Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Gutachten und Briefe David Friedländers
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 9)
- Language
- German
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Moritz Stern. Gutachten und Briefe David Friedländers 4. Im Jahre 1784 taten sich 20 Freunde Moses Mendelssohns zusammen, um durch den Berliner Kunstakademiedirektor Johann Peter Anton Tassaert eine marmorne Büste Mendelssohns anfertigen zu lassen18) und sie der jüdischen Freischule, dem geistigen Kinde Mendelssohns, zu schenken. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß der Plan zur Herstellung von David Friedländer ausging, der bis 1784 Mitdirektor der Freischule war. Ein jeder der zwanzig zahlte 20 Taler in Gold. Für die 400 Taler lieferte Tassaert die Büste und eine Säule mit Inschriftplatte nebst Widmung, außerdem für jeden beteiligten Geber einen Gipsabguß der Büste. Diese, im weißen Marmor ausgeführt, trägt auf der Rückseite das Jahr ihrer Vollendung: 1785. Im Februar 1785, also noch zu Lebzeiten Mendelssohns, wurden Säule und Büste in der Freischule aufgestellt, den Widmungstext hatte Mendelssohns Verehrer Ramler geliefert19). Nur kurze Zeit blieb das Tassaertsche Kunstwerk in der Schule. 1786 wird es dort im Itzigschen Haus der Klosterstraße von Nicolai20) erwähnt. Dann trat es seine Wanderung an. Die Schule mit ihren beschränkten Räumen war doch nicht der passende Ort, auch bot sie keinen genügenden Schutz gegen Beschädigung. Der Direktor der Anstalt Isaac Daniel Itzig war daher gern damit einverstanden, als sein Schwager David Friedländer sich erbot, Büste und Säule nach seiner Wohnung Burgstraße 25 in sorgfältige Hut zu nehmen. Auch Bendavid, der im Juli 1806 nach dem Tode Itzigs die Schuldirektion übernahm, ließ die Büste bei Friedländer, nur mußte dieser eine Bescheinigung ausstellen, daß Büste und Säule Eigentum der Schule seien. Neue Leitung sinnt auf neue Pläne zur Verbesserung. Bendavid wollte die mit der Schule verbundene Buchdruckerei besser ausnutzen und durch den zu erzielenden Gewinn die Schule zweckmäßiger einrichten. Um die nötigen Auslagen für die Druckerei herbeizuschaffen, schien ihm eine Verwertung der Büste Mendelssohns geeignet. Er fragte daher am 9. Dezember 1807 Friedländer an, ob er die Büste, die er in Verwahrung habe, ankaufen wolle und welchen annehmbaren Preis er biete. Man kann es dem Schüler Mendelssohns nachfühlen, wie schwer es ihm wurde, sich von dem ihm lieb gewordenen Leihgut zu trennen und die folgende geschäftliche Antwort21) zu geben: „Ew. Wohlgeboren gebe ich mir die Ehre auf das gefällige Schreiben von gestern zu erwiedern, daß ich bereit bin, die der jüdischen Freyschule gehörige Büste des seligen Mendelssohn gegen einen Empfangschein der ganzen löblichen dermahligen Direktion derselben auszuhändigen. 18) Zu den Sitzungen fand sich Mendelssohn in Tassaerts Atelier ein. Den Termin eines solchen Besuches betreffen einige Zeilen von Mendelssohns Hand am 26.4.1784 an Tassaert: Auktionskatalog Henrici Nr. 70, Berlin 1921, S. 33, Nr. 238. 19) S. die Abbildung zu Beginn von Stern-Schwarz, Katalog der Moses Mendelssohn-Ausstellung September 1929 und Ramlers Widmung in „Ost und West" 1917, Sp. 96, sowie im Ausstellungskatalog, S. 63. 20) Beschreibung der Kgl. Residenzstädte Berlin und Potsdam, 3. Aufl., Bd. 2, Berlin 1786, S. 861, Nr. 37. 21) Die Originale dieses und der beiden weiter mitgeteilten Briefe Friedländers liegen im Archiv der Berliner Jüd. Gemeinde (Akten I A 5, 14), wo sich auch die anderen mit ihnen zusammenhängenden Dokumente befinden. Vgl. Bendavids 12. Nachricht der jüd. Freischule, Berlin 1820, S. 2—3. 121