipräsidium Berlin, Judensachen Generalia Nr. 45. Über Auerbach s. Gutmami, Festschrift ... der Knabenschule d. Jüd. Gem. in Berlin, S. 102, und Enc. Jud. III, 658—659. *2) Notiert von Fürst, Bibliotheca Judaica I, 302. «) Nicht Peter Beer in Prag, wie Enc. Jud. III, 1230 angibt. 128