Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Gutachten und Briefe David Friedländers
Date
1936-01-01
Page
Seite 124 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259303-2259306-2262234--4518-2262349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers Bald darauf, am 12. Mai, fragte Mendelssohn auch direkt bei Bendavid an, welche Bewandtnis es mit der Büste habe, warum die Schule sie verkaufen wolle, wieviel Geld sie darauf schuldig sei, wie die Büste zu Friedländer kam etc. Das war die Anfrage eines gewissenhaften Geschäftsmannes. Bendavid glaubte in ihr merkwürdigerweise eine Weigerung zu erblicken — „wohl, weil ich es wünschte" schrieb er an Friedländer — und nahm vom völligen Verkauf Abstand. Er schlug Joseph Mendelssohn vor (13. Mai), die Büste leihweise an sich zu nehmen, das Eigentumsrecht der Schule zu bescheinigen und für den Nießbrauch die Zinsen von 50 Friedrichsd'or nach dem Kurse der Staatsschuldenscheine in halbjährlichen Raten an die Schulkasse zu zahlen. Veräußern könne Bendavid die Büste nur unter der Bedingung des Rückkaufs; die Schule müsse das Recht haben, die Büste innerhalb 10 Jahre für den Kaufpreis ohne Zinsen wieder an sich zu bringen. Joseph Mendelssohn nahm die vorgeschlagene Form der Leihgabe an. Nach Empfang von Büste und Säule stellte er am 25. Mai 1819 den gewünschten Schein aus. Er versprach, die Stücke so lange zu behalten und für den Nießbrauch jährlich 15 Taler in Gold zu entrichten, bis sie nach dreimonatlicher gegenseitiger Kündigung zurückgegeben sein würden. Noch an demselben Tage meldete Bendavid das Zustandekommen mit Mendelssohn an Friedländer. „Dieser Ausgang der Sache", schrieb er, „ist mir um so lieber, da er Ew. Wohlgeb. Wunsch mit dem Meinigen so schön vereinigt. Ihnen war es wie mir darum zu thun, daß das Ebenbild des sei. Weisen in keine ungeweihete Hände gerathe, und mir noch überdieß darum, daß die Schule, ohne sich dieses Kleinods zui berauben, einigen Vortheil davon erzielen möge. Beydes ist dadurch in Erfüllung gegangen und fügt28) eine kleine Perle zu der Krone hinzu, die Sie als Stifter dieser Anstalt erworben haben". Friedländer antwortete: „Mehrfach hat mich Ew. Wohlgebohren gefällige Zuschrift von Gestern29) erfreuet, und ich danke Ihnen nicht allein für all das Verbindliche, das Sie mir bey dieser Gelegenheit und dessen Werth ich zu würdigen weiß, als auch für die angenehme Nachricht, die Sie mir von dem Schicksal der Büste unsres Weltweisen mittheilen. Ich freue mich, daß sie wie die Bundeslade einen sichern und ehrenvollen Platz gefunden (möge sie dem Gastfreund so lange Segen bringen, bis dem Institute, dem sie bestimmt war, ein Tempel erbauet wird) und daß auch der Freyschule ein kleiner Geldvortheil daraus erwachsen ist. Mögen Sie es auch bald erleben, Hoherpriester dieses Tempels zu werden; er kann keinen Würdigern erhalten. Das versprochene Buch30) erfolgt anbey mit vielem Vergnügen. Es wird mir eine unschätzbare Belohnung seyn, wenn Sie diese Schrift lehrreich und gediegen genug finden, Gebrauch auch davon zu machen; sie scheint wie ein uneheliches Kind der Kirche behandelt worden zu seyn. Mir wenigstens ist es unbekannt geblieben, daß sie irgendwo angezeigt worden sey. Mit vorzüglicher Hochachtung versichere ich Sie meiner Ergebenheit. Charlottenburg den 28. May 19. Friedlaender." Durch Übergang der jüdischen Freischule in die Knabenschule der Jüdischen Gemeinde wurde doch noch Ende 1825 die Gemeinde Eigentümerin der Büste. Diese blieb jedoch nach wie vor als Leihgut bei der Familie Mendelssohn. Jahr für Jahr verzeichnete der Etat der Knabenschule eine Einnahmeposition von 51 Mark für die Büste. Endlich wurde das Mietsverhältnis zum 31. Dezember 1906 2S) Es folgt im Konzept: freylich wie. 29) Bendavids Konzept trägt das Datum des 25. Mai. 30) Ein Buch theologischen Inhalts von Schröder, das Friedländer Bendavid zu schenken, früher versprochen hatte und an das dieser zum Schlüsse seines Briefes vom 25. Mai erinnerte. 124

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.