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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 123

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Gutachten und Briefe David Friedländers
Date
1936-01-01
Page
Seite 123 (sequence 11)
Language
German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers forderten. Sie wollten bey eingetretener Noth sie zum Besten der Schule veräußern, und ich widerrieth23) diese Veräußerung. Dieses erinnere ich mich sehr dunkel, und es kann leicht seyn, daß ich mich irre. In jedem Fall steht das Kunstwerk noch bey mir, und theils vorgeschrittnes Alter, theils da ich nächsten April meine Wohnung verändere, macht es nothwendig, daß ich dieses schwer zu transportierende Stück seinem Eigenthümer zurückgebe. Vor etwa einem Jahre sprach ich darüber mit dem Freund Simon Veit24) und meynte: die Gebrüder Joseph und Abraham M.25) wären die schieblichsten26) Käufer zu diesem Kunstwerk, die schieblichsten sowohl als diejenigen, die es am besten bezahlen würden. Veit wollte desfals an Joseph schreiben, der damals, glaub' ich, in Paris war; allein es scheint unterblieben und seitdem ganz vergessen zu seyn. Wenn Ihre Freischule ein schikliches Local hätte, das zugleich Büste und Gestall27) für Verderb schützte, so würde ich rathen, es derselben zu erhalten, da die Jahre der Noth wahrscheinlich auch für sie vergangen sind. Die Büste wäre wohl auch für das Versammlungszimmer der israelitischen Gemeinde alhier recht sehr geeignet. Schwerlich werden die Vorsteher, wenigstens nicht alle, Sinn für einen solchen Ankauf haben. Es bleiben also nur die Söhne des Weltweisen, besonders Joseph (der Ehrfurcht, Liebe, Kunstsinn und Vermögen dazu besitzt) als Bewerber übrig. Wenn Sie also, hochgeehrter Herr Director, noch gesinnt sind, dieses Eigenthum zu veräußern, so würde ich den niedrigsten Preis auf 50 Stück Friedrichsd'or bestimmen. Sie ist von Freunden des Weisen mit 80 Stück Fdr. dem Bildhauer Tassaert bezahlt worden, die dafür 20 Gyps-Büsten im Kauf erhielten. Der Künstler selbst nahm auf den darzustellenden Mann sowie auf das Institut Rücksicht, dem sie bestimmt war, und hat also auf Gewinn sehr wenig gerechnet. 50 Fd'or ist demnach ein sehr billiger Preis. Wenn ich 50 Jahr statt 70 Jahr alt wäre, so würde ich zwar diesen Preis mit Vergnügen zahlen und nach meinem Tode sie zur Aufstellung an die Königl. Bibliothec vermachen. Ich habe indessen Zweifel, daß diese sie annehmen und ihr einen ehrenvollen Platz anweisen würde. Ohne diesen Zweifel könnte man auch 50—60 Fdr. durch Freunde zusammenbringen und sie gleich in der Bibliothec aufstellen lassen. In jedem Fall wäre der Ankauf zuerst den Söhnen des Weltweisen vorzuschlagen, die gewiß für die Erhaltung und künftige Aufbewahrung des Denkmals Sorge tragen würden. Was meynen Sie, hochgeehrter Herr Director, zu allen diesen Plänen? Am Ende der dritten Seite meiner Schreiberey wer&' ich erst gewahr, daß die ganze Verhandlung sich eigentlicher zu einer mündlichen Unterredung qualificiret und schließe also ziemlich schroff mit der Versicherung ausgezeichneter Hochachtung Ew. Wohlgeb. ergebenster Friedlaender." Friedländer hatte wie die Annahme und ehrenvolle Aufstellung der Büste durch die Kgl. Bibliothek auch die Erwerbung durch die Jüdische Gemeinde bezweifelt. Die Vorsteher würden nicht alle Sinn für einen solchen Ankauf haben. Es handelte sich um 250 Taler, auf diesen Preis hatte Friedländer die Büste abgeschätzt. Ob Bendavid betreffs der Gemeinde gleicher Ansicht war und ob er nicht wenigstens den Versuch machte, mit einem Vorschlage an diese heranzutreten, ist nicht bekannt. Am 1. Mai 1819 teilte Moses Friedländer im Namen seines Vaters David, „der jetzt in Charlottenburg wohnt", Bendavid mit, Joseph Mendelssohn habe die Büste, die noch in der alten Berliner Wohnung stand, besichtigt, sei zum Ankauf geneigt und wolle den Preis wissen. 23) Aus dem Briefe Friedländers vom 10.12.1807 geht dies nicht hervor. 24) Schwiegersohn Moses Mendelssohns. — 25) Mendelssohn. — 26) So. 27) So. 123

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