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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 122

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
Gutachten und Briefe David Friedländers
Date
1936-01-01
Page
Seite 122 (sequence 10)
Language
German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers Die Büste ist ganz unverletzt und bedarf keiner Reinigung. An dem marmornen Postament ist etwas an der Canellirung beschädigt, welche Beschädigung zwar nicht zu verbessern, aber ganz unbedeutend ist. Die Büste nebst dem Gestell und 20 von dem Künstler selbst verfertigte Gips- Abgüsse haben 400 Rt. in Gold gekostet. Zwanzig Freunde des Weltweisen zahlten letztere mit 20 Rt. das Stück, und auf diese Weise wurde das Kunstwerk für die Schule erworben. Es hat für mich einen unschätzbaren Wert, aber in gegenwärtigen Epoche kann ich keinen Geldpreis darauf setzen. Ich muß es also der löbl. Direktion überlassen, welchen Gebrauch sie davon machen will, und bin bereit, sie verabfolgen zu lassen. Ich unterzeichne mich mit der schuldigen Achtung Berlin den lOten December 1807. Friedlaender. Dem Herrn L. Bendavid, pt.Director der jüdischen Freyschule zu Berlin." Bendavid hatte wohl von vornherein mit der Ablehnung Friedländers gerechnet; denn bereits eine Woche später trat er mit einem Lotterieplane vor die Öffentlichkeit22). Es sollten 70 Lose zu 5 Talern in Gold seitens der Schulklasse verkauft werden. „Die Loose sind auf ein Quartblatt mit hebräischen Lettern gedruckt und keines ist gültig, das nicht von dem Director L. Bendavid und den Inspektoren J.F.Meyer und Meyer Hirsch unterschrieben und mit dem Stempel der jüdischen Freischule belegt ist." Gewinner ist derjenige Loosinhaber, dessen Nummer bei der bevorstehenden 235. Ziehung der Berliner Zahlenlotterie zuerst herauskommt, und der Gewinn der Schullotterie ist Tassaerts Büste und Säule! Für 5 Taler Einsatz das Kunstwerk zu erhalten, das 400 Taler gekostet hatte, hätte viele Käufer anlocken müssen. Aber die 70 Loose konnten bei den schlechten Zeiten — es war nach dem gegen Napoleon verlorenen Kriege — nicht abgesetzt werden, die wenigen Looskäufer erhielten ihr Geld zurück. So war der Lotterieplan ein Fehlschlag, der hätte vermieden werden können, wenn die Theoretiker Bendavid und sein Inspektor Meyer nicht so weltfremd gewesen wären. Ohne Lotterie fand sich aber für die Büste Mendelssohns kein Käufer. Da sie die Schule ebenso wenig wie früher in eigenen Räumen verwahren konnte, verblieb sie bei Friedländer in würdiger Obhut. Die Jahre gingen dahin. Schließlich kam auch für Friedländer die Zeit, da er selber erklärte, die Büste zurückgeben zu müssen. Über 30 Jahre hatte er sich an ihrem Besitz erfreut, im März 1819 glaubte er, für die Büste sorgen zu sollen. Ausschlaggebend für den Termin war der Umstand, daß er zum Beginn des April einen alten Plan verwirklichte und seinen Wohnsitz nach Charlottenburg verlegte, wo er schon in den letzten Jahren während des Sommers gelebt hatte und wohin, nunmehr Büste und Säule mitzunehmen schwierig war. Hinzukam sein hohes Alter, das ihn veranlaßte, an die Zukunft zudenken. Er befand sich 1819 zwar in besseren pekuniären Verhältnissen als 1807 und war in der Lage, die Büste anzukaufen. Bei jüngerem Alter hätte er das Kunstwerk erworben, um es für den Fall seines Todes der Kgl. Bibliothek zu stiften. Würde aber die Bibliothek die Büste annehmen und ihr einen ehrenvollen Platz anweisen? Er schlug daher in seinem Briefe an Bendavid vor — der Brief ist undatiert, der Empfänger vermerkte das Eingangsdatum: 8. März 1819 —, wenn dieser die Büste veräußern wolle und die Jüdische Gemeinde sie nicht für ihren Sitzungssaal erwerbe, sie zunächst den Söhnen Moses Mendelssohns, Joseph und Abraham, zum Kauf anzubieten: „Es mögen nun wohl einige Jahre verflossen seyn, daß Sie, mein hochgeehrter Herr Director, die Marmor-Büste des sei. Mendelssohn, die auch ein marmornes Fußgestell hat, als das Eigenthum der Freyschule als Director mit Recht zurück- 22) „Ankündigung" vom 17.12.1807, unterschrieben von „Bendavid pt. Director und Joh. Friedr. Meyer pt. Inspector". 122

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