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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 125

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Gutachten und Briefe David Friedländers
Date
1936-01-01
Page
Seite 125 (sequence 13)
Language
German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers gekündigt — Büste und Säule befanden sich damals bei Robert v. Mendelssohn — und nach langer Entfremdung (1819—1906) wurde das Kunstwerk Tassaerts dort aufgestellt, wohin es schon David Friedländer gewünscht hatte: im Sitzungssaal des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde. Dort blieb es, bis es 1917 auf meine Veranlassung in die Kunstsammlung der Berliner Gemeinde kam. Was ich damals schrieb31), wiederhole ich hier: „In der Mendelssohn-Büste hat Tassaert mit seinem Meißel ein von Mit- und Nachwelt anerkanntes Kunstwerk geschaffen. Was in dem edlen Gesicht des kleinen, unansehnlichen Moses geschrieben stand, und was Lavater in der plastischen Darstellung lesen wollte: den forschenden Geist, die prophetische Kraft des Sehers, die Herzensreinheit, die Gemütstiefe und demutsvolle Bescheidenheit, der letzte Vertreter der niederländischen Kunstschule in Deutschland hat es in unserer Büste ausgeprägt. Einheit, Harmonie, Lebenswahrheit blicken uns aus allen Zügen entgegen. Mendelssohn scheint den Mund zu öffnen, als wolle er uns mit seiner milden Weltweisheit, mit seiner kritischen Geistesschärfe, mit irgendeiner Perle aus seiner Seelentiefe erfreuen." Leider blieb Tassaerts Schöpfung nur von 1917 bis 1931 in der Kunstsammlung. Das Original wanderte wieder als Leihgut zur Familie Mendelssohn zurück. Im jüdischen Museum ist heute nur eine Kopie, die auf Kosten der Familie von Arnold Zadikow angefertigt wurde. 5. Am 6. Dezember 1820 vollendete David Friedländer sein 70. Lebensjahr. Die Jüdische Gemeinde ließ den Tag nicht ungefeiert vorübergehen. Bereits am 19. November hatte die Kommission der 27 beschlossen, die Ältesten zu ersuchen, daß sie dem „allgemein geschätzten Mann für alle ersprießliche Dienste, die er als vormaliger Ältester mit unermüdlicher Thätigkeit und musterhafter Ordnung so wirksam und so zweckmäßig dem allgemeinen Besten geleistet" im Namen der Gemeinde förmlich danken sollten. Um das Andenken des würdigen Mannes auch für die Zukunft lebendig zu erhalten, sei zum ewigen Andenken ein Porträt Friedländers im Gemeindezimmer aufzuhängen und das Protokoll des Beschlusses der 27 nebst dem Dankschreiben der Ältesten ins Gemeindebuch einzutragen. So konnten die Ältesten in ihrem Gratulationsschreiben am 6. Dezember mit abschriftlicher Überreichung des von den 27 gefaßten Beschlusses nicht nur im eigenen Namen, sondern im Namen der ganzen Gemeinde sprechen. Selbstverständlich hoben sie außer der Tätigkeit Friedländers für die Berliner Gemeinde auch seine Erfolge für alle Glaubensbrüder Preußens durch seine leitende Mitwirkung bei Erlangung des Edikts von 1812 hervor32). Die Antwort Friedländers33) ist noch am Geburtstage geschrieben: „Wohlgebohrne Herren, höchst verehrenswerthe Herren Aelteste. Am Morgen des erlebten 71sten Jahres noch in frommer Andacht gegen Gott begriffen, dessen Vorsehung mich mit wohlthätigen Gaben über Verdienst beseligt hat, überraschte mich, verehrenswerthe Freunde und würdige Collegen, Ihr 31) Stern, Die Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Mitteilungen zur Eröffnung der Sammlung, Berlin 1917, S.25. 32) Den Wortlaut des Protokolls der 27 und des Gratulationsschreibens der Ältesten habe ich im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin vom 29.12.1934 mitgeteilt. 33) Orig. in der Bibliothek der Jüd. Gemeinde, Handschriftenabteilung (Landshuth E 19). 125

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