Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Gutachten und Briefe David Friedländers
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers so ehrenvolles, so gütiges Anschreiben, von meinem heutigen Geburtstage datirt. Nun konnte ich meinen Dank34) nicht ausdrücken, mein Gebet nicht vollenden, aber ein andächtiger Blick gen Himmel ist das vollkommenste Gebet. So nehmen denn auch Sie, würdige Freunde, da mein Herz so voll ist, das verstummende Gefühl für Ihr Anerkenntnis geringer Verdienste liebevoll auf und erfüllen Sie mir den Wunsch, die Empfindungen meines Danks sowie meine Erkenntlichkeit der hochachtungswürdigen Kommission der 27er mitzutheilen. Sie alle, hochverehrte Herren, werden sich überzeugt halten, daß mich im Bewußtseyn geleisteter nur geringer Dienste Ihre geneigte Erklärungen ungemein erfreuet haben, und daß Ihr wohlwollender Beschluß, mir in Ihrem Gemeinde- Zimmer ein ehrenvolles Denkmal zu errichten, die größte Ehrbegierde befriedigen kann. Nehmen Sie noch schließlich folgenden herzlichen Segenswunsch freundlich-brüderlich von mir an: Der Himmel walte über die Israelitische Gemeinde ferner! Erhalte ihr nemlich Männer von Geistesvermögen, reinem Sinn und religiösem Gefühl, wie Sie sind, welche für das allgemeine Beste mit regem Eifer stets thätig seyn und die ruhmwürdigsten Beyspiele aufstellen mögen. Dann werden sich Ihre Versammlungszimmer immer mehr mit Bildnissen von Israeliten-Freunden, wahren und ächten Israeliten-Freunden, füllen, die mit größerem Rechte diese Ehre verdienen als derjenige, dem Sie sie angedeihen zu lassen würdigen. Mit Hochachtung, Freundschaft und Ergebenheit der Herren Aeltesten verbundenster und ergebenster Dd Friedlaender. Charlottenburg den 6. Decembr. 1820. Den wohllöblichen Herren Aeltesten der Israelitischen Gemeinde zu Berlin." 6. Nicht im Gebrauch und vergessen sind heute David Friedländers „Gebete der Juden auf das ganze Jahr, übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen versehen, Berlin im Verlag der Freischule im Jahre 5546". Das Vorwort ist vom Rosch Chodesch 5546 (30. März 1786), kurz nach dem Tode Moses Mendelssohns, datiert. Das Manuskript hat diesem noch zur Durchsicht vorgelegen. Vorangeht ein Blatt: Seiner ehrwürdigen Mutter „Frau Hinde, Gattin des Herrn Chajjim35) Löb Friedländer" und seiner verehrenswerten Schwiegermutter „Frau Mirjam, Gattin des Herrn Daniel36) Jafe" widmet diese Übersetzung als ein Beweis seiner Dankbarkeit und Hochachtung David Friedländer. Dieses deutsche Gebetbuch des Jahres 1786 wollte Bendavid 1821 in der Druckerei seiner Freischule in neuer Auflage erscheinen lassen und bat37) Friedländer um etwaige Verbesserungen. Es muß also das Verlangen nach einer solchen Übersetzungshilfe wenigstens in Berlin immer noch vorhanden gewesen sein. Das hebräische Gebet war aus dem Gottesdienst nicht geschwunden. Das Streben nach einem deutschen Gottesdienst in Berlin und Breslau hatte sich nur bei den des Hebräischen Unkundigen und den dieses im Interesse einer vollständigen Emanzipation Bekämpfenden geltend gemacht und im Verhältnis zu ganz Deutschland und den anderen deutsch sprechenden Ländern nur kleine Kreise erfaßt. Bendavid kannte das Bedürfnis des Publikums. Für die neue Auflage wünschte er von Friedländer sogar eine Übersetzung der sabbathlichen Semiroth, die nur in den großen Siddurim standen und Friedländer 1786 für seine Übersetzung nicht vorgelegen hatten: 3i) Gegen Gott. 35) Joachim Moses Friedländer, Hinde 1722—1788. 36) Daniel Itzig, Mirjam 1727—1788. 37) Konzept im Archiv d. Jüd. Gem. zu Berlin (Akten die jüd. Freischule betr.). 126